03 April 2012

Donau: Von Linz nach Au an der Donau

In Linz haben wir noch bis mittags wirklich viel Zeit vertrödelt, vor allem im ARS Elektronica Center. Deswegen mussten wir uns beeilen, um die verlorene Zeit aufzuholen.
Allerdings lagen auf dieser Strecke auch zwei Zwischenziele, zwischen denen wir uns entscheiden mussten: Am Südufer die angeblich schöne Stadt Enns an der Mündung des gleichnamigen Flusses und am Nordufer Mauthausen mit einer unschönen Besonderheit.

Die Entscheidung fiel uns schwer, doch wir wählten diesmal nicht den einfachen Weg.
Darum mussten wir zunächst auf einer Straße bei brütender Hitze fast ohne Schatten große Steigungen hinaufstrampeln. Auf dem Berg lag das Konzentrationslager Mauthausen, in dem vor allem Bewohner der Tschechoslowakei gefangen gehalten wurden. (Die tschechische Grenze ist in nicht weit weg.) Sich vorzustellen, was hier einst für furchtbare Dinge geschahen, ist noch viel anstrengender als die Fahrt zur Gedenkstätte.
Wer (wie ich damals) jünger als 18 Jahre alt ist, bleibt dabei tatsächlich sehr auf seine Vorstellungskraft angewiesen, denn die Audioguides sind nur für Volljährige. Minderjährige können sich lediglich wenige Schilder durchlesen. Eine Handvoll Baracken wurde nachgebaut, der Rest bloß angedeutet. Wer Kindern dieses schwere Thema nahebringen will, statt sie nur gelangweilt in der Hitze herumlungern zu lassen, sollte lieber eine andere Gedenkstätte aufsuchen.

Aus irgendeinem Grund haben wir an diesem Tag kaum fotografiert.
Es ist uns nicht gelungen, die in Linz verlorene Zeit wieder reinzuholen, weshalb wir eine frühere Unterkunft als geplant suchen mussten. Wir fanden auch eine, und zwar zufälligerweise in einem Ort, der schon wieder Au hieß. Au an der Donau, um genau zu sein. Das andere Au in der Schlögener Schlinge liegt zwar auch an der Donau, heißt aber einfach nur Au. Au weia!

Im rosaroten Jägerwirt stehen so viele alte Möbel herum, dass er an ein Antiquitätengeschäft erinnert.

Wir gingen schlafen in der Hoffnung, wenigstens morgen wieder alles aufzuholen.

02 April 2012

Donau: Von Au nach Linz

Am nächsten Morgen hat uns der Besitzer der Pension ans Südufer gebracht, denn nur dort geht der Radweg weiter. Wir verabschiedeten uns also vorübergehend vom Nordufer und von der Sonne - denn die andere Seite des Tals ist morgens in tiefe Schatten getaucht.
Die Art und Weise, wie man die Fähre herbeiruft, ist einfach nur der Hammer!


Und weiter geht es auf schönen Radwegen...


...wieder aus der Schlögener Schlinge hinaus.


In Aschach haben wir eingekauft. Dieser Ort verfügt laut Karte über ein sehenswertes Ortsbild. Die Häuser sind nämlich bunt angemalt.


Die Berge verschwinden langsam wieder, die Donau wird wieder ein breiter Fluss mit Deichen.
Jetzt kann man sich aussuchen, ob man am Nord- oder Südufer fahren will, denn Radwege gibt es meist auf beiden Seiten. Unser Radführer hat fast für die komplette Strecke bis Wien Kartenmaterial für beide Ufer und ist deswegen ziemlich dick. Wenn die Strecke am anderen Ufer auf der Karte besser oder interessanter erschien, sind wir bei nächster Gelegenheit gewechselt. So haben wir uns aus Nord- und Süduferstücken unsere Radtour zusammengepuzzelt.


Die nächste Gelegenheit zum Wechseln ist die Ottensheimer Drahtseilfähre. Der Fährmann spricht sogar Hochdeutsch, so einigermaßen jedenfalls.


Das Örtchen, an dem er anlegt, trägt den passenden Namen Ufer.


Unser nächstes Ziel ist die Großstadt Linz.


Diese Großstadt ist wirklich sehr, sehr groß. Der Hauptplatz zum Beispiel bietet sehr viel Platz.


Die Häuser in Linz sind auch nicht gerade klein und voller Ornamente.
Viele denken bei Linz sicherlich an die berühmte Linzer Torte. Andere denken womöglich an Hitler, der hier zur Schule ging. Die Mutter meinte dazu: "Och, der hatte es hier aber auch ganz schön."
Ich muss bei Linz immer zuerst an eine Geschichte von Ephraim Kishon denken. Darin bringt ein Journalist Kishon dazu, Linz in den höchsten Tönen zu loben, obwohl er eigentlich noch gar nichts von der Stadt gesehen hat (abgesehen von seinem Hotelzimmer).
Im Gegensatz zu Kishon haben wir Linz gesehen und können uns ihm anschließen: Linz ist schön.


