11 April 2017

Von Grißheim nach Rust

Heute hatten wir eine weite Strecke von 64 Kilometern vor uns - unser neuer Rekord. Das heißt natürlich nicht, dass zwischendurch keine Zeit für einen kleinen Umweg ist. Schon nach wenigen Kilometern führte uns eine Brücke vom rechten Weg (im Bild rechts) auf eine Brücke mit Bauampel - direkt nach Frankreich.

Der Weg auf die andere Seite ist überraschend lang und anstrengend. Nach der Bauampel-Brücke über den Rhein mussten wir eine Steigung hoch, über eine riesige Schleuse auf der ersten Hälfte des Alsace-Kanals (der hat sich auch noch in zwei Hälften geteilt), eine Steigung runter und vorbei an einem Wasserkraftwerk auf der anderen Kanalhälfte...

...und dann standen wir in Fessenheim. Dort erkannten wir durch die Bäume eines der marodesten Atomkraftwerke Frankreichs, bei dem ein Zulieferbetrieb schlechtes Material für die Turbinen geliefert hat. Der olle Schrottmeiler sollte eigentlich demnächst abgeschaltet werden, aber man hat sich nun dagegen entschieden, weil man dann wohl auch noch viele weitere, ähnlich kaputte französische Atomkraftwerke abschalten müsste, na, und wo käme man denn da hin?
Einwohner auf der deutschen Seite, besonders in der nahen Metropole Freiburg, betrachten das Kraftwerk mit großer Sorge. Wer weiß - womöglich ist die friedlich Landschaft, durch die wir geradelt sind, eines Tages eine Todeszone.

Direkt daneben liegt ein Wasserkraftwerk und ein dazugehöriges Museum: Das Haus der Energien (Maison des Energies). Es wirbt damit, gratis, interaktiv und familienfreundlich zu sein - hat aber im April noch Winterpause und ist generell meistens geschlossen.

Also zurück nach Deutschland und weiter auf dem Rheinradweg am Ufer. Wir sausten über den Kies und wirbelten eine Menge Staub auf. Kleine Steinchen klackerten zwischen den Speichen.
Der Rhein bietet eine reichhaltige Fauna: Schwäne, kleine graue Fische, eklige winzige Insekten, die manchmal bei voller Fahrt gegen das Gesicht klatschen - und Ringelnattern. Einer bin ich gerade noch rechtzeitig ausgewichen, bevor ich sie plattgefahren habe. Ein kleiner Schreckmoment - sowohl für mich als auch für die Schlange.

Einige Männer bespritzen die Natur mit Wasserschläuchen und gießen die Pflanzen - oder was auch immer sie damit bezwecken.

EuroVelo-Radweg Nummer 15 - da müssen wir lang!

Hinter einem Stauwehr beginnt eine deutsch-französische Doppelstadt. Der französische Teil heißt Neuf-Brisach (hinten), der deutsche Breisach.

Breisach gehört zu den Städten, die auf unseren Karten violett unterstrichen sind. Das bedeutet sehenswertes Ortsbild. Warum Breisach in diese Kategorie fällt, sieht man auf den ersten Blick. Hoch über der Stadt ragen eine Festungsmauer und das Münster auf.

Am Hafen fand gerade eine Notfallübung auf einem Ausflugsschiff statt.

Der Stadtkern von Breisach ist im Prinzip schön, es gibt nur zu viele Autos, sodass man ständig Abgase schnuppert.
Wir wollten in der Stadt schön Mittag essen gehen. Die Küche von Baden-Würtemberg hat schließlich so großartige menschliche Errungenschaften wie Flammkuchen oder Spätzle hervorgebracht.
Das Restaurant Badische Küche können wir aber nicht empfehlen. In der Zeit, die wir auf unser Essen warten mussten, hätten wir auch bis an die Rheinmündung in den Niederlanden fahren und dort den größten Computer des Universums bauen können, der in einem 7,5 Milliarden langen Programm die Antwort auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest berechnet.
Wir haben natürlich nichts von alldem gemacht. Nein, wir haben es nicht einmal geschafft, in der Zeit zur Apotheke zu gehen. Wir haben einfach nur herumgesessen, nervös auf die Uhr geschaut (in dem Wissen, dass wir noch 40 Kilometer zu fahren haben) und in Endlosschleife gedacht: Na, jetzt muss es aber gleich kommen...
(Achtung: Wir haben davon kein Bild gemacht, auf diesem Foto sind am Rand zwei andere Restaurants zu sehen. Wie die sind, weiß ich nicht.)

