05 Oktober 2019

Warnow: Von Rostock nach Markgrafenheide (rechtes Ufer)

 Warnow-Tag 4b: Beim Breitling

gefahren im: Juni 2020
Start: Rostock, Altstadt
Ziel: Hohe Düne, Pier/Fähre
Länge: 33 km
Warnowquerungen: 2
Ufer: rechts
Landschaft: Schilfufer, sandig-wilder Wald, Dünen
Wegbeschaffenheit: brauchbare Waldwege, einige Radwege, Hafenstraßen
Steigungen: keine
Wetter: Sommerhitze
Wind: leichter Gegen- und Seitenwind
Größte Hürde: Straße vom Hafen nach Hinrichsdorf
Highlight: Kletterwald Hohe Düne/Markgrafenheide
Zitat des Tages: "In Sicherungsseil einhaken. Rolle zwischen Karabiner. Beine nach vorn. Mit einer Hand bremsen." (Hinweisschild einer Seilbahn im Kletterwald)

Kann man eigentlich auch am rechten Warnowufer zum Meer fahren? Ja, aber das ist länger.
Wer die letzte Warnowbrücke am Petridamm überquert, hat die Wahl zwischen drei verschiedenen Wegen.

Variante 1: Möglichst dicht am Ufer (keine Karte und Beschilderung, nur Google Maps)

Wer genau am Fluss fahren will, darf sich zunächst freuen: Gleich hinter der Brücke, neben einem Goldbarren mit Fenstern, beginnt der Gehlsdorfer Uferwanderweg. Der sieht ja toll aus, so frisch asphaltiert... oh, schade, der erste Abschnitt ist noch gar nicht geöffnet. Dann eben bei nächster Gelegenheit zweimal links abbiegen, dann kommt man ein paar Meter später ans Wasser.
 

Bald schon löst Kies den Asphalt ab. Der Uferweg bietet Bäume, Schilf, ein paar Bänke und ideale Sicht auf die Flussverbreiterung und die Silhouette der Stadt. Nur die Stege ins Wasser wurden leider abgerissen. Jetzt stehen da nur noch gewöhnliche Bänke.

Ziemlich spät fließt hier auch noch die Carbäk dazu, aber die fällt bei der breiten Unterwarnow so gut wie gar nicht auf.

Dieser Kiesweg führt nach Gehlsdorf. Dieser Stadtteil besteht aus Segelbooten, einer Freiwilligen Feuerwehr, Einfamilienhäusern und einer Psychiatrischen Klinik. Letztere ist der Grund, warum Rostocker gelegentlich gemeine Witze über Gehlsdorf machen.

Nachdem sich der Radfahrer zwischen den ganzen Bootsvereinen durchgeschlängelt hat, folgt noch einmal ein schönes Stück Park-Uferweg mit einem Findling. Hier legt die erste Warnowfähre ab. Sie fährt von Gehlsdorf zum Rostocker Stadthafen. Das kleine autofreie Schiff hat seine eigene Nahverkehrs-Tarifzone, die Nr. 4.

Joa, und dann? Dann klappt es leider nicht mehr so gut mit dem Möglichst-nah-am-Ufer-entlangfahren. Von jetzt an ist geht es auf der Pressentinstraße entlang, durch das Zentrum von Gehlsdorf.

Jeder Versuch, dichter ans Ufer zu gelangen, führt sie entweder zum verschlossenen Tor eines Bootsclubs oder im Bogen direkt zurück zur Pressentinstraße. Diese Blockade sollte selbst dem starrköpfigsten Flussradler klarmachen: Die Pressentinstraße ist alternativlos!

Nur eine Ausnahme gibt es: Der Abzweig zur Gehlsdorfer Schwimmhalle. Das ist ein kleines Sportbad mit Sauna im Keller.

Hier beginnt ein weiterer Kilometer Uferweg.

Aber auch dieser Weg führt letztlich zurück zur Pressentinstraße. Die verlässt Gehlsdorf und durchquert einen feuchten Wald. Dahinter liegt Krummendorf, und dort treffen wir zusamen mit...

