03 April 2009

Elbe: Von Wittenberge nach Havelberg

Havelgeschwafel X: Das Elbfeld
Es klappert im Dorfe - Wo man lieber nicht in Immobilien investieren sollte - Eine Mündung, zwei Kanäle und zwei Bahnhöfe  - Baustellendiplomatie für Fortgeschrittene Der Doppelradweg - Wunderbare Leere zwischen den Flüssen - Die vergessene Shoppingmeile - Eine sehr teure Alternative zu einer Schachtel Pralinen

Der nächste Tag hat uns durchgängigen Gegenwind beschert und war darum deutlich anstrengender.

Die Elbe wirkt in diesem Bereich besonders naturbelassen. Darauf weisen auch viele Hinweistafeln hin.

Menschliche Hinterlassenschaften stehen etwas verloren rum...

...oder verschanzen sich hinter Mauern.


Heute war Storchentag. Schon draußen im Grünen wateten schwarzweiße Vögel durch die Sümpfe und fingen Frösche (schnapp-schnapp-schnapp). Aber das war nur der Anfang: Heute sollten wir durch Rühstädt, das storchenreichste Dorf Deutschlands, kommen.

Ich kämpfte mich durch den Gegenwind auf der Straße dem Dorf entgegen. In meinem damaligen Reisetagebuch steht dazu: Ich schaute auf den ersten Schornstein: leer. Den ersten Strommast: leer. Die nächsten Schornsteine: keine Störche. Wozu hat Rühstädt eigentlich den Namen Storchendorf verdient? Dann sah ich das Ortsschild. Es war nicht Rühstädt. Es war erst Bälow! So ein Reinfall!

Aber das echte Rühstädt hatte sich den Titel mehr als verdient. In keiner deutschen Ortschaft brüten so viele Storchenpaare, ihnen gehört quasi jede erhöte Fläche.
 
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs Nester auf nur einem Foto, die Hälfte davon besetzt! Das soll denen mal einer nachmachen. Etwa dreißig Paare brüten hier jedes Jahr. Schon in den 50ern haben die Rühstädter angefangen, ihre Dächer storchengerecht aufzustorchen. Heißt (soweit ich das mit einem Blick beurteilen kann): Große Platten auf die Masten und Schornsteine schrauben. Die Zweige fürs Nest kommen dann von den Vögeln selbst, oder? Seit den 70ern führen sie Statistiken über die Jungstörche, unter anderem per Kreidetafel an der Straße.

Mit Informationszentrum Storchenhaus, Storch-Souvenirladen, Landgasthof Storchenkrug und Gasthaus Zum Storchenhof hat das Storchendorf seine Besonderheit auch touristisch vermarktet.

Ansonsten waren die Ortschaften heute ziemlich weit weg. In den Auen zwischen Elbe und Havel stehen nur selten Kleinstgruppen von Häusern. Und auch die dürfen nicht mehr renoviert werden, weshalb sie ziemlich heruntergekommen aussehen. Aber anscheinend sind sie noch bewohnt.
Wenn auch nicht alle.

In der Nähe von Rühstedt mündet die Havel (die hier bloß noch Gnevsdorfer Vorfluter heißt) in die Elbe. Gegenüber der grünen Spitze liegt ein Hof, dessen abenteuerliche Ziegen aufs Dach geklettert waren. Daneben liegt eine Havelbrücke, auf der zwar Bauarbeiten stattfanden, aber nach etwas Verhandlungsgeschick durften wir die Räder trotzdem durchschieben. Von unseren Verhandlungen profitierten auch die nachfolgenden Radler, die sich uns einfach anschlossen.