Ich bin trotzdem noch auf den Berg von Breisach raufgefahren.

Dort hat ein Künstler ein Wasserrad künstlerisch umgestaltet. Früher musste mit so einem Ding das Wasser auf den Berg gepumpt werden.

Auf der Landkarte sieht man, dass das Oberrheintal von zwei fernen Gebirgen eingerahmt wird, nämlich den blassblauen Vogesen in Frankreich (im Bild) und dem eindeutig nicht schwarzen Schwarzwald in Deutschland. Unten am Rhein ist aber alles flach, Berge sind nicht zu sehen. Dazu muss man schon etwas höher hinauf.
Funfact: In 40 Millionen Jahren könnte Europa hier entlang des Rheingrabens in zwei Erdplatten zerbrechen. Bis dahin müssen Deutschland und Frankreich durchhalten und keinen neuen Krieg beginnen. Der tektonischen Graben ist auch das erdbebenreichste Gebiet Deutschlands, 1356 zerstörte das letzte große Beben ganz Basel.


In unserem Radführer sind hier übrigens noch zwei Ausflüge in zwei schöne Städte eingezeichnet, die zwar nicht direkt am Rhein, aber doch in der Nähe liegen. Auf der deutschen Seite kann man nach Freiburg im Breisgau abschweifen, wo in jeder Straße ein Bach (Bächle) fließt, auf der französischen Seite liegt Colmar mit Bäumen, buntem Fachwerk und einem Storchennest auf der Kirche. Wir haben diese Städte ein andermal besucht (Freiburg vor, Colmar nach der Radtour). Wer sie aber noch nicht kennt und auf seiner Radtour Zeit hat: Der Umweg lohnt sich durchaus.


Gut, weiter im Text. Durch ein Gewerbegebiet geht es zurück zum Rhein. Der ist inzwischen nicht mehr so naturbetont, wir sahen Wehre, Lastschiffe, Fließbänder und hinter den Bäumen Kieswerke voller Kiesberge.


Der Rheinseitenkanal zweigt immer mal wieder vom Rhein ab, nur um irgendwann wieder mit dem Altrhein zusammenzufließen.

Und es gibt auch sehr viele Sportvereine. Auf dem Gelände eines Kanuclubs haben wir gerastet - schließlich gab es Bänke, einen Spielplatz und kein Verbotsschild.

Es geht vorbei am bräunlichen Gebirge Kaiserstuhl, in dem sich diverse Burgruinen versteckt haben. Dort weicht der Radweg etwas vom Rhein ab.

Am Rheinufer liegen Naturräume mit so schrägen Namen wie Rappennestgießen oder Rheinniederung Wyhl-Weisweil.
Durch einen Zick-Zack-Weg zwischen Wald und Baumschulen,...

...das Örtchen Rheinhausen,...

...wo wir eingekauft und die neuen Lebensmittel etwas riskant verstaut haben,...

...sind wir schließlich nach langer Fahrt am heißbegehrten Ziel angekommen: Der Europapark in Rust, der wohl größte, teuerste und beste Freizeitpark Deutschlands. Manche Freizeitparks sind eher familienfreundlich, andere sind was für extrem verrückte Adrenalinos. Der Europapark jedoch ist in beiden Kategorien herausragend. Das hat natürlich seinen (Eintritts)Preis, der für eine Familie ein kleines Vermögen beträgt.
Der Park gehört der Firma Mack, die Achterbahnen baut und in die ganze Welt exportiert. Es ist also gleichzeitig auch eine Art Ausstellungsgelände.