Variante 2: Radfernweg Berlin-Kopenhagen (Karte und Beschilderung vorhanden)

Wer schneller nach Krummendorf möchte, fährt nicht auf den Uferweg, sondern bleibt nach der Brücke auf dem rot gepflasterten Radweg. Dort durchquert er die Stadtteile Dierkow und Toitenwinkel, vorbei an Wohnblocks, Straßenbahngleisen und Bäumen.

Toitelnwinkel besteht allerdings nicht nur aus neuen Wohnhäusern, es hat auch noch einen alten Dorfkern mit Kirche. Wusste ich gar nicht.

Noch schöner ist der anschließende Radweg über ein Feld, auf dem ein großer Funkmast wächst.

So erreichen Sie Krummendorf. Wer hier wohnt, hat es nicht weit bis zum Überseehafen. Praktisch, wenn man mal eben nach Schweden möchte - die Krummendorfer befürchten aber offenbar, dass ihre Häuser einer Erweiterung des Hafens zum Opfer fallen.

Wer hier mit dem Auto nach rechts fährt, gelangt unter die Warnow und in den Warnowtunnel. Der kostet Maut. Mit dem Fahrrad kann man nur durch, wenn man es in den Bus mitnimmt.

Danach musste ich nur ein paar Straßen und Gleise überqueren...

...und schon befand ich mich im Überseehafen - pardon, ich meine natürlich den Rostock Port, so nennt der sich jetzt, denn das klingt ja viel hipper und internationaler.
Bisher kannte ich nur den Fährhafen, wo Schiffe nach Trelleborg in Schweden und nach Dänemark pendeln. Der liegt ganz links. Reisende nach Kopenhagen nehmen hier die Fähre nach Gedser. Im Hafengebiet gibt es Fahrradstreifen bis zum Check-In-Schalter. Anschließend müssen die Radfahrer im Kreisverkehr die Abfahrt zu ihrer Fähre finden. Am Anleger warten sie, bis ein Mitarbeiter in gelber Weste sie hinaufwinkt.

Heute aber wollte ich gar nicht nach Skandinavien, ich wollte mir den Rest der faszuinierenden Hafenanlagen ansehen.
Denn der kleine Bereich mit den Fähren ist nur die Spitze des Eisbergs. Zahlreiche Unternehmen haben hier ein Grundstück am Wasser, wo sie ihre Waren verschiffen, zum Beispiel Liebherr, der diese gelben Kräne baut, oder ein Hersteller riesiger rostiger Röhren. Diese großen Tunnel liegen echt überall herum. Also wirklich, können die nicht hinter sich aufräumen?

Einen Radweg gibt es nun freilich nicht mehr. Wer rechts zum Industriehafen abbiegt, fährt unweigerlich auf der Straße und sollte sich einen Tag aussuchen, an dem nicht so viel los ist.
Irgendwann versperrte mir eine Schranke den Weg, denn hier begann der Ölhafen, den man nicht so ohne weiteres betreten darf. Ich hätte vorhin rechts abbiegen müssen, also zurück.
Am Steinkohlekraftwerk verlässt die Straße dann das Hafengebiet.

Jetzt immer links, auf eine andere Straße und irgendwann kommt dann auch wieder ein Radweg. Dort stoßen wir auf...

Variante 3: Der klassische Familienradweg zum Strand (keine durchgehende Beschilderung)

Dieser Weg ist sicherlich der schönste und angenehmste zum Meer, auch wenn er mit der Warnow eigentlich nichts mehr zu tun hat.
Familien, die zum Strand wollen, müssen die rotgepflasterten Radwege am Anfang nach rechts verlassen und zwischen Gewerbegebieten, Tunneln (ups, der ist überschwemmt), der Dierkower Windmühle  und einer Gokartbahn aus Rostock heraus. Das ist jetzt nicht ganz so anstrengend, wie es klingt.



Dann kommt der schöne Teil: Vorbei an alten, zerfallenden Kletterbäumen und einem Hochsitz durch die Erdbeerfelder von Karls Erdbeerhof.

Das ist ein Erlebnishof für Familien, der nach dem Prinzip eines Online-Computerspiels errichtet wurde: Im Prinzip kostenlos, aber alles kostet extra, zum Beispiel das Maislabyrinth im Sommer oder die Eiswelt im Winter.

