NEU! Unterirdische Radtour auf Schienen für kleine Menschen

Harz: Von Netzkater in den Rabensteiner Stollen

04 Februar 2025

Chemnitz: Von Chemnitz nach Wechselburg

Sehr geehrte Reisende, ich begrüße Sie ganz herzlich an Bord des Chemnitztal-Radwegs auf der Fahrt von Altchemnitz nach Wechselburg über Chemnitz-Küchwald, Wittgensdorf Auerswalde-Köthensdorf, Markersdorf-Taura, Amselgrund, Neuschweizerthal, Schweizerthal-Diethensdorf, Stein und Göritzhain.
Neben der Endhaltestellen-Schleife von Altchemnitz sehen Sie den Zusammenfluss der Chemnitz aus der Zwönitz und Würschnitz. Bitte beachten Sie, dass die Citybahn nach Stollberg heute ausnahmsweise in Altchemnitz endet und nicht von den Straßenbahngleisen auf die Eisenbahngleise wechselt. Reisende nach Stollberg nutzen bitte den Schienenersatzverkehr.
Chemnitz-Altchemnitz
╠⇒Citybahn-Ersatzverkehr nach Stollberg, Citybahn, Straßenbahn, Stadtbus, Radroute Bayreuth-Zittau

Bitte beachten Sie auch, dass wir die nächsten Straßenbahnhaltestellen in Chemnitz überspringen und erst wieder in Chemnitz-Gustav-Freytag-Straße halten. Stattdessen genießen Sie die Aussicht auf olle Industriegebiete und überraschend steile und felsige Ufer. Chemnitz steht unter dem Motto: Parks & Marx.
 

Chemnitz-Gustav-Freytag-Straße
╠⇒Citybahn, Straßenbahn, Stadtbus, DB-Bahnhof Chemnitz-Mitte (wenige Minuten zu Fuß)
Nächster Halt: Chemnitz, Gustav-Freytag-Straße. Ausstieg rechts.
Bitte beachten Sie auch den besonders zutraulichen Stadtreiher, der zwischen den Stadtenten durch die Chemnitz stakt.


Karl-Marx-StadtChemnitz-Falkeplatz/Museum Gunzenhauser
╠⇒Straßenbahn, Stadtbus
Nächster Halt: Chemnitz-Falkeplatz. Ausstieg rechts. Hier besteht Anschluss an die Chemnitzer Fußgängerzone zu den einzigen zwei schönen Gebäuden der Stadt.

Meine Damen und Herren, unsere Weiterfahrt verzögert sich leider um wenige Minuten. Grund dafür ist, dass sich ein Autohaus auf dem ehemaligen Bahndamm befindet. Die Symbolik dürfen Sie selbst hineininterpretieren.

Chemnitz-Küchwald
╠⇒Citybahn, DB, Kohlezüge aus Profen, Kalkzüge aus Rübeland
Nächster Halt: Chemnitz-Küchwald. Sie haben Anschluss an einen Güterzug zum Kalktagebau in Rübeland im Harz. Bitte beachten Sie, dass sich dieser um wenige Minuten verspäten wird. Grund dafür ist, dass die Güterzüge seit der Stilllegung der Chemnitztalbahn mitten auf der Chemnitzbrücke die Richtung wechseln müssen, wozu sie in einzelne Abschnitte zerlegt und später wieder zusammengesetzt werden.
Es besteht weiterhin Anschluss an eine Deutsche Reichsbahn, Abfahrt neben dem bunt gestreiften Kühlturm des Heizkraftwerks. Diese verkehrt vermutlich höchstens noch über das Fabrikgelände.
Genießen Sie auch den Blick auf das doppelte Chemnitztalviadukt (a.k.a. Klapperbrücke). Immerhin hat es 163 000 Taler gekostet.

Chemnitz-Glösa
╠⇒Citybahn, DB, Kohlezüge aus Profen, Kalkzüge aus Rübeland
Karl-Marx-StadtBorna-Heinersdorf
╠⇒Citybahn, DB, Kohlezüge aus Profen, Kalkzüge aus Rübeland
Meine Damen und Herren, wir sind nun eingebogen auf den eigentlichen historischen Bahntrassenradweg der Chemnitztalbahn, die eigentlich Bahnstrecke Wechselburg-Küchwald heißt und vor allem für die zahlreichen Fabriken erbaut wurde. Bitte beachten Sie, dass die originale Chemnitztalbahn seit 2002 planmäßig entfällt. Sie fuhr genau 100 Jahre.
 