Und der Herr Mack hat sich so einiges einfallen lassen. Das geht schon auf dem Parkplatz los, wo die Achterbahn namens Silver Star irre weit aus dem Parkgelände fährt, irre weit hoch und dann entsprechend auch irre weit runter. Das ist mal ein ganz anderes Raumgefühl als innerhalb eines Parks, wo die Bahnen dicht an dicht stehen.

So wie diese drei zum Beispiel:
Links transportiert der Matterhorn-Blitz die Fahrgäste in einem schaukelnden Aufzug aufwärts, danach geht es durch enge Kurven. Die Kugel in der Mitte beinhaltet Eurosat, eine komplett innen liegende, dunkle Weltraum-Achterbahn (Nachtrag 2026: inzwischen thematisch als französisches Varieté-Theater).
Rechts rast die Schweizer Bobbahn durch eine Rinne.
Sie merken schon, thematisch sind wir hier nicht gerade an der Nordsee.


In der Bahn Euromir drehen sich die Wagen, bis man selbst durchdreht. Zumindest ich. Dass sich die runden Wagen auf dem Gleis zusätzlich im Kreis gedreht haben, war mir zu viel. Dementsprechend entstand auf dieser Bahn das einzige Action-Foto, auf dem ich nicht euphorisch wirkte, sondern eher bemüht, das Essen drinzubehalten. Aber die Menschen und ihre Mägen sind verschieden, und viele Gäste hatten hier anscheinend ihren Spaß.


Auf der Wasser-Achterbahn Atlantica fuhren wir ein Stückchen rückwärts, das wiederum findet auch mein Magen witzig.

Die Holzachterbahn Wodan sieht wie die meisten Holzachterbahnen absolut imposant aus, weil sie nun mal viel mehr Stützen, Ständer und Streben braucht, um stabil zu stehen. Und wie die meisten Holzachterbahnen fährt sie sich ziemlich ruckelig bis unangenehm, das Kopfsteinpflaster unter den Achterbahnen, auch wenn manche ja auf das Holzachterbahn-Gefühl schwören.

Und worauf schwöre ich? Auf Bluefire, die Blaue im Hintergrund, gesponsort von Gazprom (Nachtrag: inzwischen nicht mehr). Die rast direkt aus dem Stand einfach so los, ohne irgendwie Schwung zu holen - zack, schon gibt es Loopings, Schrauben, enge Felstunnel, negative G-Kräfte und anderes abgefahrenes Zeug. Whoa! Als großer Mensch sind diese neuen Achterbahnen genau mein Fall, maximaler Geschwindigkeitsrausch auf maximaler Strecke bei maximalem Komfort, nichts ruckelt, keine Schulterbügel quetschen den Oberkörper ein, und am Ende wird relativ sanft abgebremst.

Nachtrag 2026: Da trifft es sich gut, dass der Europapark eine noch größere in dem Stil gebaut hat: Voltron ist im Prinzip ein kroatisch gestalteter, zweiter Bluefire, der zusätzlich mit sieben verschiedenen Überschlägen ankommt. Hui, das war eine lange Fahrt... Moment, wieso steigen wir nicht aus, und wieso wird der Wagen gedreht? Ich pendelte ein Boomerang-Gleis rauf und runter und dann... nochmal die ganze Strecke zurück?! Jawoll!