Durch das Pferdedorf Stuthof, einen Wald und links an der Straße... ich könnte den Weg im Schlaf fahren. An der Hauptstraße treffen wir auf Variante 1 und 2. Aller drei Varianten verlaufen gemeinsam ins Pferdedorf Stuthof.

In Stufhof zweigt ein Weg zum Schnaterman ab. Hinter diesem albernen Namen verbirgt sich ein Gasthaus mit einem Spielplatz, der nur aus einer Wippe und kleinen Rutsche besteht und sich daher als Kind als ziemlicher Flop herausstellte.

Ein Abstecher lohnt sich dennoch, weil ich hier noch einmal die Warnow zu sehen bekomme. Hier parken ein paar Schiffe in einer Bucht. Dahinter ist zu sehen, warum der Weg am rechten Warnowufer doppelt so lang ist: Die Warnow wird auf einmal viel breiter. Diese große Beule am rechten Ufer nennt sich Breitling.

In den Breitling wurde der Überseehafen reingebaut. Aber weil der Breitling so breit ist, bleibt noch Platz für einen eindrucksvollen Badestrand mit Blick auf die Hafenanlagen.

Wer hingegen auf den Schnaterman verzichtet, fährt in Stuthof direkt in den Wald.

Das ist die Rostocker Heide. Eine richtige Heide ist das nicht (mehr), sondern ein Wald mit gelegentlichen Sümpfen und Baumschulen. Ein Netz von Kieswegen durchzieht das Gehölz, von denen die meisten angenehm zu befahren sind. Jeder dieser Wege hat einen eigenen Namen, meistens irgendwas mit Weg oder Schneise. Diese Route folgt zum Beispiel der Stuthofer Schneise und dem Kesselbrand-Weg.

Auf dem Weg liegt die Borwins-Eiche. Heinrich Borwin III. war ein Fürst, dem die Stadt Rostock 1252 für gerade mal 450 Mark die komplette Rostocker Heide abgekauft hat. Das war das beste Geschäft, das die Stadt je gemacht hat, schließlich war all das Brennholz eine Menge wert. Bis heute ist Rostock der größte kommunale Waldbesitzer Deutschlands.
Als Dank, dass er sich so gut hat über den Tisch ziehen lassen, haben die Rostocker unter anderem einen Baum und eine Schule nach Fürst Borwin benannt. Da der Original-Baum vor 60 Jahren gestorben ist, steht hier inzwischen ein junger Ersatz.

Diese lustigen Holzhütten sind in der Rostocker Heide ständig anzutreffen. An der letzten Hütte stoßen wir auf die Hauptstraße mit Ostseeküsten-Radweg, wo es links weitergeht.

Im Prinzip folgen wir ab jetzt nur noch dem Ostseeküstenradweg, denn direkt an der Warnow kann man nicht radeln. Der Grund dafür ist - welche Ironie - der Radelsee. Dieser Schilfsee steht unter Naturschutz, ich konnte ihn nur auf einer Aussichtsplattform in der Ferne erahnen. Noch weiter hinten erstreckt sich der Breitling. Den Radelsee muss ich großräumig umfahren, und dafür steht nur eine Strecke zur Auswahl: Der Ostseeküstenradweg zwischen Markgrafenheide und Warnemünde.

Insgesamt gibt es also am rechten Ufer ein paar echt schöne Strecken am Ufer, auf den Feldern oder im Wald. Das ist schon ansehnlicher als das linke Ufer, wo es immer nur an der Straße entlanggeht. Dafür das linke Ufer aber auch doppelt so lang und außer auf Variante drei muss man zwischenzeitlich lange auf der Straße fahren.

04 Oktober 2019

Warnow: Von Rostock nach Warnemünde (linkes Ufer)

Warnow-Tag 4a: Unsere urbane Unterwarnow
gefahren im: August 2019
Start: Rostock, Altstadt
Ziel: Warnemünde, grüner Leuchtturm am Pier
Länge: 15 km
Warnowquerungen: 0
Ufer: links
Landschaft: Gewerbegebiete, Wohnblocks, 1 große Wiese
Wegbeschaffenheit: meist straßenbegleitender Radweg
Steigungen: keine
Wetter: heiß (kurz Regen auf der Rückfahrt)
Wind: leichter Gegenwind
Größte Hürde: Menschenmenge am Alten Strom
Highlight: IGA-Park
Zitat des Tages: "Achtung, Lebensgefahr! Baden verboten!"

