03 Mai 2026

Moldau: Von Nová Pec nach Vyšší Brod

II. Die Bademoldau

Die Sonne brannte, die tschechischen Familienradler schnarchten noch den Schlaf der Erschöpften, der Himmel erstrahlte in einem fast schon penetranten Blau, bei dessen Anblick die Wolken gleich wieder aufgaben. Ich nicht, denn jetzt stand nur eine gemütliche Runde um einen Stausee auf dem Plan - und viel mehr als das mache ich heute auch nicht.

Zurück zum Schwarzenberger Schwemmkanal war die Strecke erst einmal sehr flach, dafür war der Kanal zum Teil nur noch eine trockenes Grasmulde, deren Form nur noch schwer auszumachen war. Schade, schließlich führt der Moldauradweg eigentlich ja nur auf diesem Abschnitt am Kanal entlang, wenn man nicht die Abzweigung zum Naturlagerplatz nimmt. Aber die Frühstückspause war trotzdem ganz wunderbar.

Irgendwann wollte ich aber wissen, was inzwischen aus der Moldau geworden ist. Dazu musste ich vom Kanal runter und über einige hügelige Weiden und Dörfer rüber. Normalerweise wäre das kein Problem gewesen, aber mit dem Muskelkater von gestern in den Beinen war es dann doch ein kleines Problem...chen.
Und dann tauchte er auf. Eine weitverzweigte spiegelglatte Fläche, die das penetrante Blau des Himmels zurückwarf. Das ist der Lipno-Stausee, auch bekannt als Böhmisches Meer, Böhmische Riviera oder Šumavské moře ("Šumava-Meer"). Der größte See Tschechiens ist in diesem Bereich am breitesten.

Was viele nicht wissen: Das böhmische Meer ist gar nicht rein böhmisch. Dieser kleine Ausläufer namens Rakouská zátoka (Österreichischen Bucht) liegt hinter der Brücke in der hinterletzten Ecke auf österreichischem Staatsgebiet (ganz rechts). In den 50ern gelang einigen Tschechen über diesen Weg die Flucht, als das Betreten des rechten Seeufers zwar schon verboten, die Grenze aber noch relativ grün war. Für alle Österreicher, die sich noch immer nicht über den Eisernen Vorhang trauen, steht eine hölzerne Aussichtsplattform an ihrem Ufer bereit.

Der Wasserstand war offenbar eher niedrig, denn immer wieder tauchten die verwitterten Stümpfe der Bäume auf, welche für diesen exorbitanten Badesee ihr Leben ließen.
Die Menschen in diesem Tal hatten schon immer Probleme mit Hochwasser. Die Idee, das durch einen Stausee zu lösen, kam schon nach der schweren Flut von 1890 auf - auch wenn das natürlich in den tiefer gelegenen Dörfern zu einer sehr dauerhaften Art von Hochwasser führen würde. Die Pläne scheiterten beim ersten Mal, weil die Bauern ihre Grundstücke nicht verkaufen wollten, beim zweiten Mal weil Hitler. Als die Kommunisten das Projekt 1958 umsetzten, war die Sache mit den Grundstücken durch die Vertreibung der Sudetendeutschen kein Problem mehr. Zum Bau musste "Betonmilch" in den Fels injiziert und ein komplett neues Flussbett für die Moldau gebaut werden. Inzwischen stand als Zweck die Stromproduktion im Vordergrund.
Bei dem großen Hochwasser von 2002 (und 2013) konnte der See die Zerstörung dann auch nur eingeschränkt abmildern. Die Zeitungen kritisierten den Bürgermeister, der rein zufällig gleichzeitig Hafenverwalter und Staudammverwalter war, er habe nicht rechtzeitig Wasser abgelassen, damit der See genug Puffer für den Starkregen hatte. Das Umweltministerium konnte ihm aber kein Fehlverhalten nachweisen. Seitdem wird der Pegel dauerhaft etwas tiefer gehalten. 2004 wurde zusätzlich für eine Raftingmeisterschaft Wasser abgelassen, und es tauchten Gleise, ein Bahnhof und eine Flussschleife namens Moldauherz auf, die seit fast 50 Jahren versunken gewesen waren. Und genau diese Absenkung führte zufällig dazu, dass das nächste Hochwasser dann wirklich harmlos ausfiel.