 

Ich war bemüht, mich an die Grundregeln für Freizeitparks halten, zum Beispiel:
-sich schon mal im Voraus informieren, womit man fahren möchte,
-ein dickes Buch für die Warteschlangen mitnehmen (die im April schon bis zu 40 Minuten lang sind),
-azyklisch vorgehen, also zuerst hinten im Park anfangen, wo noch nicht so viele sind (also das genaue Gegenteil der Reihenfolge, die ich hier beschrieben habe)
-die Öffnungszeiten von 9 bis 19:30 Uhr voll ausschöpfen (schön, dass der Park an dem Tag so lange aufhatte - andere Freizeitparks machen immer so furchtbar früh zu)
-und mindestens ein Actionfoto kaufen, die eine fest montierte Kamera während der Fahrt schießt - immer wieder interessant, was da so für Grimassen entstehen


Der Alpenexpress Enzian ist die älteste Achterbahn des Parks und wird von einem Motor betrieben. Dort haben wir uns eine digitale VR-Brille ausgeliehen, die während der Fahrt einen Film abspielt, der genau auf die Bahn zugeschnitten ist - uns wurde vorgetäuscht, wir säßen in einem kleinen Propellerflugzeug und flögen durch einfache Animationsfilm-Landschaften. Wir hatten durch das Video sogar das Gefühl, die Achterbahn hätte sich an einer Stelle überschlagen, obwohl sie das gar nicht tut - eigentlich hat sie an der Stelle nur eine schräge Kurve.

Und noch was Besonderes: Das Food-Loop-Restaurant, in dem das Essen per Achterbahn kommt. Passend zur Achterbahn-Gestaltung steht man draußen zunächst lange Schlange und wartet auf einen Tisch. Dann geht alles ganz schnell: Man bestellt auf einem Bildschirm, und wenig später saust das köstliche Mahl in mit Gummis verschlossenen Töpfen auf Schienen heran. Faszinierend!
Sogar dem Familienvater, der für Freizeitparks eigentlich gar nichts übrig hat, gefiel der Europapark anscheinend ein bisschen, "weil man dort nicht das Gefühl hat, dass einem an jeder Ecke das Geld aus der Tasche gezogen wird." Das Essen ist beispielsweise nicht überteuert. (Nachtrag 2026: Inzwischen schon, aber wo ist es das nicht?)


Ein Freizeitpark braucht natürlich auch Gestaltung. Der Europapark ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die europäische Länder darstellen. Ich wusste zwar nicht, dass das Märchenland oder das Königreich der Minimoys jetzt auch schon europäische Staaten sind, aber man lernt ja nie aus.
Ein Beispiel für konsequente Thematisierung sind die berühmt-berüchtigten Nichtraucher-Durchsagen des Europaparks. Diese lauten zum Beispiel "Ich spürre die Tapferrkeit in eurren Herrzen. Aber ihr müsst euch an die Gebote halten. Vorr allem dürft ihrr im Warrtebereich auf keinen Fall rrauchen!" (Wikinger-Holzachterbahn in Island) oder "Biep, biep. Eine wichtige Information an alle humanoiden Mitreisenden. Gemäß Paragraph 18a des Intergalaktischen Gesetzbuches ist die Einnahme organischer Substanzen im Wartebereich und während des Fluges untersagt. Insbesondere ist das Rauchen strengstens verboten." (mechanische Stimme bei der Weltraum-Achterbahn).
Und tatsächlich: Niemand hat im Wartebereich geraucht.

Die ganzen Bahnen für kleinere Kinder und die zahllosen Kinderspielplätze habe ich nur im Vorbeigehen gesehen, aber auch für die scheint es eine ganze Menge zu geben. Nanu, ist das eine Fahrraddraisine? Die an Schienen hängt?
Nein, das lahme Fluggerät im Italienbereich war ein Fake. Die Pedale sind nur schmückendes Beiwerk, welche die Propeller-Spirale aus Leinentüchern oben drehen, was aber egal ist, denn das Teil fährt so oder so von allein. Anders als das Original von Leonardo da Vinci, das überhaupt nicht flog. Er hatte keine Pedale eingeplant, und drei Menschen, die im Kreis liefen und so den Stoffpropeller drehten, reichten natürlich erst recht nicht, um abzuheben.