Wir sind noch nicht ganz an der Mündung. Die Unterwarnow ist sehr breit und kann schon Überseeschiffe tragen. Gemächlich windet sie sich aus der Altstadt in Richtung Meer.


Am Stadthafen führt ein Fahrradweg weiter am Fluss entlang, zwischen Segelbooten, Kränen und einem Theater.


Hier mal zum Vergleich die Warnow komplett zugefroren (was eher selten vorkommt) im Januar.


Später fahren wir neben der Straße und an der Schokoladerie vorbei.


An diesem, ähm, wunderschönen DDR-Matrosendenkmal verabschieden wir uns dann leider vom Wasser.


Ich habe auch mal versucht, noch weiter am Ufer zu fahren. Auf der Betonpromenade des Neubaugebiets kam ich noch vorbei, auch wenn ich eine Treppe hochtragen musste. Doch spätestens hinter dem nächsten Schiff war Schluss an einem Bauzaun. Dieses kahle Revier gehört nicht den Radfahrern, sondern den Anglern.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, nach Warnemünde zu fahren. Nehmen wir den Radweg an der Stadtautobahn, suchen wir die zugewucherte Fahrradstraße in Bramow oder fahren wir weiter oben durch den schönen Lichtenhagener Park hinter den Wohnblocks? Nö, wir sind einfach am Neptun-Einkaufszentrum rechts abgebogen und der Straße die ganze Zeit gefolgt. Dieser Weg ist wahrscheinlich am kürzesten, wenn auch nicht am schönsten.


Dort fuhren wir durch Gewerbegebiete an den Stadtteilen Evershagen und Marienehe vorbei. Oft gibt es an dieser Straße einen Radweg, manchmal aber auch nicht.

Am Wegesrand ragt ein unauffälliges weißes Haus mit dem Namen HCC auf. Als ich mal mit der Schule da war, enthielt es bloß einen Haufen Sporthallen. Inzwischen ist es ein großes Stück teurer und interessanter geworden und beinhaltet Haufen Escape Rooms, ein U-Boot-Simulator zum Selberfahren und Schwarzlicht-Minigolf. Dabei sollen die Golfbälle unter Drachenschwänzen und durch Pyramiden geschlagen, von Minenaufzügen und mit Raumschiffkanonen abgeschossen werden. Das wird auch nicht gerade leichter, wenn die 3D-Brille zwischendurch behauptet, man stünde bis zu den Knöcheln in Fischen.

Nachdem wir die Stadtautobahn zum Warnowtunnel überquert hatten, erblickten wir in der Ferne einen merkwürdigen modernen Turm neben der Hansemesse.


Mittlerweile entfernen sich Radweg und Straße ein klein bisschen voneinander und die Fahrt wird  angenehmer. Beide durchqueren nun den IGA-Park.


Hier fand mal die Internationale Gartenschau (IGA) statt, mit Seilbahn und allem. Inzwischen hat sich Rostock für die ähnliche Bundesgartenschau (BUGA) beworben. Die soll aber am Stadthafen an der Altstadt stattfinden, und dabei soll eine neue Fußgängerbrücke über die Warnow errichtet werden.
Nun, auch wenn die Seilbahn nicht mehr steht, so ist von der alten IGA doch ein hübsches Gelände übrig, dass man für wenige Euro betreten kann. Ein zentraler Bestandteil sind dabei Holzstege durchs Schilf.


Und die witzigen Spielplätze sind natürlich auch deutlich interessanter als irgendwelche nachgestellten chinesischen Gärten mit Bambus-Gartenhäuschen, Teich und Steinplatten.


Ein hochumstrittener Bestandteil des Parks ist das Traditionsschiff, das extra Eintritt kostet. Innendrin gibt's eine Dauerausstellung mit Technik und Modellhafen und manchmal kleine Sonderausstellungen. Letzten Winter war da zum Beispiel eine Sammlung von Murmelbahnen.