Mit der Havel ist das nämlich so: Sie mündet zwar bei Rühstedt, aber auf den letzten 20 Kilometern fließt sie parallel zur Elbe. Elbe- und Havelradweg sind also identisch und zwischen den Flüssen. (Außerdem müssen die Havelradler ja auch noch irgendwie von der Mündung wegkommen. Das heißt, sie folgen entweder dem Elberadweg weitere 20 Kilometer zum Bahnhof Wittenberge, oder wenn sie es ganz eilig haben, biegen sie direkt ab in Richtung Bahnhof Bad Wilsnack.)
Der Streifen zwischen den Flüssen ändert zwar nicht seine Farben, dafür aber seine Breite: Mal ist er so schmal, dass man beide Flüsse sieht, mal so breit, dass man keinen von beiden erkennt. Die Elbe hüllt sich in ausgefranste Buchten aus beigefarbenem Schilf. Die Havel ist gerader und grüner, eine Reihe großer Steine befestigt ihr Ufer. Vereinzelt stehen Baumgruppen herum, aber hauptsächlich sahen wir, wie schon die letzten Tage, richtig viel Gras. Zum Einfach-nur-Durchfahren ist das eine herrliche Landschaft. Vorausgesetzt, der Wind spielt mit.


Mittendrin verbindet noch ein Kanal die Elbe und Havel, und bei Havelberg noch einer (den benutzen auch die Lastschiffe). In gewisser Weise gibt es also gleich drei Havelmündungen.

Havelberg wurde dementsprechend auch nicht nach der Havelmündung benannt, sondern weil die Havel hier überhaupt erst auf die Elbe trifft und die 20 parallelen Kilometer beginnen. Hier gehören schon beide Ufer der Elbe zu Sachsen-Anhalt.
Die Altstadt liegt auf der Havelinsel ist von außen erstmal eindrucksvoller Anblick.

Von innen ist die Altstadt auch ungewöhnlich, aber auf andere Weise. In den Kopfsteinpflasterstraßen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Der einzige Großkonzern, der sich nach Havelberg getraut hat, ist (anscheinend) Netto, und auch der nur an den Stadtrand. Die Insel ist voll von obskuren Trödel- und Spezialgeschäften, die man so wahrscheinlich kaum noch irgendwo findet, zum Beispiel ein Laden ausschließlich mit Büchern über Teppiche. Es war schon Abend, und so ließ sich nicht immer erkennen, welche dieser Läden tagsüber noch öffnen - der Uhrmacherladen war halb ausgeräumt, aber viele andere wirkten sauber und betriebsbereit. Außerdem findet in Havelberg jedes Jahr ein Pferdemarkt statt - für alle, die schon immer mal ein Fahrrad haben wollten, dass kacken und schlechte Entscheidungen treffen kann.
In einem Laden schein die Zeit besonders früh stehengeblieben zu sein. Auf der Tür steht schlicht und einfach Preußen, und das Schaufenster ist voll von Erinnerungsstücken mit Adlern und Kreuzen drauf, dazu Lobpreisungen auf preußische Tugenden, die heute wertvoller sein sollen als je zuvor, und einer Statistik, warum Preußen total friedlich war.

Aber tatsächlich hat Havelberg einen besonderen Bezug zu Preußen: 1716 verbündete es sich auf dem Konvent von Havelberg mit Russland, Dänemark, England, Sachsen-Polen und Hannover. Um so unterschiedliche Mächte an einen Tisch zu bringen, brauchte es natürlich einen gemeinsamen Feind, nämlich Schweden, das allen einfach zu großmächtig geworden war. So wurden in Havelberg die Weichen gestellt, die dazu führten, dass die baltischen Staaten im Großen Nordischen Krieg an Russland gingen und deshalb letztlich bis heute einen Angriff Russlands fürchten.
Die meisten Staaten schickten bloß Vertreter, aber aus Preußen und Russland kamen Friedrich Wilhelm I. und Zar Peter I. höchstpersönlich. Da braucht man natürlich ein größeres Gastgeschenk als ne Flasche Wein von der Tanke, zum Beispiel das Bernsteinzimmer. Genau das wechselte hier den Besitzer. (Also genau genommen waren das natürlich nur Wandverkleidungen aus Bernstein, die man dann in ein Zimmer seiner Wahl einsetzen kann. Schließlich musste der Peter das ja auch irgendwie nach St. Petersburg transportieren.)
Das Ganze passierte im Dom der Havelberger Bischöfe, der hoch über der Altstadtinsel mit einem absurd breiten Turm thront. Zwei Statuen der Monarchen erinnern an das diplomatische Treffen. Wirft man 2 Euro rein, spucken sie eine Kunstpostkarte aus.