Das Dorf Rust ist in einem guten Zustand, der Park zahlt wohl seine Steuern. Wer hier wohnt, hat immer freien Eintritt und kann mit dem Vermieten von Ferienwohnungen Geld verdienen, muss sich jedoch damit abfinden, dass sein Wohnort so etwas wie ein kleines Anhängsel des Europaparks ist. Natürlich findet man im lokalen Schilderwald auch die unvermeidlichen Wortspiele wie RUSTikal oder Casa RUSTica.
Der Park sollte ursprünglich in Neuenburg stehen, doch der dortige Bürgermeister wollte ihn nicht. Das hat uns gestern unsere Vermieterin in Grißheim (bei Neuenburg) erzählt. Sie wirkte darüber nicht sehr begeistert.
Natürlich muss man sich einen ganzen Tag Zeit für den Freizeitpark nehmen. Deswegen haben wir gleich zwei Nächte in der tollen Ferienwohnung am Steingarten übernachtet. Die ist riesig, schick eingerichtet - und überall war kostenloser Naschkram versteckt! Nicht nur ein Freizeitpark, sondern auch noch verfrühte Ostern, diese Tour ist viel zu gut für uns.

09 April 2017

Von Basel nach Grißheim

Zeit für den zweiten Teil des Rheins - beziehungsweise so viel, wie wir davon in den Osterferien 2017 eben schaffen. Eigentlich hätte ich in der Zeit für das Abitur lernen sollen, aber ich habe mir die Materialien einfach mitgenommen.

Mit Rad und Bahn zu verreisen, ist immer wieder spannend - um es nett auszudrücken. Am Badischen Bahnhof in Basel haben alle Bahnsteige Fahrradrampen - außer der, auf dem wir angekommen sind. Aufzüge waren auch nicht da, nur ein Gepäck-Fließband, auf das man ausdrücklich keine Fahrräder stellen darf. Da gerät man schon in Versuchung, das Verbotsschild zu ignorieren.
Von all den anderen Widrigkeiten, die uns auf dieser Bahnfahrt widerfuhren, will ich lieber schweigen. Weiter im Text.
 
Kaum betraten wir die große graue Bahnhofshalle, standen wir auch schon in der Schweiz.

Letztes Mal haben wir es gar nicht mehr geschafft, uns Basel anzusehen. Das mussten wir jetzt unbedingt nachholen. Denn Basel ist eine wunderbare Stadt.
An der Baseler Uni unterrichtete Friedrich Nietsche - ein schlecht gelaunter und am Ende sogar verrückter Philologe und Philosoph. Wie er in solch einer schönen Stadt ein so negatives Weltbild entwickeln konnte, bleibt uns ein Rätsel.

Zunächst einmal haben wir im einem Stadtviertel namens Clara übernachtet. Das erinnert ein bisschen an Berlin - wenn man Berlin mal gründlich renovieren, saubermachen und zahlreiche Autos durch Bäume und Blumentöpfe ersetzen würde.

 Unsere Pension heißt La vie en rose - das Leben in Rosa. Der Name trifft es ganz gut.

Am Rheinufer tummeln sich jede Menge Menschen. Sie picknicken, spielen Karten und schwimmen im Rhein. (Zumindest stand das so im Reiseführer – im April schwamm da niemand.) Polizei und Müllabfuhr sind allgegenwärtig und sorgen für Recht, Ordnung und Sauberkeit.
Basel ist bekannt für seine Architektur – denn davon gibt es jede Menge. Das Stadtbild prägen moderne Kästen aus Glas und Stein...

...in harmonischer Zusammenarbeit mit älteren Gebäuden (natürlich allesamt in Top-Zustand) und vielen Pflanzen.
Auf dem Rhein verkehren die typischen Fähren, die von der Strömung des Wassers an einem Seil quer über den Fluss gezogen werden. Sozusagen das Äquivalent der venezianischen Gondeln.
Über die mittlere Rheinbrücke…

...und eine steile Gasse gelangt man in die Altstadt.
Hoch über der Stadt ragen die Glaspaläste der Chemie- und Pharmaunternehmen auf.