Ich düste jetzt zügig auf einer geraden Straße durch einen Moos- und Nadelwald, ganz nah am Seeufer. Trotzdem blitzte das Wasser nur gelegentlich durch die Nadeln. Dörfer gibt es hier nicht, und das hat einen guten Grund. Rostige Bunkertore gucken aus dem Boden, und damit sollte dann auch klar sein, was dieser Grund war.

In der Sowjetzeit gehörten das komplette rechte Ufer und die rechte Seehälfte zum Sperrgebiet, nur wenige Dörfer durften bleiben. Im Kriegsfall sollte der See ganz schnell abgelassen werden, damit weitere Soldaten rüberkamen. Und bevor die Staumauer dem Feind in die Hände fiel, sollte sie lieber gesprengt werden.
1975 passierte hier eine besonders dreiste Flucht per Hubschrauber. Der Auftrag kam zwar von einem DDR-Flüchtling im Westen, aber die Hauptarbeit machte der Pilot Barry Meeker - ein Mann aus dem Erzfeindesland USA. Er flog über die Grenze und den See, landete am anderen Ufer in Dolní Vltavice und holte insgesamt neun DDR-Bürger ab. Zweimal hat ihn niemand gesehen, erst beim dritten Mal waren zufällig in der Nähe des Landeplatzes Grenzsoldaten mit Bauarbeiten beschäftigt. Sie schossen. Meeker musste zwei der Flüchtlinge zurücklassen, schaffte es aber verletzt und mit beschädigtem Hubschrauber in ein österreichisches Krankenhaus.

Auf einmal tauchte am Wegesrand ein gewaltiges Banner auf: Bike Ferry 3,5 km. Und dann noch eins, als der Abzweig zur Fähre kam. Nanu, jetzt schon? Ich kontrollierte die Karte und nope, das war nicht die Fähre, die ich brauchte. Die riesigen Banner erwähnen nicht, wohin die Fähre tatsächlich fährt: Dolní Vltavice. Und dort ist die Radroute erheblich länger und verwinkelter, und deshalb wollen die meisten Radfahrer vermutlich auf der direkten Straße zur Fähre nach Frymburk, die nun auch bald kommen soll. Ich verstehe ja, dass ihr auch Touristen nach Dolní Vltavice locken wollt, aber dieses Poster grenzt an bewusste Irreführung.

In Frýdava bog ich dann ab zur richtigen Fähre nach Frymburk. Was, wieso sagt meine App, die fährt sonntags nicht? Ich befragte den ausgehängten Fahrplan und andere Menschen und musste schnell feststellen, dass die Kartenapp hier großen Unfug erzählte. Das rostige Boot fährt stündlich. Ein uralter Fahrkartenautomat hatte zwar extra ein Feld, um Münzen daran sauberzukratzen. Aber ich hatte noch keine passenden Kronenmünzen und zahlte lieber beim Fährmann. Ich verbrachte eine halbe Stunde Proteinriegel essend im Schatten eines leicht abgeranzten weißen Haltestellenhäuschens, während immer mehr Verkehrsteilnehmer aller Art angespült wurden. Besonders mir ins Auge fiel mir eine Österreicherin mit einem E-Bike aus Holz. Das hat ein österreichischer Hersteller erfunden. Die Vorteile: Es ist leichter und äh... es ist halt leichter.

Auch der grummelige Motorkahn, der uns letztendlich alle zusammen nach Frymburk brachte, bestand zum Teil aus Holz. Ein Schild verkündet, dass alle motorisierten Fahrzeuge zuerst rauf- und runterdürfen. In dieser Hinsicht konnte sich die tschechische Motoristen-Partei offenbar schon durchsetzen. Der Stausee hat hier eine besonders schmale Stelle, sodass die Überfahrt nur fünf Minuten dauerte. Man kann übrigens auch seine eigene Extrafahrt buchen oder sein eigenes Schiff am Fähranleger zu Wasser lassen. Beides kostet laut Preistafel nur ca. 10 Euro.