So sieht das Schiff von außen aus. 2017 gab es einen Volksentscheid, ob man es in den Stadthafen verlegen sollte. Es stimmt zwar, dass es im IGA-Park ein bisschen versteckt ist und am Stadthafen von viel mehr Touristen gefunden würde. Es stimmt auch, dass dem Stadthafen so etwas ähnliches wie dieses Schiff noch fehlt. Andererseits würde der Transport Millionen kosten und man müsste die Warnow wahrscheinlich noch tiefer ausbaggern. Deshalb entschied sich die Mehrheit dagegen.
Am anderen Ufer ist der Breitling mit dem Überseehafen zu sehen.


Nach den Gewerbegebieten folgen nun Stadtteile, die vor allem aus Wohnblocks bestehen. Sie heißen Schmarl, Lütten Klein (plattdeutsch für Klein Klein, da ist der IGA-Park) und Groß Klein (komischer Name, ich weiß). Der bekannteste Stadtteil ist aber sicherlich Lichtenhagen. Und der bekannteste Wohnblock darin ist sicherlich der mit Sonnenblumen drauf, wo die schlimmsten rassistischen Angriffe der Nachkriegszeit stattfanden, denn da wurden 1992 Wohnungen mit Asylbewerbern drin angezündet, während Nachbarn applaudierten und die Polizei sich zurückhielt.
Tja, mindestens letzteres hat sich seitdem in Rostock geändert. Wenn heute ein angemeldeter AfDemonstationszug durch eine unangemeldete Blockade aufgehalten wird, akzeptiert die Rostocker Polizei die Blockade als Spontanversammlung und stoppt die AfD.


Hinter Lichtenhagen folgen ein paar Kleingärten und der einzige Abschnitt auf dem Weg nach Warnemünde, der nicht mit irgendeinem Stadtteil bebaut ist. Hier wachsen Büsche und dahinter eine große Wiese, aus der manchmal geheimnisvoller Nebel aufsteigt, sodass sie vom Meer kaum mehr zu unterscheiden ist.


Auf diesem Kran stand mal Warnow Werft, aber der Name wurde mittlerweile zu MV Werften geändert. Hier werden Schiffe gebastelt.


Warnemünde empfängt uns mit mehreren riesigen Kreuzfahrtschiffen. Diese spucken zusammen mit der S-Bahn und den Parkplätzen eine Menge Touristen aus. Bald war der Weg so voll, dass wir schieben mussten.


Außerdem geht es noch an den Skulpturen der Warnemünder Sandwelt vorbei. Die Künstler, die so etwas bauen, verwenden aber einen speziellen Sand mit eckigen Körnern. Mit Strandsand geht so was nicht.


Am anderen Ufer liegt Hohe Düne, aber wir bleiben in Warnemünde, denn als Abschluss der Warnowtour erscheint das dem Namen nach passender. An Wohnmobilen und Reisebussen vorbei steuert der Radfahrer aufs Meer zu und denkt sich, er wäre gleich an besagter Mündung. Da hinten ist sie auch schon zu sehen, aber nix da - zuerst muss er noch einen Bogen fahren und die letzte Hürde nehmen, deren Überwindung mehr Kraft kostet als die Crivitzer Berge.


Denn hier zweigt ein Arm der Warnow ab, der heute in einer Sackgasse endet. Er wird Alter Strom genannt und ist das pulsierende, im August sogar eher überquellende touristische Herz Warnemündes. Und weil es weiter hinten keine Brücke gibt, muss der Radfahrer das ganze Stück zurück und über die Alte Drehbrücke (die sich nicht mehr dreht). Am Alten Strom stehen Kapitäne, die klingelnd und rufend für ihre Hafenrundfahrt werben, denn die Konkurrenz ist groß. Restaurants, Geschäfte, Eisdielen, ein tschechisches Restaurant und ein McDonalds werben um Kundschaft. Naja, eigentlich ist es schon ganz nett, da entlangzuschlendern, nur vielleicht nicht zur Hochsaison im August, während man ein Fahrrad mit sich schiebt.