Zu einer Großstadt gehört natürlich auch eine hohe Kirche, die sich mitten in der Altstadt erhebt.


Die Martinskirche ist eine Nummer kleiner. Dafür ist sie die älteste erhaltene Kirche in Österreich. Naja, zumindest die Grundmauern sind so alt. Der Rest wurde immer mal wieder umgebaut.


In Linz gibt es außerdem schmale Gassen,...


...und jede Menge Käse.


In einem Innenhof liegen Klaviere herum. In denen sind Lautsprecher versteckt, die Klaviermusik spielen.


In einer Grube kann man beleuchtete Ausgrabungen bewundern.


Die einzigen, die in dieser großen Stadt etwas beengt leben, sind die Vögel.


Am anderen Ufer erhebt sich hoch über der Stadt der Pöstlingberg.


Dorthin fährt die steilste Straßenbahn Europas. (Jaja, immer irgendwelche Rekorde.) Die kleine Bahn wird stellenweise zur Zahnradbahn und hält an Haltestellen mit so interessanten Namen wie Oberschableder oder Einschnitt. Das Gefährt ist gleichzeitig Teil des öffentlichen Nahverkehrsnetzes und eine Attraktion für Touristen.
Die Fahrt nach oben hat uns fast den ganzen Nachmittag gekostet, aber was soll's.


Oben auf dem Pöstlingberg kann man eine Kirche, ein Schloss, ein Restaurant und eine phantastische Aussicht auf die ganze Stadt bewundern. Wie immer natürlich mit diesen eisernen Ferngläsern, die nur gegen Münzeinwurf funktionieren.


Unten in der Stadt gibt es ferner das ARS Elektronica Center. Das ist eines dieser interaktiven Museen für Technik und Naturwissenschaften. Einige der Exponate sind wirklich faszinierend. Diese Platte röntgt den Museumsbesucher, also quasi. (Natürlich nicht wirklich, das Gerät merkt nur, welches Körperteil man ihm gerade unter die Nase hält, und zeigt den entsprechenden Bildausschnitt eines Skeletts.) Dreht man die Platte einmal komplett herum, zeigt sie stattdessen den Blutkreislauf oder das Verdauungssystem.


Man kann sich mit diesem Roboter unterhalten. ("He, du! Ja, genau du! Komm doch mal her und nimm mich auf den Schoß...")


Pustet man in dieses Windrad, so bewegen sich seine mechanischen Beinchen und es läuft zur Seite.
Wir hatten leider nicht genug Zeit, um uns das Museum komplett anzuschauen.


In Linz haben wir ein schickes Hotel am Hauptplatz gefunden.


Der Innenhof ist ein Labyrinth aus Balkons.

01 April 2012

Donau: Von Passau nach Au

II. Österreich

Richtiger Name: Republik Österreich
Anteil an der Donau: 349 km (12,2 %)
Anteil am Donauradweg: 381 km (13,3 %)
Anteil der Donau an der Staatsgrenze: 27,5 km (1 %)
Ufer: verschlungene Täler, Deiche, Weinberge
Hauptstadt an der Donau? Ja (Wien)
Größter Nebenfluss: Morava/March (358 km)
Anzahl Inseln: 11
Größte Insel: Leopoldstädter Insel (die Wiener sehen sie aber nicht als Insel an)
Größter Wasserpark an der Donau: Therme Wien
Schönste Stelle: Schlögener Schlinge
Schlimmste Stelle: Aufstieg nach Mauthausen
Radwege: Dorfstraßen im Tal, Deichradwege, Weinbergwege
Einreise: problemlos dank EU
Währung: €


Der österreichische Teil des Donauradwegs ist besonders beliebt. Manche Radler fahren nur diesen Abschnitt, wir haben uns die Strecke durch unseren deutschen Donautouren "erarbeitet". Im nächsten Frühling konnten wir dann zur Belohnung diesen ganz besonderen Abschnitt genießen - zum ersten Mal eine Radtour außerhalb von Deutschland!
Unser Weg führte einmal quer durch den nördlichen Teil von Österreich nach Wien. Diese Strecke ist nicht einfach ein Klassiker, sie war maßgeblich für die Entstehung des Radtourismus im deutschsprachigen Raum. Paul Pollack, Journalist und Erfinder des Wortes Donauradweg, fuhr in den 80ern noch illegal auf den alten "Treppelwegen" (wahrscheinlich Treidelpfad auf Österreichisch, also da, wo einst die Schiffe von Pferden an Land gezogen wurden) am Fluss und verbreitete seine Idee in Artikeln, bis das Wasserstraßengesetz geändert wurde. Auch der Verlag Esterbauer, mit dessen Büchern wir oft fahren, veröffentlichte sein Debüt über diese Strecke, die er damals einfach nur Donau-Radweg Teil 2 nannte.