Frymburk liegt auf einer Halbinsel, die wie eine Nase in die Engstelle im Stausee ragt. Statt einer Staumauer zieht sich außenrum ein Ring aus Gärten, Bänken und einem Radweg. Und Kunstwerken. Dieses hier wurde von Studenten der Kunstpädagogik aus Budějovice geschaffen, und so sieht es auch aus. Es ist eine Büste von Jára Cimrman, nachdem er mit einem Handtuch geschlagen wurde. Aha. Und der Finger deutet auf das versunkene Altersheim, wo Cimrman gelebt hat. Okay, und wer ist das?
Ein Blick ins Internet hilft: Jára Cimrman gibt es nicht und gleichzeitig doch. Der Universalgelehrte ist die Hauptfigur mehrerer Theaterstücke und eines Films, ein Symbol des Widerstands gegen die Sowjets und entwickelte sich zu einer Art virtuellem Nationalhelden und Internetphänomen, lange bevor es das Internet gab. Überall im Land basteln die Tschechen mit kleinen Gedenktafeln und Denkmälern an seiner fiktiven Biographie herum. Ein Asteroid und ein Skorpion sind nach ihm benannt, und in einer Umfrage wurde er zum bekanntesten Tschechen überhaupt gewählt. Aber zur allgemeinen Empörung akzeptierte die BBC das Ergebnis nicht, weil fiktive Figuren nicht erlaubt seien.
Okay, jetzt feiere ich die Skulptur doch. 

Der Marktplatz von Frymburk ist klassisch tschechisch mit Arkaden und Pestsäule ausgestattet, nur bedingt durch die Lage auf der Halbinsel etwas langgezogen. Eine schöne Abwechslung ist die Allee in der Mitte.

Ein komplett unauffälliger Seiteneingang, der total geschlossen aussah, wies mich in den Coop. Ich befindet mich auch in einer Weingegend, weshalb man sich seinen eigenen Alkohol abfüllen kann.

Frymburk lag an der Handelsroute zwischen Český Krumlov und mehreren österreichischen Städten. Dadurch blieb genug Geld hängen, um 1474 die älteste Schule in Südböhmen zu bauen. Heute ist eine Pension darin, aber eine Schule hat das Städtchen bestimmt immer noch - die gibt es in Tschechien generell auch in kleineren Orten, die in Deutschland zu klein für eine eigene Schule wären.

Es wurde heißer, und ich hatte Lust, den See noch sehr viel näher kennenzulernen. Aber was Badestrände angeht, ist das schöne Frymburk leider ein völliger Flop: Die gehören alle irgendwelchen Ferienanlagen und sind hinter Schranken versperrt.
Also folgte ich der Hauptstraße in der Hoffnung, dass sich das bald ändert. Für diese Straße mussten mehrere Granitfelsen gesprengt werden, das war damals der erste Arbeitsschritt beim Bau des Stausees.

Zwischen Hauptstraße und Seeufer verläuft ein Radweg, vom Verkehrslärm abgeschirmt durch ein paar Meter Höhenunterschied und ein paar nicht gesprengte Felsen. Wunderbar, so habe ich mir das vorgestellt! Wo komme ich jetzt zum See runter?

Es dauerte nicht lange, da hatte ich einen angenehmen Strandzugang gefunden. Der steinige Zugang und das klare Wasser erinnerten mich sehr an den Hohenwarte-Stausee an der Saale, zumal mir auch diesmal beim Schwimmen genau ein Segelschiff Gesellschaft leistete. Aber wenn ich ganz ehrlich bin - die Stauseen der Saale waren dann doch etwas beeindruckender. Die Lipno-Landschaft ist eher ruhig, nach dem Wasser kommt halt Wald und fertig. Von den typischen tschechischen Felswänden keine Spur, und sogar die fernen Berggipfel der Šumava sind an dieser Stelle gar nicht mehr zu sehen.