So etwas wie einen historischen Stadtkern gibt es ja in fast jeder Großstadt. Aber der in Basel ist definitiv der sauberste!
Die dicken Prellsteine an den Hauswänden sollten im Mittelalter vor Schäden schützen, wenn ein Fuhrwerk gegen die Wand fuhr. (Das heißt, sie sollten das Haus schützen, nicht das Fuhrwerk.) In vielen mittelalterlichen Altstädten sieht man sie an der einen oder anderen Straßenecke – aber die überkorrekten Schweizer haben lieber alle paar Meter einen aufgestellt.

In einem der sauberen alten Häuser befindet sich das naturhistorische Museum. Die Sonderausstellung über Mumien hat unser kleines Mädchen mit gelegentlich leicht morbiden Interessen sofort interessiert. Die halbvermoderten Tiere, Bilder und Touchscreens, auf denen man an die Eismumie Ötzi heranzoomen kann, können bei sensibleren Müttern Albträume verursachen.

Im Flur des Museums stehen einige Exponate, zum Beispiel eine Riesenmuschel, die mit Bitte berühren! beschriftet sind (aber keine Mumien). Da hat sich mal jemand wirklich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Solch ein Schild haben wir bis jetzt nur in einem einzigen anderen Museum erlebt - in Husum an der Nordsee.

Basel hat jede Menge Kirchen. Ich mag das Münster am liebsten. Es hat nicht so angeberisch hoch, aber dafür etwas breiter. Auf der Fassade sieht man unter anderen den Heiligen Georg, der einen Drachen mit etwas erschlägt, das einem Laserschwert ähnelt.

Gleich hinter dem Münster liegt eine Aussichtsplattform und der Durchgang zu einem ehemaligen Klostergarten. Am Sonntagvormittag erklang die Kirchenmusik durch die dicken Mauern bis zu den Passanten nach draußen.

Diesen verrückten, witzigen Brunnen hat sich der Künstler Jean Tinguely ausgedacht. Das ist mal moderne Kunst, die auch Kinder anspricht (und anspritzt)! In Basel befindet sich auch das dazugehörige Tinguely-Museum.

Was gibt es sonst noch in Basel? Ein rotes Rathaus, grüne Straßenbahnen…

...und ein Spielzeugmuseum.

Nun mussten wir aber auch mal weiter, schließlich hatten wir noch eine Tagesetappe von etwa 42 Kilometern vor uns. Nach einem Grenzübergang mit Fahrradstreifen folgt gleich die erste deutsche Stadt: Weil am Rhein.

Weil besteht aus einer riesigen, breiten Einkaufsstraße. Hierher kommen bestimmt viele Schweizer, weil sie billig einkaufen wollen.

Auf dem Wasser treffen derweil die Schweiz, Deutschland und Frankreich aufeinander. Diese Stelle kann man von der Dreiländerbrücke aus am besten sehen. Da musste ich natürlich auch mal kurz rauffahren.
Im Hintergrund sieht man das deutsche Ufer.

Links ist Deutschland, rechts Frankreich und in der Mitte die Schweiz – von der wir uns hiermit verabschieden. Ab jetzt ist der Rhein die deutsch-französische Grenze.
Wir wollen meist auf der deutschen, rechten Seite fahren – da sind die Radwege besser. In Frankreich fährt man oft auf Straßen durch Ortschaften weitab des Rheins. Aber ein paar Ausflüge nach Frankreich machen wir natürlich trotzdem.

Es folgt ein erstaunlich grünes Gewerbegebiet mit Gleisen und Schiffscontainern.

Dann führt der Radweg direkt am Fluss entlang – und so soll er laut unseren Karten auch lange bleiben. Er ist nicht asphaltiert und besteht aus weißem Kies.
Endlich wieder auf Radtour! Naja, erstmal eine Mittagspause.

Wenige Meter vom Ufer entfernt fließt ein kleinerer Fluss mit kleineren Fischen. So viel Idylle, Grün und Sommerhitze – und das so früh im Jahr. Aber das Oberrheintal ist schließlich die wärmste Region Deutschlands.