Zunächst geht der Weg jedoch noch ein paar Kilometer durch Deutschland, am nördlichen Donauufer durch die Passauer Vororte.
Wir radelten zuerst auf einem separaten Radweg neben einer dicken, lauten Straße und später auf einer schwach befahrenen Straße. Letzteres war sogar angenehmer, denn da fuhren deutlich weniger Autos.

Für eine Weile ist die Donau der Grenzfluss. Auf ihr treiben Enten, kleine selbstgebastelte Schiffchen und leere Bierflaschen.

Diese Enten müssen ja echt gefährliche Biester sein. Vielleicht hätten wir sie doch nicht füttern sollen.

In den Vorgärten stehen seltsame Gebilde...

...und kilometerhohe Maibäume.

Hier muss man klingeln, damit die Fähre kommt.

Links und rechts ragen hohe Berge und Burgen auf. Da mussten wir zum Glück nicht drauffahren - Steigungen gab es kaum. Die Landschaft erinnert an das Donautal kurz vor der Weltenburger Enge.

An den Felswänden sind geheimnisvolle Leitern und Eingänge zu sehen.

Wie üblich plätschern aus den Schluchtwäldern kleine Bäche abwärts in Richtung Donau. Hier sind sie allerdings ein ganzes Stück größer als in den deutschen Donautälern. Egal, wie weit man nach oben klettert - die Quelle bleibt unauffindbar. Irgendwann wird der Boden so sumpfig, dass man umkehren muss.

Auf dem Jochenstein leben angeblich eine Nixe und der Teufel.

Nebenan liegen ein Wasserkraftwerk und das Haus am Strom, ein feines kleines Museum zur umliegenden Landschaft mit Aquarien und ausgestopften Tieren.

Dort sind wir mit einem Tretboot-Simulator durch Passau gefahren...

...und haben auf Knopfdruck die Passauer Altstadt überflutet. Die Stadt wird nämlich oft vom Hochwasser heimgesucht, und zwar nicht nur als Modell.

Dies ist die relativ unspektakuläre Grenze nach Österreich.

Im Restaurant Luger haben wir lecker Fisch gegessen.

Schließlich macht die Donau noch etwas Ungewöhnliches: Sie umkurvt im großen Bogen einen Berg, dessen hartes Gestein sie (noch) nicht abtragen konnte. Das Resultat ist die sogenannte Schlögener Schlinge. So sieht das im Modell (im Haus am Strom) aus...

...und so im Original.

In der Schlinge ist zwischen den Bergen und der Donau nicht so viel Platz, es passen nur zwei Dörfer namens Au und Schlögen hinein. In Au haben wir eine Unterkunft gefunden, mitten in der Schlinge. Aufgrund unseres flotten Tempos kamen wir dort früh an. Was also tun?
Zunächst einmal versuchten wir, trotz Dialekt mit der Besitzerin der Pension zu kommunizieren. Das war eine Herausforderung. (Schon im Restaurant hatte ich den Eindruck, jeder Österreicher habe seinen eigenen Dialekt. Vermutlich verständigen sie sich untereinander stattdessen durch eine bestimmte Abfolge von Lachern. Deswegen lachen die so viel.)
Anschließend machten wir eine geführte Tour zu einer Burgruine. Uns führte allerdings nicht die Vermieterin, sondern ihr Hund namens Ballu (in der Bildmitte).

Steile Pfade schlängeln sich durch den Wald hinauf, doch der Hund wusste stets den richtigen Weg. Souverän wartete er ab und passte sein Tempo an. Er machte seine Sache besser also so mancher menschliche Touristenführer.

In dieser Ruine lebte einst ein Raubritter. Der Sage nach nahm der böse Ritter einen Mann gefangen, der einen Kirschkern aus dem Fenster der Burg spuckte. Jahre später wuchs dort ein Kirschbaum, über die Ritter des Königs in die Burg klettern konnte. So wurde der Raubritter von einem Kirschkern besiegt.

Heute ist die Burg zugewuchert und verfallen. Jedoch wurden einige eiserne Treppen und Plattformen erbaut, damit man sich in der Ruine umsehen kann.

Auf dem Turm weht die österreichische Flagge. Außerdem hat man einen schönen Blick auf die Donauschlinge.