Nebenan beginnen enge Gassen mit Fachwerkhäuschen und phantasievollen Namen wie Querstraße V. Die führen weiter zur Kirche. Dort ist es im Sommer auch noch voll, aber nicht mehr ganz so... das wahre Zentrum ist eben doch der Alte Strom.
In einem der Häuschen verbirgt sich das kleine Heimatmuseum. In meiner Schulzeit musste ich da mal an einer Führung teilnehmen, an die ich mich noch vage erinnere: Die alten Fotos und Gegenstände darin beweisen, dass die Menschen hier schon seit 1821 Urlaub machen. (Okay, an die Jahreszahl erinnere ich mich nicht mehr, die hab ich gegoogelt.) Damals haben die auch ihre Möbel und alles mögliche in den Urlaub mitgenommen. Die Warnemünder fanden schnell heraus, dass sich mit Touristen mehr Geld machen lässt als mit Fischen.
Anfangs war Warnemünde unabhängig von Rostock. Erst 1321 kaufte Rostock das Seebad dazu, also über 100 Jahre nach Gründung der Stadt. Trotzdem sahen sich die Warnemünder nicht so richtig als Teil von Rostock (manche sagen, das ist bis heute so). Auch der Baustil ist anders.


Die bekanntesten Gebäude Warnemündes sind ein mehr oder weniger normaler Leuchtturm und das merkwürdige Restaurant namens Teepott. Es soll angeblich wie eine Teetasse aussehen. Ich hätte es ja eher "Ufo" oder so genannt. So ein Name wäre aber vermutlich nicht mecklenburgisch genug.


Am 1. Januar findet dort das berühmte Turmleuchten statt. (Früher hieß das Leuchtturm in Flammen, aber das klang wohl zu sehr nach Brandstiftung.) Dabei erklingt Musik mit Lasereffekten und rhythmisch abgestimmten Feuerwerk. Anschließend erfolgt am S-Bahnhof das traditionelle gemeinsame Frieren, Warten und Gruppenquetschen ins neue Jahr.

Hinter dem Turm geht der Strand los. Der ist extrem breit. Wenn man da unterwegs zum Meer ist, glaubt man kurz, sich in der Wüste verirrt zu haben. Doch der Irrtum währt nicht lange, denn welche Wüste ist so dicht besiedelt?
Die Breite des Strandes wird voll ausgenutzt. Dort stehen Klettergerüste aus roten Seilen, Strandkörbe und im Sommer werden Bühnen oder aufblasbare Rutschen dazugestellt. Der Strandkorb wurde in Warnemünde erfunden, der Prototyp war ein aufgestellter Wäschekorb.
Im Hintergrund ist das sehr rechteckige, sehr hohe, aber nicht sehr schöne Hotel Neptun zu sehen, das dritte markante Haus in Warnemündes Skyline.

In der Nähe der Warnow ist die Menschendichte am Strand etwas geringer, was an diesen Schildern liegen könnte, auf denen irgendwas mit Lebensgefahr steht. Angeblich besteht die Gefahr, dass man vom Wasser gegen die Steine am Pier geschleudert wird. Naja, ich bin als Kind auf denen rumgeklettert, habe direkt daneben gebadet und überlebt, aber sicher ist sicher.
Warnemünde hat ein Pier mit einem grünen Leuchtturm, Hohe Düne hat ein identisches Pier mit einem roten Leuchtturm. Die Türme sind gewissermaßen größere, leuchtende Bojen, denn die kleinen Bojen hinten im Meer setzen die Farben fort: links grün, rechts rot. Hier müssen alle durch, vom kleinsten Motorboot über Hafenrundfahrten, Ausflugsshiffe, Speedboote, die Küstenwache bis hin zu den großen Fähren und den gewaltigen Kreuzfahrtschiffen. Für sie alle bedeuten diese Türme: Da geht's rein nach Rostock.


Für die Warnow und uns bedeuten die beiden Türmchen: Geschafft! Dahinter beginnt die Ostsee.
Und wo fahren wir als nächstes lang? Wieder an einem Fluss oder... das Meer da hinten sieht doch ganz einladend aus. Wie wärs, wenn wir uns als nächstes die Ostsee vornehmen?