Aber mal sehen, was es an der Moldau sonst noch zu sehen gibt. Nach einer Weile begann am Ufer die nächste Dröhung Ferienanlagen, und zu einer davon gehört ein gelber Quader, in den ich reinging. Ich stieg Treppen rauf und runter, schlängelte mich zwischen verschiedenen Sporthallen hindurch und kam schließlich in eine längliche Halle. Während ich oben auf einer Galerie entlanglief, konnte ich im Prinzip schon den kompletten Inhalt der Halle sehen. Was eigentlich ziemlich unklug gemacht ist, denn die Kasse zum Bezahlen kommt erst danach. In Vitrinen stehen Legofiguren von Zombie-Cheerleaderinnen über Jan Hus bis hin zu Růžová Batgirl.
Willkommen in der Czech Repubrick, einer liebenswerten Touristenfalle. Hier wurden auf engem Raum die bekanntesten tschechischen Burgen nachgebildet, darunter Burg Karlštejn, Bouzov, Hogwarts, Bezděz, Isengard, Lednice, eine Krauss-Maffei-Fabrik, den Ještěd, die Vila Tugendhat, Červená Lhota, lebensgroße Horrorfiguren aus Tim-Burton-Filmen, das Spandauer Gefängnis, die Fördertürme von Ostrava und aus irgendeinem Grund Bonn Hbf. Die Stationen zum Selberbauen erinnert sehr an die Lego-Ausstellung im Kölner Odysseum. Zufrieden schritt ich die Orte ab, von denen ich einige schon gesehen hatte oder diese Woche sehen würde.

 

Denn natürlich ist da auch einiges von der Moldau dabei, und natürlich die Hälfte davon aus Prag: Die Doppelburg von Rožmberk (im Bild), Burg Hluboká...

...das Nationalmuseum in Prag, der Veitsdom, das Rathaus neben dem Tanzenden Haus (im Bild), die Czech Repubrick und das Atomkraftwerk Temelín. Aber ausgerechnet die Staumauer von Lipno ist nicht dabei.

In manchen der Burgen reiten noch Könige und Ritter ein und aus, in anderen fotografieren bereits Lego-Touristen, manchmal sogar beides gleichzeitig auf unterschiedlichen Seiten der Burg. Einer der Touristen hat sein Fahrrad zur Burg Bezděz mitgenommen.

Weiter hinten steht ein großer Freizeitpark im amerikanischen Stil. Das eine oder andere Fahrgeschäft bewegt sich auf Knopfdruck, sogar das bizarre Kettenkarussell, das an Saurons Dunklen Turm angehängt wurde. Nur die große Holzachterbahn steht still.

Die Stausee-Hauptstadt Lipno ist viel jünger als Frymburk, und das sieht man. Zwar gab es hier schon vor dem Stausee eine Holzfällersiedlung namens Lipno, die ist aber komplett versunken. Die heutige Stadt wurde komplett für die Arbeiter beim Staudammbau und dann für den Tourismus gebaut. Immerhin sehen die Ferienwohnungen in erster Reihe an der steinernen Promenade ganz nett aus, sie haben etwas unbestimmt mediterranes. Ein niederländischer Investor hat nach der Wende einen der größten Yachthäfen in Mitteleuropa gebaut. Man darf aber nur segeln, ein Motor ist nur den Fähren, Schiffsrundfahrten und Polizeibooten gestattet.

Und da ist sogar ein Sandstrand mit Seebrücke, und spätestens jetzt ist klar, warum der See mit einem Meer vergleichen wird. An der todschicken Brücke steht ein tiefschwarzes Restaurant auf Stelzen im Wasser. Und über der Stadt thront noch das übliche Angebot aus Skipisten, Sommerrodelbahn und Baumwipfelpfad. Naja, mit der Czech Repubrick habe ich ja schon eines dieser touristischen Angebote wahrgenommen.

Also dann, auf zu den letzten Kilometern Stausee. Der wird jetzt noch schmaler, und schließlich endet er an einer weißen und überraschend unscheinbaren Staumauer. Die Engstelle ist optimal geeignet für eine Talsperre, weil die Moldau hier schon einen großen Teil ihrer Höhenmeter abgebaut hat, an dieser konkreten Stelle aber gerade nicht sonderlich steil fließt. Außerdem besteht der Boden aus festem Gneis und Granit.
Die Straße auf der Staumauer musste ich gar nicht benutzen, worüber ich bei dem Verkehrsaufkommen auch ganz froh war. Einfach abwarten, bis sich eine Lücke im Verkehr auftut, die Straße queren, und schon war das Böhmische Meer vorbei.

Dahinter geht es erst einmal ein paar Meter runter. Erst hier hat Lipno einen Bahnhof und ein Informationszentrum zur Staumauer. Hier gäbe es tatsächlich ein funktionsfähiges Modell der Mauer, vielleicht sogar aus Lego, es hat aber nur selten geöffnet.