Wittgensdorf
Wir erreichen nun den Bahnhof Wittgensdorf. Ausstieg links. Bitte achten Sie beim Ausstieg auf die Hecke zwischen Zug und Bahnsteigkante und die Ruine am Bahnsteig. Dabei handelt es sich noch nicht um das Bahnhofsgebäude, das ist - wie die meisten auf der Strecke - rotgelb geklinkert und sieht noch gut aus.
Bitte beachten Sie, Ihr Anschluss an die Rutsche auf dem Spielplatz Wittgensdorf verzögert sich um wenige Minuten, da diese gerade montiert wird.

Liebe Fahrgäste, wir durchqueren nun den 125 Meter langen Auerswalder Tunnel mit besonders viel Grafitti. Es findet ein Farbwechsel statt: Die Brückem sind an dieser Stelle vorübergehend gelb statt grün.

Auerswalde-Köthensdorf
Nächster Halt: Auerswalde-Köthensdorf. Es besteht Anschluss an die Hängebrücke zum Restaurant Mühlenkeller in der Ruine der Mühle. Bitte beachten Sie, dass auf Gleis 1 keine Anschlusszüge für Sie bereitstehen. Grund dafür ist, dass das Gleis nur ungefähr so lang ist wie das Bahnhofsgelände und nach einem knappen Kilometer schon wieder aufhört. Bitte steigen Sie in Fahrtrichtung rechts aus.
 

Zu unserer Linken, ach nee, doch eher zu unserer Rechten, oder jetzt doch mehr zu unserer Linken sehen Sie nun die felsigsten Wände auf dem Bahntrassenradweg. Beachten Sie auch, dass die nächste Chemnitzbrücke zur Abwechslung mal aus Sandstein gemauert ist.

Darf ich erneut um Ihre Aufmerksamkeit bitten? Wir müssen nun bedauerlicherweise die Bahntrasse verlassen und einem straßenbegleitenden Radweg folgen. Grund dafür sind Bäume und Berge auf der Strecke.


Markersdorf-Taura
╠⇒Chemnitztalbahn-Aussichtswagen
Nächster Halt: Markersdorf-Taura. Es besteht Anschluss an die Aussichtswagen der Chemnitztalbahn. Gnome steigen bitte hier in das Mini-Riesenrad um, mit dem Schausteller für ihre Volksfeste werben.
Bitte achten Sie beim Ausstieg auf die Strudeltöpfe aus Cordieritgneis in der Chemnitz, deren Wasserkraft die Mühlen und die Betriebe und damit die Chemnitztalbahn überhaupt erst die nötige Kraft gegeben haben.
 

Alte Mühle
╠⇒Chemnitztalbahn-Aussichtswagen
Amselgrund
╠⇒Chemnitztalbahn-Aussichtswagen
Meine Damen und Herren, unter idyllischem Vogelgezwitscher erreichen wir als nächstes Amselgrund. In Amselgrund haben Sie Anschluss an die historischen Museumsbahn, die nach wie vor mit einem kleinen offenen Aussichtswagen auf einem kurzen Abschnitt der Chemnitztalbahn verkehrt.
Talwärts in Richtung Markersdorf-Taura, Abfahrt immer um 07 und 37 Minuten nach der vollen Stunde von 13 bis 18 Uhr an jedem Sonntag von April bis Oktober auf Gleis 1.
Und bergwärts in Richtung Schweizerthal-Diethensdorf, Abfahrt immer um 21 und 51 Minuten nach der vollen Stunde, von 13 bis 18 Uhr an jedem Sonntag von April bis Oktober auf Gleis 1.
Oder auf Anruf nach Vereinbarung.
Der Ausstieg ist in Fahrtrichtung links.

