Warnow-Tag 4b: Beim Breitling
Nur eine Ausnahme gibt es: Der Abzweig zur Gehlsdorfer Schwimmhalle. Das ist ein kleines Sportbad mit Sauna im Keller.
Hier beginnt ein weiterer Kilometer Uferweg.
Aber auch dieser Weg führt letztlich zurück zur Pressentinstraße. Die verlässt Gehlsdorf und durchquert einen feuchten Wald. Dahinter liegt Krummendorf, und dort treffen wir zusamen mit...
Variante 2: Radfernweg Berlin-Kopenhagen (Karte und Beschilderung vorhanden)
Wer schneller nach Krummendorf möchte, fährt nicht auf den Uferweg, sondern bleibt nach der Brücke auf dem rot gepflasterten Radweg. Dort durchquert er die Stadtteile Dierkow und Toitenwinkel, vorbei an Wohnblocks, Straßenbahngleisen und Bäumen.
Toitelnwinkel besteht allerdings nicht nur aus neuen Wohnhäusern, es hat auch noch einen alten Dorfkern mit Kirche. Wusste ich gar nicht.
Noch schöner ist der anschließende Radweg über ein Feld, auf dem ein großer Funkmast wächst.
So erreichen Sie Krummendorf. Wer hier wohnt, hat es nicht weit bis zum Überseehafen. Praktisch, wenn man mal eben nach Schweden möchte - die Krummendorfer befürchten aber offenbar, dass ihre Häuser einer Erweiterung des Hafens zum Opfer fallen.
...und schon befand ich mich im Überseehafen - pardon, ich meine natürlich den Rostock Port, so nennt der sich jetzt, denn das klingt ja viel hipper und internationaler.
Heute aber wollte ich gar nicht nach Skandinavien, ich wollte mir den Rest der faszuinierenden Hafenanlagen ansehen.
Denn der kleine Bereich mit den Fähren ist nur die Spitze des Eisbergs. Zahlreiche Unternehmen haben hier ein Grundstück am Wasser, wo sie ihre Waren verschiffen, zum Beispiel Liebherr, der diese gelben Kräne baut, oder ein Hersteller riesiger rostiger Röhren. Diese großen Tunnel liegen echt überall herum. Also wirklich, können die nicht hinter sich aufräumen?
Einen Radweg gibt es nun freilich nicht mehr. Wer rechts zum Industriehafen abbiegt, fährt unweigerlich auf der Straße und sollte sich einen Tag aussuchen, an dem nicht so viel los ist.
Irgendwann versperrte mir eine Schranke den Weg, denn hier begann der Ölhafen, den man nicht so ohne weiteres betreten darf. Ich hätte vorhin rechts abbiegen müssen, also zurück.
Am Steinkohlekraftwerk verlässt die Straße dann das Hafengebiet.
Jetzt immer links, auf eine andere Straße und irgendwann kommt dann auch wieder ein Radweg. Dort stoßen wir auf...
Variante 3: Der klassische Familienradweg zum Strand (keine durchgehende Beschilderung)
Dieser Weg ist sicherlich der schönste und angenehmste zum Meer, auch wenn er mit der Warnow eigentlich nichts mehr zu tun hat.
Familien, die zum Strand wollen, müssen die rotgepflasterten Radwege am Anfang nach rechts verlassen und zwischen Gewerbegebieten, Tunneln (ups, der ist überschwemmt), der Dierkower Windmühle und einer Gokartbahn aus Rostock heraus. Das ist jetzt nicht ganz so anstrengend, wie es klingt.
Dann kommt der schöne Teil: Vorbei an alten, zerfallenden Kletterbäumen und einem Hochsitz durch die Erdbeerfelder von Karls Erdbeerhof.
Das ist ein Erlebnishof für Familien, der nach dem Prinzip eines Online-Computerspiels errichtet wurde: Im Prinzip kostenlos, aber alles kostet extra, zum Beispiel das Maislabyrinth im Sommer oder die Eiswelt im Winter.
Durch das Pferdedorf Stuthof, einen Wald und links an der Straße... ich könnte den Weg im Schlaf fahren. An der Hauptstraße treffen wir auf Variante 1 und 2. Aller drei Varianten verlaufen gemeinsam ins Pferdedorf Stuthof.
In Stufhof zweigt ein Weg zum Schnaterman ab. Hinter diesem albernen Namen verbirgt sich ein Gasthaus mit einem Spielplatz, der nur aus einer Wippe und kleinen Rutsche besteht und sich daher als Kind als ziemlicher Flop herausstellte.
Das ist die Rostocker Heide. Eine richtige Heide ist das nicht (mehr), sondern ein Wald mit gelegentlichen Sümpfen und Baumschulen. Ein Netz von Kieswegen durchzieht das Gehölz, von denen die meisten angenehm zu befahren sind. Jeder dieser Wege hat einen eigenen Namen, meistens irgendwas mit Weg oder Schneise. Diese Route folgt zum Beispiel der Stuthofer Schneise und dem Kesselbrand-Weg.
Auf dem Weg liegt die Borwins-Eiche. Heinrich Borwin III. war ein Fürst, dem die Stadt Rostock 1252 für gerade mal 450 Mark die komplette Rostocker Heide abgekauft hat. Das war das beste Geschäft, das die Stadt je gemacht hat, schließlich war all das Brennholz eine Menge wert. Bis heute ist Rostock der größte kommunale Waldbesitzer Deutschlands.
Als Dank, dass er sich so gut hat über den Tisch ziehen lassen, haben die Rostocker unter anderem einen Baum und eine Schule nach Fürst Borwin benannt. Da der Original-Baum vor 60 Jahren gestorben ist, steht hier inzwischen ein junger Ersatz.
Diese lustigen Holzhütten sind in der Rostocker Heide ständig anzutreffen. An der letzten Hütte stoßen wir auf die Hauptstraße mit Ostseeküsten-Radweg, wo es links weitergeht.
Im Prinzip folgen wir ab jetzt nur noch dem Ostseeküstenradweg, denn direkt an der Warnow kann man nicht radeln. Der Grund dafür ist - welche Ironie - der Radelsee. Dieser Schilfsee steht unter Naturschutz, ich konnte ihn nur auf einer Aussichtsplattform in der Ferne erahnen. Noch weiter hinten erstreckt sich der Breitling. Den Radelsee muss ich großräumig umfahren, und dafür steht nur eine Strecke zur Auswahl: Der Ostseeküstenradweg zwischen Markgrafenheide und Warnemünde.






