Hier zweigt der Grand Canale D‘Alsace alias Rheinseitenkanal ab (links), der ab jetzt parallel zum Rhein (rechts) verläuft. Es gibt also zwei Ströme: Den Kanal für Schiffe und den Fluss für die Natur. Beide werden sehr oft gestaut. Seit Basel können auch große Schiffe auf dem Rhein fahren, nur müssen sie zunächst sehr oft auf den Kanal ausweichen.

Am Flussufer sitzen gesellige Menschen an Lagerfeuern. Schilder warnen davor, dass man kleinere Flussbetten und Überflutungsgebiete betritt. Als der Weg plötzlich an einer Furt durch solch einen kleinen Fluss endete, wusste ich, dass ich irgendwie falsch sein musste. Ich hatte ein Schild übersehen, mit dem die Radfahrer weg vom Ufer und auf eine Brücke geführt werden sollten.

Der Rhein wurde lange Zeit für die Schifffahrt ausgebeutet, stark begradigt und immer weiter eingeengt. Dadurch entstand aber auch eine starke Hochwassergefahr für die umliegenden Städte. Daher wird nun das Integrierte Rheinprogramm durchgeführt - es werden wieder Überflutungsgebiete (sogenannte Polder) angelegt, in die das Wasser gegebenenfalls ausweichen kann.
An sich ist das eine gute Sache. Für uns bedeutete das jedoch, dass der Weg am Ufer mehrmals gesperrt war und wir Umleitungen fahren mussten.

Dort hatten wir links freie Sicht auf die Baumaßnahmen - mal eine Baumschule, mal ein kleines zusätzliches Flussbett aus Steinen und manchmal noch eine aufgebaggerte Mondlandschaft. Von rechts hört man das sanfte Rauschen einer Autobahn (hinter den Bäumen).

Ein Highlight auf der Strecke sind die Isteiner Schwellen. Dort rauscht, plätschert und strudelt das Wasser um kleine Felsinseln. Man kann sogar zwischen den Stromschnellen herumklettern.
Zahlreiche Schilder warnen aber: Es kann jederzeit vorkommen, dass der Kanal nebenan überlastet ist oder dass die Technik im Stauwehr versagt. Dann öffnen sich die Tore des Wehrs, und die Inseln werden in 20 bis 30 Minuten überspült. Also immer den Rückweg im Auge behalten und schnell zurückgehen, wenn das Wasser anzusteigen beginnt.

Einer unserer Mitreisenden bleibt regelmäßig an einer Stelle stehen, baut ein Fotostativ auf und wartet, bis keine Menschen im Bild sind. Nach langer Zeit entstehen dadurch künstlerische Aufnahmen wie diese hier. So sehen die Isteiner Schwellen mit Langzeitbelichtung aus. Dieses glatte weiße Wasser ist natürlich ästhetischer als die profanen Wasserwirbel mit Schaum, die ich dort mit meinen eigenen Augen gesehen habe.

Der Weg geht weiter, und man durchquert noch mehr Natur, einmal sogar ein Naturschutzgebiet. Direkt am Rhein gibt es keine Städte mehr, die werden durch einen Pflanzengürtel und eine Autobahn vom Fluss getrennt.
Unter dieser Autobahnbrücke lauschten wir dem dumpfen Dröhnen...

...und entdeckten die Überreste eines Fahrrads, dessen Besitzer die Hochwasser-Warnschilder möglicherweise ignoriert hat.

Polder dürfen nicht bebaut werden, denn sie werden manchmal überschwemmt und wenn dann da Häuser unter Wasser stünden, würde das irgendwie dem Ziel des Hochwasserschutzes widersprechen. Deshalb liegen direkt am Rhein keine Ortschaften, also mussten wir einen kleinen Umweg (2,5 Kilometer) über eine Landstraße machen, um unsere Pension im Dorf Grißheim bei Neuenburg zu erreichen.