Amselgrund
╠⇒Chemnitztalbahn-Aussichtswagen
Zwischen zwei grünen Stahlbrücken erreichen wir nun Neuschweitzerthal. Auch hier besteht Anschluss an den Aussichtswagen auf Gleis 1. Bitte beachten Sie, dass der Zug durch Jodeln nicht herbeigerufen werden kann.
Unsere Fahrt wird nach einem kurzen Aufenthalt wie schon zuvor auf dem asphaltierten und etwas kurvigeren Gleis 2 fortgesetzt. Dieses eignet sich auch für idyllische, aber auch äußerst kurze und simple Wanderungen, bei denen Sie mit dem Aussichtswagen zurückfahren können.
Ausstieg in Fahrtrichtung links.

Schweizerthal-Diethensdorf
╠⇒Chemnitztalbahn-Aussichtswagen
Meine Damen und Herren und alle dazwischen und außerhalb, wir erreichen nun Schweizerthal-Diethensdorf. Der offizielle Chemnitztal-Radweg endet dort. Bitte achten Sie beim Ausstieg auf den Betriebsgraben, in dem man laut Beschilderung offenbar besonders leicht ertrinken kann.
Es besteht erneut Anschluss an die Aussichtswagen, diesmal allerdings nur talwärts zurück nach Markersdorf-Taura.

Die Chemnitztalbahn bergwärts in Richtung Wechselburg entfällt aufgrund zahlreicher Unterbrechungen im Gleis. Leider wurde statt der Museumsbahn auch der Bahntrassenradweg nicht fortgeführt. Eine Fortsetzung ist in Planung, genauere Informationen hierzu kann ich ihnen derzeit noch nicht geben.

Es besteht also nur noch Anschluss an die Landstraße durch das Chemnitztal.

Mohsdorf

Stein
Liebe Fahrgäste, ich bitte um Entschuldigung für die etwas holprige Fahrt, Grund dafür sind zahlreiche baufällige Brücken, verstopfte Tunnel sowie immer wieder Asphalt im Gleis.

Göritzhain
Ich muss Sie leider nochmals um Entschuldigung bitten, unsere Weiterfahrt verzögert sich leider auf unbestimmte Zeit. Grund dafür ist ein umgestürzter Baum auf der Brücke. Sie haben nun die Möglichkeit auszusteigen und über die Landstraße weiterzugehen, die das Tal verlässt.

Liebe Fahrtgäste, wir haben nun endlich nach mehreren Versuchen einen halbwegs befahrbaren Waldpfad als Umleitung entdeckt und setzen unsere Fahrt nun fort.
Wanderer haben nun die Möglichkeit, abzuspringen und auf einem kurzen Pfad die Mündung der Chemnitz in die Zwickauer Mulde zu erkunden. Sehenswert sind neben der teilweise überspülten Grasspitze zwischen den Flüssen vor allem gleich zwei Eisenbahnbrücken von ganz unterschiedlicher Bauart, bitte beachten Sie, dass keine davon Teil der Chemnitztalbahn ist. Auf dem großen Viadukt über die Mulde rechts verkehren nach wie vor Regionalzüge zwischen Chemnitz und Leipzig, während auf der kleineren Brücke über die Chemnitz links nur der Schienentrabi fährt.

Wechselburg
⇒Zwickauer-Mulde-Radweg, Bus zum Bahnhof Geithain, Schienentrabi, völlig gesperrte Straße und wilder Wanderweg zum Bahnhof Narsdorf
Liebe Fahrgäste, mit einer Verspätung von etwa 20 Minuten erreichen wir nun fast planmäßig unseren Ziel- und Endbahnhof Wechselburg. Es besteht Anschluss an den Mulderadweg und das DR-Gleiskraftrad GKR Typ 1 alias Schienentrabi (einem Inspektionsfahrtzeug der Reichsbahn, das den Motor des berühmten Trabant verbaut hat und aussieht wie ein gelbes Bobbycar) auf der Muldentalbahn in Richtung Penig oder Rochlitz, Abfahrt wann auch immer Sie gebucht haben.
Wanderer, die von hier aus mit der Bahn zurückfahren wollen, steigen hier um in den Bus zum Bahnhof Geithain, beachten Sie, dass eine Fahrradmitnahme dort nicht vorgesehen ist.
Für Radfahrer, die von hier aus mit der Bahn zurückfahren wollen, habe ich leider schlechte Nachrichten. Da die Landstraße zum Bahnhof Narsdorf gesperrt ist, sind Sie auf den wilden Wanderweg angewiesen. Dieser bringt Sie zwar durch ein herrliches Bachtal, ist jedoch trotz eines einzelnen Fahrradwegweisers für Fahrräder ungeeignet, da diese über Felsstufen und Furten getragen werden müssen.
In Narsdorf besteht dann Anschluss an den RE 6 in Richtung Chemnitz Hbf oder Leipzig Hbf. Bitte beachten Sie, dass sämtliche Displays im Zug defekt sind und die Zugzielanzeige daher ganz altmodisch mit Papierschildern erfolgt.