Nun irrte ich durch eine staubige Landschaft aus kleinen Wiesen, Dörfern und Bahnhöfen, immer auf der Suche nach dem Radweg. Die Schilder lotsten mich schließlich auf eine provisorische Baustellenbrücke, weil das Original gerade repariert wurde. Dort begann dann ein brandneuer Radweg an der Hauptstraße... aus dem Tal raus? Mooment, jetzt sollte doch eine enge Schlucht kommen, die würde ich ungern verpassen. Ist der alte Weg denn gar nicht mehr befahrbar?
Doch, ist er. Ich folgte der Karte, und sogar der Wegweiser musste schließlich widerwillig einräumen, dass man schon auch noch theoretisch die andere Variante fahren kann, aber Vorsicht, schlecht befahrbar und gefährlich, GET OF THE BIKE!

Die Moldau ist nun, wie es nach Stauseen im Gebirge üblich ist, wild, schaumig und steinig. Über den Stromschnellen erhebt sich die Čertová stěna (Teufelswand) Wand, von der durch den Wald aber nicht viel zu erkennen war. Hätte ich den neuen Radweg an der Straße genommen, hätte ich da vom Aussichtspunkt runtergucken können, aber umgekehrt durch den Wald wahrscheinlich nicht viel von der Moldau gesehen.
Früher war der Lipno-Stausee erst an dieser Stelle zu Ende. Und mit früher meine ich - im Tertiär. Da hatte der Stausee nämlich schon einen Vorläufer, und sein Wasser floss über die Donau ins Schwarze Meer ab. Dann hob sich langsam das Grenzgebirge immer weiter an, die Verbindung zur Donau wurde zu steil. Stattdessen knusperte sich der Moldausee durch die Felsen der Teufelswand durch und schuf sich einen neuen Weg in Richtung Elbe.
Die Stelle erinnert sehr an den Harz. Die Stromschnellen brausen zwar ordentlich, aber wenn ich mir die Größe der Felsbrocken so anschaue, dann sind sie sogar noch relativ zahm. Das hat einen Grund, denn das hier ist nicht das komplette Moldauwasser. Unter meinen Füßen verlief eine fette Röhre, und über die wird das meiste Wasser aus dem Stausee abgelassen. Die Stromschnellen sind eher ein dekorativer Rest. Hier könnte ich mich bestimmt nochmal gefahrlos drin duschen, und warum nicht?
Genau das dachte sich übrigens auch Karel Knap, als er hier 1959 mit seinem Boot stand. Der Pfadfinder sagte "Es wird gehen!" und durchquerte diese Schlucht als erster mit dem Kanu. Damals war die Moldau aber auch auf das Durchflussmaximum von 30 Kubikmetern pro Sekunde aufgedreht. Knap blieb die Ausnahme, die normalen Paddeltouristen sind hier nicht unterwegs. Er wurde später Cheftrainer der tschechoslowakischen Kanumannschaften, durfte sein Team aber nicht für Wettbewerbe ins Ausland begleiten. Also reiste er gleich für immer ins Ausland und wurde Professor für Kanoistik in Köln.

Der Fahrradpfad verläuft oberhalb der Gleise, aber trotzdem mit einem guten Blick auf den Fluss. Eigentlich ist er ganz okay, es sei denn, man gelangt auf der Suche nach der Teufelswand auf den sehr steinigen Wanderpfad unter den Gleisen. Der ist dann wirklich nicht mehr fahrradtauglich.
Züge habe ich auf diesem Gleis übrigens nicht gesehen.

Bald löste sich der Wald wieder auf, aus dem Radelpfad wurde eine stille Straße. Die unterirdische Moldau-Röhre endet und vereinigt sich mit dem oberirdischen Fluss zum

Stausee Nr. 2: vodní nádrž Lipno II

Ach, stimmt. Es braucht ja immer einen kleineren Stausee untendrunter als Ausgleichsbecken. Normalerweise kommt der direkt dahinter, aber in Lipno ist er fast 10 Kilometer von der großen Staumauer entfernt. Kein Wunder, dass die Röhre gebohrt wurde! Da war der Standort direkt vor der engen Schlucht wohl doch nicht ganz optimal.
Der zweite Lipno-Stausee huschte nur so vorbei und endete an einer kleinen grauen Mauer.
Und direkt dahinter beginnt wieder ein ganz anderer Abschnitt der Moldau. 


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