02 April 2009

Elbe: Von Lenzen nach Wittenberge

Und immer noch überall Hochwasser... ist die Elbe jetzt eigentlich links oder rechts? (Rechts zum Vergleich: Dieselbe Strecke im Oktober.)

Mittlerweile ist die Elbe die Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt. In diesen Überflutungswiesen soll sich ein DDR-Beobachtungsturm verbergen, aber der wurde von Bäumen abgeschirmt oder vielleicht auch komplett überflutet.


Na, Hauptsache, der Radweg wird nicht überspült. Danach sah es bisher aber noch nicht aus.

Am Bösen Ort knickt die Elbe um 90 Grad ab. Für Kapitäne war es sehr schwierig, heil durch diese Kurve zu steuern. Für die Deiche ist es schwierig, das Wasser auszuhalten, das von vorne statt von der Seite dagegendrückt - beim Elbhochwasser 2002 hielten die Sandsäcke gerade so. 2005 wurde der Deich deshalb nach hinten verlegt, zusammen mit dem Radweg. Der Kiesweg auf dem Alten Deich führt nur zu einer Sackgasse mit Vogelbeobachtungshütte. Die Elbe strudelt durch beigefarbene Kreise aus Schilf, und der Böse Ort sieht gar nicht mehr so böse aus.
Im neuen Überflutungsgebiet werden auch wieder Auenwälder gepflanzt, denn die kommen nicht einfach so über den Deich zurück, nur weil man die Natur sich selbst überlässt.

Den Weg weisen solche Fahrradschilder. Dank ihnen konnten wir an jeder Kreuzung gucken, wie weit es noch zum Zielort ist. Grobe Orientierung bietet ein verschnörkeltes kleines e, das Symbol für den deutschen Elberadweg.

Oder aber man orientiert sich anhand der Kilometerschilder am Ufer. Die geben an, wie lange es noch bis zur Mündung ist, also, was wir schon geschafft haben.

Eine Möglichkeit, Hochwasser sinnvoll zu nutzen, ist der Bau von Schiffchen aus angeschwemmten Materialien.

Zum Glück sind noch nicht alle Bäume vom Wasser umschlossen.

Leider haben wir zu spät daran gedacht, diese Unke zu fragen, ob wir das Bild veröffentlichen dürfen.

Dasselbe gilt für diesen Schwan. Der ist gleich wieder weggeflogen.


Nachtrag 2022
Kurz vor dem Dreiländereck Brandenburg/Sachsen-Anhalt/Niedersachsen überquert die Fähre von Schnackenburg die Elbe. Weil MV noch ganz in der Nähe ist, sprechen manche auch vom Vierländereck und vom Vier-Länder-Grenzradweg, dessen Infotafeln immer wieder herumstehen.

Ein Stück Grenzzaun erinnert an den Flüchtling Hans-Georg Lemme. Er schwamm gerade über die Elbe, als ihn ein Boot der Grenzsoldaten bat, er solle doch bitte umkehren. Lemme wollte nicht. Daraufhin beschloss der Kapitän, dass Sinnvollste in dieser Situation sei, erstmal mit dem Boot über Herrn Lemme drüberzufahren, vielleicht würde ihn das ja umstimmen. Stattdessen tötete die Schiffsschraube Lemme. Ups. Aber das hatten die Soldaten ja nicht gewollt. Fand jedenfalls das Landgericht Schwerin. Woher sollte ein Kapitän auch wissen, dass eine Schiffsschraube gefährlich ist?

Direkt am Ufer der Elbe flattert die ukrainische Flagge vor einem Grenzmuseum. Die Schaufensterpuppen darin tragen Uniformen aus Ost und West. Zwischen die Fachwerkbalken des Häuschens wurden jede Menge alte Karten und Zeitungsausschnitte genagelt. Einer erzählt von einer Familie, die mit ihrem selbstgebautem U-Boot über die Elbe fliehen wollten. Blöderweise waren das Eis so dick und die Patrouillen so häufig, dass sie erst den Startpunkt verlegen und später nochmal auftauchen mussten. Dabei wurden sie von einem Grenzboot erwischt. Eine andere Familie schaffte den Absprung mit einem Motorboot, das sie dem Wasserstraßenamt gestohlen hatte.

In Schnackenburg mündet ein skandinavisch klingendes Flüsschen namens Aland in die Elbe. Der Iron Curtain Trail und die Variante am Südufer der Elbe folgen ihm auf dem Deich.
Die kleinste Stadt Niedersachsens war zweimal ein wichtiger Standort für den Zoll - zuerst im Königreich Hannover und dann natürlich im Kalten Krieg.

Der nördliche Elberadweg führt durch verlassene Dörfer weiter nach Wittenberge. (Nicht zu verwechseln mit Lutherstadt Wittenberg. Bis dahin dauerts noch etwas.) Der Sage nach stand dort mal eine Burg, die von einem betrogenen Liebhaber abgebrannt wurde. Später wurde eine Altstadt in Form eines Schiffes auf Schwemmsand errichtet. Trotz Sanierungen ist ein Teil der Häuser noch immer abgewrackt. Das Stadttor ist verschlossen und führt seltsamerweise auf ein Privatgrundstück. Das richtige, lebendige Zentrum ist die breite Straße zum Bahnhof, an der aber auch nichts Bemerkenswertes ist.

Aber: Im 20. Jahrhundert wurde Wittenberge für seine Nähmaschinenfabrik bekannt. Und: Es gibt einen Bahnhof und eine Bahnbrücke über die Elbe - die erste seit Dömitz, und die erste intakte seit Lauenburg! (Und auch in die andere Richtung sieht es nicht besser aus.) Hier halten sogar die Eurocitys von Prag nach Hamburg, falls sie nicht gerade ausfallen.



01 April 2009

Elbe: Von Dömitz nach Lenzen

Im Frühling 2009 haben wir eine Woche lang mit der Elbe weitergemacht. Insgesamt war das unsere kürzeste Radtour, aber dafür ging es ja nur wenige Monate später schon wieder weiter.


Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, an der Dömitzer Festung in Mecklenburg.

Bei Dömitz mündet ein Fluss in die Elbe, der ganz ähnlich heißt - die Elde, die Wasser aus der Mecklenburgischen Seenplatte herantransportiert.
Die folgende Landschaft nennt sich Lenzener Wische und besteht aus Auwäldern.
Im Frühling muss man sich keine Sorgen machen, dass man zu weit weg von der Elbe abschweift. Das Wasser tritt über die Ufer, prüft mal wieder nach, ob die Deiche noch halten, und bleibt einem immer dicht auf den Fersen.

Auch den Dörfern rückt es ziemlich auf die Pelle,...

...ebenso wie diesem Sensenmann.

Am Südufer liegt das Dorf Gorleben. Nach Rüterberg haben wir hier gleich den zweiten vorübergehenden Mini-Staat, diesmal aber auf der Westseite.
Bei Gorleben befindet sich ein Atomzwischenlager, das zum Endlager werden soll. Als in den 80ern zu diesem Zweck rumgebohrt wurde, besetzten Aktivisten die Bohrstelle und gründeten die Freie Republik Wendland. Sie bauten ihr Hüttendorf nach dem Vorbild der Rundlingsdörfer aus der Region, und sie stellten Pässe aus, die für das gesamte Universum gelten, solange der Besitzer lachen kann.
Der Innenminister konnte nicht darüber lachen und diagnostizierte Hochverrat. Polizei und Bundesgrenzschutz räumten die Republik nach einem Monat. Zum Glück blieb dabei alles friedlich.

Als erstes übernachteten wir in Lenzen. Dort steht eine schneeweiße Burg, eigentlich schon ein Schloss. Slawen haben sie im 12. Jahrhundert erbaut. Damals war sie vermutlich noch nicht so weiß und blitzsauber.

Wer als Kind zum ersten Mal in einem Schloss übernachtet, erlebt aufregende Dinge, an die er sich auch viele Jahre später erinnern kann. (Echt jetzt.) Dazu zählen makellos weiße Wände, aggressiv fauchende Klospülungen und eine Lampe, die angeht, wenn man nur den Sockel berührt.

Nachtrag 2022
Die Fähre von Lenzen hat drei unterschiedlich hohe Anlegestellen, was vermutlich alles über den Wasserstand der Elbe aussagt, was man wissen muss. Sie fuhr hier über 500 Jahre lang hin und her, bis die DDR sie einstellte und ihren Grenzzaun auf dem Deich baute.

An beiden Seiten der Fähre ragt ein ungewöhnlicher Turm auf. Im Osten steht ein großer grauer Grenzturm, auf dem DDR-Soldaten auf Mitbürger schießen sollten, die über den Zaun klettern und anschließend über die Elbe schwimmen wollten.
Das Besondere: Es ist der einzige Turm an der Innerdeutschen Grenze, den man besteigen kann. (Das konnte ich sonst nur an der Ostsee und Berliner Mauer.) Allerdings nicht von innen. An diesen Turm wurde außen eine Feuertreppe drangeschraubt, über die ich direkt aufs Dach kam. Die Grenzsoldaten hatten damals bestimmt noch keine Plattform mit schickem Glasgeländer, obwohl sie auch manchmal aufs Dach mussten, um Scheinwerfer einzusetzen.

Aber kann ich gar nicht in den Turm rein? Doch, in der obersten Etage zweigt von der Wendeltreppe ein Zugang zur Tür ab. Mal sehen, was da... ürg.
Ein Museum sollte man darin auf keinen Fall erwarten, nur ein paar alte Fotos der Elbgrenze hängen an der Wand. Fragen Sie mich aber nicht, was genau da zu sehen war, denn ich habe den Raum auf der Stelle wieder verlassen. Er enthält nämlich weitaus mehr Fliegen als Fotos. Die kleinen Fruchtfliegen fanden mich anscheinend interessanter als Bilder, Fenster und Beton und begannen umgehend, ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort auf meine gesamte Körperoberfläche zu verlegen.
Was zur Hölle? Ist der Turm verschlossen, weil in den unteren Etagen alle Mauertoten verscharrt wurden, oder was?

Weniger verstörend ist der Aussichtsturm Schwedenschanze auf dem Höhbeck. Der Berg ist 200 000 Jahre älter als das Elbtal in seiner heutigen Form. Damals war der Höhbeck eine Insel, die in der letzten Eiszeit mitten in der Elbe zusammengeschoben wurde. Wer den Fluss per Boot überquerte, machte hier Pause.
Es ist zwar anstrengend, auf den Berg hinaufzuholpern, aber wenigstens gibt's keine Fliegen. Aus dem Wald ragen ein rot-weißer Funkturm und ein hölzerner Aussichtsturm. Warum das Ding Schwedenschanze heißt, weiß keiner so richtig. Karl der Große baute hier zwar eine Festung, vertrieb die Slawen aus ihrer Burg ans Ostufer und machte die Elbe zum ersten Mal zur Grenze. (Es sei denn, man zählt schon die Grenze zwischen grauschwarzen Nebelkrähen im Osten und schwarzen Rabenkrähen im Westen mit.) Aber wer sich in Geschichte richtig gut auskennt, weiß, dass weder Karl der Große noch die Slawen aus Schweden kamen.
Die Nazis bauten hier eine geheime militärische Sendeanlage. Die BRD errichteten stattdessen Funktürme, um Telefongespräche und das ZDF nach Westberlin rüberzufunken. Anfangs konnten nur 15 Westberliner gleichzeitig telefonieren.

Jaja, denken Sie vielleicht, wieder so ein hölzerner Aussichtsturm in einem Naturschutzgebiet, das gibt's doch überall. Aber haben sie je ein so hohes Exemplar gesehen? Ich kann mich jedenfalls an keinen höheren erinnern. Die Treppe ging immer wieder hin und her, und als ich oben ankam, war ich ein bisschen aus der Puste.