Wir verabschieden uns von Ihnen und würden uns freuen, Sie bald wieder auf einem Eintrag auf flussradler.blogspot.de begrüßen zu dürfen. Bitte schließen Sie das Fenster in Klickrichtung oben rechts.

03 Februar 2025

Efze: Von Schwarzenborn nach Wabern

Nein, hier ist nichts schiefgelaufen: Diesen Fluss möchte ich nur anhand seiner Klänge darstellen.





Na schön, hier ist zumindest die Fotokarte:



02 Februar 2025

Losse: Von Hessisch Lichtenau nach Kassel



Diesen Fluss wollte ich komplett von Anfang bis Ende am Stück filmen. Und bin daran gescheitert. Aber selbst wenn es geklappt hätte, würde ich das Format wohl so nicht wiederverwenden: Die Zeitraffer-Abschnitte sind einfach zu wackelig.


01 Februar 2025

Beise: Von Hainrode nach Beiseförth

Ganz egal, was ich hier auch schreibe, immer nehme ich auf die eine oder andere Weise Bilder zur Hilfe. Sind meine Worte denn so schwach, dass ich mich auf sie allein nicht verlassen kann? Es ist Zeit für eine neue Herausforderung: Heute will ich einen Fluss ganz ohne Hilfsmittel beschreiben. Falls dabei etwas Wesentliches verlorengehen sollte, ist das halb so wild, denn dieser Fluss ist nur die Beise. Also eigentlich nur ein Bach. Und damit im Vergleich zu den meisten Flüssen halb so wild.

Um die Beisereise anzutreten, musste ich erstmal hinauf in den Knüll. Ich bin das Ganze nur als Feierabendtour gefahren und hatte deshalb keine Lust, zusätzlich die 15 Kilometer vom Bahnhof Heinebach hochzustrampeln, deshalb hievte ich mein Fahrrad in Rotenburg/Fulda in den Bus. Eine Dreiviertelstunde später stieg ich in Ludwigsau-Hainrode aus und befand mich in den Bergen.

Angeblich.

Die Berge heißen Knüll, liegt irgendwo zwischen Vogelsberg und Rhön und sind eher ein Gebirge vom Typ "Ja, dazwischen ist eigentlich auch ziemlich bergig, das braucht auch irgendeinen Namen." Und noch dazu befand ich mich in Hainrode bereits eher am Nordrand dieses Gebirges. Angeblich ist der durch offene Basaltkuppen gekennzeichnet, aber aus meiner Sicht hätte das ebensogut das fruchtbare Ackerland am Westrand sein können. Dafür brachte es mich dann doch ein wenig ins Schwitzen, was aber auch an mangelnder Kondition nach dem Winter gelegen haben könnte. Wo ist denn nun der Fluss?

Die Beise hat keine gefasste Quelle. Irgendwo unter einem beigefarbenen Kuddelmuddel aus Gräsern, Hecken, Schlingpflanzen und großen Ästen. Die Frage ist nicht "Wo kommt der Bach aus der Erde?", sondern "Wo kommt er aus diesem Kuddelmuddel?" Als ich ihn endlich sehen konnte, strömte er bereits kräftig dahin. Wild. Und die Karte sagt, irgendwo unter meinen Füßen soll ein Eisenbahntunnel verlaufen? Sehen konnte ich das nur auf einem einzigen, kaum erkennbaren Pfad quer durch das Tal. Ansonsten musste ich auf dem Waldweg am Rande des Tals bleiben. Und dieses Tal ist schon von Anfang an relativ breit, keine schmale Kerbe, wie man sie am Ende anderer Täler findet.

Bald wird der Waldweg asphaltiert, und die Beise zu einer geraden Grasrinne auf der Wiese. Willkommen in der Zivilisation, also quasi, oder sagen wir zumindest: Willkommen in Hainrode. Wie die meisten Beisedörfer ist es größtenteils weiß, wird aber hier und da durch Fachwerk aufgelockert. Das ist immerhin abwechslungsreicher als viele Dörfer in Hessen und NRW. Dazu ein kleiner Brunnen und ein hölzernes Dreieck, bemalt mit einer Karte der Beise. Menschen fuhren Traktor oder liefen herum und plaudern, so etwas wie Geschäfte gibt es jedoch nicht. Ich konnte mich nicht so recht entscheiden, was ich von diesem Tal halten sollte: Es ist definitiv nicht tot, aber andererseits gibt es dort außer Wanderwegen eigentlich nix, und die letzte Öffi-Verbindung aus Kassel kommt 16:30 in Hainrode an.

Hinter Hainrode taucht die Beise wieder aus ihrem Rohr auf und schlängelt sich durch die nächsten Wiesen, hier und da vorbei an Kühen oder 0,4 Meter hohen Steilufern. Das konnte ich nur mit etwas Abstand bewundern, was mich aber null gestört hat. Denn in Ersrode beginnt ein richtig, richtig guter Seitenwald-Radweg. So nenne ich das, wenn der Radweg im Wald an der Talseite auf und ab geht. Das heißt, erstmal natürlich auf, aber dann oft nur so sanft auf und ab, und mit so weitem Blick, dass man für jedes Auf erstmal entschädigt wird. Ah, besser kann die Feierabendtour kaum werden! Ewig währt das Vergnügen natürlich nicht, in den Dörfern musste ich wieder runter auf Nebenstraßen, und später kamen weniger angenehme, leicht verschlammte Waldwege. Schafe grasten hinter einem Elektrozaun, der von einer kleinen Solarplatte angetrieben wurde. Die Sonnenstrahlen brannten intensiv vom klaren Himmel, der Zaun musste voll geladen sein - wahrscheinlich ist bei solchem Traumwetter jede Berührung tödlich.

An einer der Nebenstraßen erhob sich am Wegesrand eine Mondlandschaft aus Erde und Beton. Sanierung des Freibades Rengsdorf, erklärte ein Schild. Diese Sanierung scheint sehr, sehr gründlich zu erfolgen, indem alle Becken von Grund auf neu gegossen werden. Wie schön, wenn sich eine Gemeinde diese Mühe macht, wo doch viele andere Orte klammheimlich im Wort Sanierung die Buchstaben anier lieber durch chließ ersetzen.

Markiert ist die Radroute mit kleinen Holztäfelchen, die einen Pfeil und die Buchstaben MR enthalten. Holztafeln haben die dumme Angewohnheit, aus demselben Material wie Bäume zu bestehen, also im Wald quasi Tarnfarben zu tragen. Und eine gute Tarnung ist bei Wegweisern naturgemäß gar nicht mal so praktisch. An manchen Stellen sind die Täfelchen so gut getarnt, dass man fast meinen könnte, sie fehlen ganz. Und überhaupt, wieso MR? Das zumindest beantwortet die Onlinekarte sofort: Weil die Route offiziell Beisetal-Mühlen-Radweg heißt. Wenn auf den Wegweisern das B und nicht das M rausgekürzt wurde, könnte man meinen, man sähe auf der Strecke mehr von den Mühlen als von der Beise. Dem ist allerdings nicht so. Tatsächlich fand ich den benachbarten Efzetal-Radweg wesentlich mühliger, dort hing wenigstens ein komplettes hölzernes Mühlrad über dem Wasser, auch wenn es sich nicht mehr gedreht hat. An der Beise dagegen konnte ich nur raten, welche der Häuser mal Wassermühlen waren. Selbst der hölzerne Wegweiser in Rengshausen, laut dem sich irgendwo dort in der Straße namens Insel eine Knottenmühle befindet, half da nicht viel weiter. (Die "Insel" ist auch nur eine Halbinsel zwischen der Beise und dem betongefassten Lingelbach.) Laut Onlinekarte waren zwei Gehöfte im Tal mal eine Papiermühle und eine Schneidmühle, aber auch die zeigten sich ziemlich bedeckt und zum Teil verfallen. Immerhin: Im Wald drehte sich ein metallenes Mühlrad mit einem Durchmesser von ca. 30 Zentimetern, ehe das Wasser in ein Kneippbecken floss.

Ach ja, und ein Reiterhof hatte so ein gläsernes Gebäude, an dem alte Holzräder hingen - aber das sah mir eher nach Kutschenrädern aus. Kein Wunder: Reiterhöfe sind omnipräsent, die gut getarnen Holzschilder verweisen mehrfach auf einen separaten Reitweg und mehrmals gewährte ich Pferdemädchen im Sattel Vorfahrt. (Merke: Lege dich nicht mit Verkehrsteilnehmern an, die dich schon mit 12 um einen Meter überragen und deren Hinterräder mit einem Tritt deinen Schädel spalten können.) Beisetal-Pferde-Radweg wäre ein viel passenderer Name.

Auf der ersten Hälfte fuhr ich unter einer schmucklosen Betonbrücke hindurch, der ich wenig Beachtung schenkte. Doch weiter unten bekamen die Brücken immer schönere Sandsteinbögen, einen für die Beise, einen für den Radweg, und noch ein paar mehr zur Verschönerung des Tals. Doch kein Weg führte obendrüber, alles war zugewachsen. Nanu, ist das die Fortsetzung des mysteriösen Eisenbahntunnels unter der Quelle? Ja, auch das Beisetal hatte mal eine Bahntrasse, verrät die Onlinekarte. Erstaunlich geradlinig zischt sie an der Seite rein ins Tal und irgendwann wieder raus - das Ziel war hier definitiv nicht, irgendwelche Käffer anzubinden, sondern irgendwas möglichst direkt zu verbinden. Im Grunde wie die heutige ICE-Trasse drüben auf der anderen Seite der Fulda. Aber das hier sieht älter aus. Zu Recht. Eine Tafel verriet mir schließlich: Das ist ein Teil der Kanonenbahn, jene militärische Verbindung des deutschen Kaiserreichs von Berlin nach Metz! 800 Kilometer lang ist die größte zusammenhängend geplante Bahnstrecke in Deutschland, die im Kriegsfall schnell Waffen ins Elsass bringen sollte und absichtlich in abgelegene Gegenden verlegt wurde, um sie vor Angriffen zu schützen. Ich kenne einen Teil dieser 800 Kilometer ja schon vom fabelhaften Kanonenbahn-Radweg nach Dingelstädt. Im Beisetal hat man leider nichts daraus gemacht, weder Draisine noch Bahnradweg, aber immerhin die Brücken wurden gut erhalten.

Zum Schluss musste ich noch ein paar Kilometer auf der Nebenstraße abwärts zischen, und dann war's das auch schon. Waren ja auch nur 20 Kilometer. Im Dämmerlicht kam ich heraus in Beiseförth. Ah, ich wusste doch, dass mir der Name Beise irgendwie bekannt vorkam - hier war ich schon am Fuldaradweg! Ein letztes Mal zweigt von der Beise ein Mühlgraben ab, der die die letzte Beisemühle versorgte. Es handelt sich um eine Kunst-und-Kultur-Mühle, teils weißes Museum, teils einzeln erhaltene Mauern, die einen Parkplatz umschließen. Ich kam durch Gassen und Gräben wieder im Grünen heraus, und eigentlich müsste doch hier jetzt die Mündung sein, oder? Ist sie auch, und trotz Bäumen, Hecken, Gärten und Dämmerlicht ist sie viel besser zu erkennen als die Quelle. Nur ein paar Schritte vom Parplatz runter zum Ufer, und schon konnte ich richtig gut erkennen, wie sich die Beise zwischen braunen, sanft gewölbtem Erdwänden der Fulda anschließt. Ach, herrlich, die gute alte Fulda. An ihrem Ufer gab es tatsächlich richtige Restaurants, und zum Bahnhof Malsfeld-Beiseförth war es auch nicht mehr weit. Sollte ich noch einen Abstecher zur Kurbelseilbahn über den Fluss machen? Aber nein, das wird zu spät.




Na schön, hier ist zumindest die Fotokarte: