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27 März 2026

Lippe: Von Bad Lippspringe nach Schloss Neuhaus

Lippenbekenntnisse
Tag 1: Das Thermaltal

Von der Ruhr hat schon die halbe Welt gehört - ihr Stahltal prägte eine Ära. Von der Lippe hat wahrscheinlich nicht mal die Hälfte Deutschlands gehört - ihr Thermaltal prägt aber immerhin auch die Gestalt von NRW und dem Ruhrgebiet. Außerdem ist die Lippe und nicht die Ruhr der längste Fluss des Bundeslandes (also von denen, die nur in NRW fließen). Reicht das für einen eigenen Radweg? Offenbar nicht ganz - es braucht obendrauf noch eines der größten Imperien der Weltgeschichte.

Der Römer-Lippe-Radweg verbindet nicht nur einen Fluss, sondern auch ein paar römische Relikte. Deswegen beginnt er in der hübschen Schlossstadt Detmold. Ein Riesensteinstatuengebilde oben auf dem Hügel soll daran erinnern, wie Hermann den Römern bei der Hermannsschlacht (oder auch Varusschlacht, falls Sie mit den Römern sympathisieren) so heftig den Hintern versohlte, dass ein Achtel des römischen Militärs umkam, woraufhin die restlichen sieben Achtel den Versuch aufgaben, das Gebiet zwischen Rhein und Elbe zu erobern. Das passierte, als Jesus angeblich 9 Jahre alt war - wo genau, ist superumstritten.
In Wahrheit sieht der riesige junge Germane mit erhobenem Schwert nicht aus wie der historische Hermann, und auch sonst verrät das Denkmal mehr über das 19. Jahrhundert als über das Jahr 9. Nicht ohne Grund erinnert es verdächtig an die Wacht am Rhein, Porta Westfalica, das Völkerschlacht- und Kyffhäuser-Denkmal und wie sie alle heißen - eine weitere ideologische Säule für das neu vereinigte Deutsche Kaiserreich. Nur dass diesmal halt ausnahmsweise nicht Kaiser Wilhelm geehrt wurde. Also, fast nicht. Eine bescheidene Gedenktafel, laut der Wilhelm dem Typen oben auf dem Denkmal "gleich" sei, hat er sich trotzdem gegönnt. Die Steine stammen von der Ruine der Grotenburg, die hier vorher stand, und bilden eine Kuppel mit einem engen Treppenhaus, durch das ich für 4 Euro auf einen Balkon stieg und zusah, wie der Nebel aus dem Flachland über den Teutoburger Wald jagte.
Der Hermann guckt drohend nach Rom und Frankreich, wo die Franzosen zur selben Zeit Denkmäler für den Gallier Vercingetorix (die Inspiration für Asterix) errichteten, der den Römern auch mal eine bittere Niederlage beschert hatte. Deutschland und Frankreich wetteiferten damals quasi, wer den krasseren Anti-Römer hatte.

Zu diesem Denkmal bin ich gewandert, und anschließend habe ich noch ein zweites Ziel angesteuert. Auf dem Weg durch die Teutoburger Wälder entdeckte ich spontan noch eine Heidefläche und die mystische sogenannte Geisterschlucht. Zwischen ihren Felswänden ist es nachts bestimmt noch atmosphärischer als an einem Nieseltag.
Dann kam ich an einem See heraus, an dem das sandsteinerne Rückgrat des Teutoburger Walds außerhalb der Erde liegt, quasi extern. Vielleicht nennen sich die skurrilen Säulen deswegen Externsteine. Als ich zum See runtermarschierte und die Felsspitzen zum ersten Mal durch die Wipfel schauten, musste ich unwillkürlich an die künstlichen Felsen in einem Zoo denken - so unmöglich erschien mir der Anblick in dieser sonst felslosen Umgebung. Aber das ist kein Beton mit Tierkot - es ist der gepresste Strandsand eines uralten Kreidemeeres. Als Europa mit Afrika zusammenstieß und sich die Alpen falteten, richteten sich die Sandsäulen plötzlich senkrecht auf. Und jetzt konnte ich sie besteigen. Zumindest die erste Säule mit Seeblick. Auf der dritten war die Treppe in der ersten Kurve noch gesperrt, und ich durfte leider nicht über das lustige steile Brücklein zur zweiten Säule mit der Aussicht durch ein vergittertes Felsfenster laufen.
In den Fels wurden aber nicht nur verwinkelte Treppen gehämmert, sondern auch ein Relief, auf dem Jesus vom Kreuz abgehängt wird. Es ist vielleicht die älteste Darstellung dieses eher untypischen Moments. Die Externsteine waren mal quasi das europäische Jerusalem, ein superwichtiger Pilgerort.

So, diesen Teil des Römer-Lippe-Radwegs bin ich gewandert, nun aber zur eigentlichen Lipperadtour:
Die Lippe beginnt erst 17 Kilometer später im Kurort Bad Lippspringe. Genau wie die Pader in Paderborn quillt sie überall aus allerhand Rohren in ein üppiges Steinbecken, als wäre der komplette Ort eine Quelle. Nur befindet sich rundherum keine richtige Stadt, sondern nur Kurparks, weiße Kurhäuser und anderer Kurkram. Das liegt nicht nur am Quellwasser, sondern auch an der Lage: Eingekeilt zwischen Eggegebirge, Paderborner Hochland und Kiefernwald ist die Luft besonders gut.
Im blauen Teich namens Odins Auge kommt das Wasser aus acht Meter Tiefe. Die Arminiusquelle dagegen wurde nach keinem anderen als dem Hermann von der Hermannsschlacht benannt - Arminius war sein lateinischer Name, weil er von Kindheit an quasi als Schläfer und Spion in der römischen Armee diente. Nur so konnte er die römischen Legionen im Teutoborger Wald überhaupt erst in die fatale Falle locken.

Darf ich vorstellen, der erste Lippewasserfall. Viel wilder wird der Fluss auch nicht mehr.

In einer versteckten Felsschlucht im Arminiuspark verbirgt sich die Jordanquelle.

Ich kann jedoch Entwarnung geben: An diesem Fluss spielen sich keine blutigen Konflikte ab, sein Wasser ist kein internationaler Streitpunkt. Andererseits hat er auch keine Seen, auf denen Heilige zu Fuß rübergegangen sind, in denen man ohne Schwimmen oben treiben und aus denen ein Schluck Wasser tödlich sein kann. Es hat eben alles sein Für und Wider.

Da Lippspringe keinen Bahnhof hat, bin ich damals von Paderborn Hauptbahnhof zur Westfalen-Therme von Bad Lippspringe rübergeradelt. Damals war das eines der ersten Hallenbäder, das in der Pandemie geöffnet hatte. Dafür auch mit dem strengsten Regeln: Im Badrestaurant wurde, tropfend in Badehose, nur mit Maske gegessen. Ansonsten ist die Therme ganz schick, hat die sechstbeste Wasserrutschenanlage in NRW und erinnert sehr an die Ostseetherme Scharbeutz.

Danach habe ich Lippspringe wieder auf dieser angenehm ruhigen Straße verlassen.

Aber es wird noch ruhiger. Von der Straße bin ich in den Wald abgebogen. Ein Teil davon gehört zum Truppenübungsplatz Senne, den ich schon von der Emsquelle kenne. Und das bedeutet: Ruhe, Sand, Grün und kleine künstliche Seen (diesmal jedoch keine Wildpferde).

Von den Talleseen in der Lippeniederung war auf meiner Strecke kaum etwas zu sehen.

Und bei der Lippe selbst sieht es ganz ähnlich aus. Sie strudelt um die rostigen Stangen alter Wehre und ist noch schwärzer als die Seen. Kein Wunder, auch die Erde der Senne sieht öfter mal besonders schwarz aus.

Unter den Trauerweiden, Engstellen und schließlich unter einer großen Brücke von Schloss Neuhaus mündet die Pader aus Paderborn, und dort bin ich dann auch wieder in Richtung Paderborn abgebogen. Es war eine nette kleine Rundtour um Pader, Lippe und Paderborn, dennoch habe ich die Lippe dann erstmal ein paar Jahre nicht fortgesetzt.

Ach ja, wo ist eigentlich das Schloss, das so wichtig ist, dass es extra im Ortsnamen stehen muss? Da ist es ja, gleich neben der Mündung. In dem Weserrenaissance-Schloss (Sollten wir nicht inzwischen weit genug entfernt von der Weser sein?) wohnten Paderborns Fürstbischöfe, jetzt ist ein Kunst- und Naturkundemuseum drin. Ob das Schloss nun aber gleichzeitig das Neuhaus im Ortsnamen ist, bleibt unklar. Neu genug sieht es jedenfalls aus.

Der Park soll einer der zehn schönsten Deutschlands sein. Ob das nun daran lag, dass sich die Jury einfach beim Foodtruckfestival Cheatday so vollgefressen hat, dass sie keine Lust mehr hatten, den Rest zu beurteilen, das muss jeder selbst beurteilen.

30 Juli 2025

Fränkische Saale: Von Königshofen nach Neustadt

Bei der Ausfahrt aus Bad Königshofen bin ich erstmal im komplett falschen Dorf gelandet, weil das Fahrradschild nur die Radrouten Meinungen - Haßfurt und Merkershausen - Bad Königshofen Süd kannte. Logisch, die sind bestimmt viel bekannter als der Fränkische-Saale-Radweg.
Allzu lange wollte ich in der Gegend nicht anhalten, sonst bauen die womöglich auch mein Fahrrad in ihren Gartenzaun ein.

Dann aber ging es ganz einfach am schattigen Flussufer vorbei. Die Saale ist noch ein schmaler, etwas unmotivierter brauner Wurm.

Geht's noch einfacher? Jup, hier beginnt eine Bahntrasse, Königshofen war also auch mal an die Bahn angebunden.

Noch ist das Grabfeld eine gelbliche Hochebene, in der sich die Saale als grüne Baumreihe durch die Felder schlängelt. Schön, aber jetzt nicht gerade Bayerns spannendste Landschaft.

Doch langsam bäumten sich die Wälder am Horiziont auf, rückten näher und umschlossen die Saale, die prompt anfing, aufgeregt zu plätschern. Sie taucht jetzt ein in eines der vielen tiefen grünen Täler rund um den Main - ihr eigenes, versteht sich.

Die Verkaufshäuschen der Bauern sind viel zu gesund und bieten nur rohes Gemüse (und einmal rohe Milch) an. Von hausgemachtem Eis weit und breit keine Spur.
Gerade mal 27,5 Kilometer sind es bis zur nächsten Kurstadt. Kurz vor dem Ziel wird das Tal etwas breiter (ich fuhr mit ein paar Unterbrechungen noch immer auf der Bahntrasse), und an der Mündung der Streu kommt die Bahnlinie aus Thüringen und Mellrichstadt dazu.

Bad Neustadt an der Saale wird mit hoher Frequenz durchfahren von eigenwilligen Busfahrern, die mir schon mehr als einen Radtourplan durchkreuzt haben (was im Wesentlichen auch der Grund ist, warum ich an diesem Tag nur so eine kurze Etappe gefahren bin, denn ich musste ja erstmal irgendwie nach Königshofen kommen).
Die Altstadt auf dem Hügel hat eine fast komplett erhaltene Stadtmauer, aber nur ein Tor, das Hohntor. Dahinter kommen erstmal ein paar Fachwerkhäuser, doch je tiefer ich reinging, umso mehr muss ich voller Hohn sagen: Da gibt es schönere Altstädte.

Auf der linken Marktplatzseite steht Fachwerk, sonst rutschte mein Blick oft an eintönigem Beige ab.
Angeblich ist die Altstadt nur eine romantische Geste: Karl der Große hat sie herzförmig bauen lassen, als Geschenk für seine Frau Fastrada, die offenbar auf beige stand. Die Legende um Fastrada ist fast wahr - zumindest steht fest, dass der große Karl die Stadt gegründet hat.
Aber es war eine ganz andere Frau, die Gräfin von Haxthausen, die der Stadt ein Badehaus gab und damit schon mal ankündigte, was mich an der restlichen Saale erwartet - ein Thermaltal.

29 Juli 2025

Fränkische Saale: Von Alsleben nach Königshofen

Die Saalegrenze I

Länge: 10 km
Grenzquerungen: 0
Bundesländer: Bayern/Thüringen
Seite: West
Erkenntnis: Bürgermeister machen an sich korrekte, aber unvollständige Quellenangaben.

Es gibt noch einen zweiten Fluss namens Saale, der ein bisschen unbekannter ist (aber immerhin bekannter als die kurze Saale bei Hannover, die in die Leine fließt). Die erste Fränkische Saaletappe kenne ich schon von meiner Iron Curtain Tour (in die entgegengesetzte Richtung).

Die Fränkische Saale entspringt bei Alsleben in einer Art halbfertigem Brunnen aus Ziegelsteinen. Ich füllte eine Trinkflasche auf. Nach Angaben des Bürgermeisters sei das Wasser schließlich trinkbar, schreibt der Reiseführer. Überrascht schmeckte ich so ungefähr das beste Quellwasser der Welt. Doch schon ein paar Stunden später war es eher eklig. Sprich: Das Wasser ist trinkbar, aber mit sehr kurzem Haltbarkeitsdatum.
Die Quelle liegt nur wenige Meter von der Grenze nach Thüringen entfernt. Anders als ihr längerer Kollege, die Sächsische Saale, hat die Fränkische Saale den Status als Grenzfluss haarscharf verfehlt. Ist vielleicht auch besser so, wer weiß, was die DDR in sie reingekippt hätte. Da wäre der Fluss bestimmt überhaupt nicht trinkbar gewesen.
(Wie ich jetzt erst auf der Onlinekarte sehe, gibt es ein paar Kilometer weiter südlich auch noch einen Saaleursprung, anscheinend eine andere gefasste Quelle in einer Baumgruppe mit WC.)

Bevor in Bayern die Sonne aufsteigt, steigt der Nebel auf. Das Wasser verströmt weißen Dunst, als würde es langsam verdampfen. Dabei war es längst nicht warm genug zum Verdampfen. Genau genommen war rein gar nichts um diese Uhrzeit warm genug.
Dies ist das obere Tal der Fränkischen Saale. Ich folgte der Linie aus Schilf und Bäumen, in der sich der kleine Fluss verbarg.

Aus Gründen, zu denen ich gleich komme, hatte ich am Abend vorher während meiner Iron Curtain Tour folgendes Problem: Es dämmerte schon so massiv, dass ich die Suche nach einem guten Schlafplatz quasi halbblind durchführen musste. Bei Eyershausen bog ich planlos ab in einen Wald. Wie sich herausstellte, bestand der "Wald" zu je einem Drittel aus spitzen Dornen, eisigem Sumpfwasser und abgeholzten Baumstümpfen.
Alles in allem habe ich schon besser geschlafen.

An der Wallfahrtskirche von Ipthausen befindet sich die größte bayrische Anlage mit Beos. Das sind unauffällige schwarze Vögel aus Nord- und Hinterindien, die besser sprechen können als die meisten Papageien. Im Rostocker Zoo hatten wir damals ein paar sehr begabte Beos, die mich sogar mit meinem Namen ansprechen konnten - doch leider kam der Tag viel zu früh, an dem wir feststellen mussten, dass sie auch in artgerechter Haltung höchstens 25 Jahre alt werden.
Umso mehr freute ich mich auf ihre bayrisch-katholischen Artgenossen. Der Bergbeo heißt wissenschaftlich sogar gracula religiosa, weil ihnen Gebete beigebracht wurden. Ein paar christliche Beos, die Psalmen rezitieren oder "Gloria in excelsis Beo" singen - das wäre jetzt genau das richtige zur Aufmunterung! Doch während die kunterbunten Papageien noch munter herumflatterten und kreischten, war die Beo-Voliere sehr viel zugewachsener. Die Mittelbeos namens Schlumbes und Schatzi ließen weder von sich sehen noch von sich hören. Schade...

Wir befinden uns im Grabfeld, ein etwas eigenartiger Name für eine Landschaft. Der Sage nach hatte eine Königin in der Region einen Ring verloren. Auf der Suche ließ sie das komplette Land umgraben (ihre Nazghul waren bestimmt begeistert, zu Gartenarbeit abkommandiert zu werden), zack, schon hieß das Land Grabfeld. Als sie den Ring endlich fand, errichtete sie am Fundort aus Dankbarkeit einen Königshof, zack, schon stand da die Stadt Bad Königshofen im Grabfeld. Das Fachwerk und die Wandmalereien (rechts) machen schon was her, auch wenn die Altstadt nicht mehr ganz so frisch wirkt.
Königshofen und das Grabfeld waren schon lange Grenzland und Bollwerk gegen den kommunistischen barbarischen Nordosten. Die Römer nannten die Grenzstadt Chuningishaoba (ich weiß nicht, wonach das klingt, aber jedenfalls nicht nach Latein) in pago Graffeldi, Graf Berthold hatte später so gute Connections zum bayrischen König, dass er die Festungsstadt weiter ausbauen durfte, im Dreißigjährigen Krieg verkackte die Stadt trotzdem komplett gegen die Schweden. Ein paar Stadtmauern und Waffenlager stehen noch, so richtig ist die sternförmige Gestalt von damals aber nicht mehr zu erkennen.

In diesem Grabfeld war nun leider meine Kette gerissen. Zwar hatte Königshofen laut Website eine Radwerkstatt, doch meine Chancen, dass die Werkstatt um die Zeit in einer solch kleinen Stadt noch geöffnet hatte, standen fast ebenso schlecht wie die, durch sorgfältiges Umgraben des Bodens eine neue Kette zu finden.
Aber ich griff nach dem Strohhalm. Also, der Werkstatt, nicht dem Umgraben. Als ich mich dem Bikeshop Grabfeld näherte, stand die Tür tatsächlich offen. Sollte ich Glück haben? Es war zwar nicht der Werkstattbesitzer, der war während die nächsten Tage unterwegs. Aber seine Frau war nicht nur bereit, eine neue Kette zu verkaufen, sondern auch, einen anderen Fahrradmechaniker im Ruhestand aus dem Nachbarhaus herbeizuklingeln. Der allerdings auch nicht da war. Macht aber nichts, ich habe die Kette allein eingefädelt bekommen. Zwar nicht ganz perfekt, sodass ich die nächsten Tage nicht alle Gänge nutzen konnte. Aber immerhin.
Insofern eine klare Empfehlung an den rettenden Bikeshop Grabfeld, der sogar erstklassigen Service leistet, wenn er eigentlich geschlossen ist. Danke!
Nur leider hatte die gerissene Kette durch den Zeitverlust trotzdem eine Kettenreaktion ausgelöst, und daher eben die suboptimale Nacht.

Aber Königshofen ist auch eine Kurstadt. Im Park schob sich eine Glastür auf und offenbarte eine Trinkhalle, die so ganz anders aussah als die im tschechischen Bäderdreieck. Und das nicht nur, weil die Pappbecher gratis waren. Inmitten weißer Moderne und grauer Sitzmöbel sprudelte das Heilwasser aus den Metallhähnen. Die Urbani-Quelle schmeckte leicht salzig, aber noch okay, bei der Regius-Quelle dagegen kostete mich das Schlucken viel Überwindung.

Viel erholsamer ist der große, lauwarme Heilwassersee. Der liegt im Außenbereich der Frankentherme, ein kleines Schwimmbad für Familien und Entspanner (eher weniger für Sportler und Erlebnishungrige). Doch die größte Besonderheit thront angeblich auf dem Thermendach - und diesmal sollten die Königshofener Vögel nicht enttäuschen. Auf einem Kamin der Therme schnäbelte und streckte sich ein Storchenpaar behaglich unter den warmen Dämpfen. Ihre Kinder waren nicht so sehen, oder wahrscheinlich schon ausgeflogen.
Wie es dazu kam, ist im Detail auf frankentherme.de nachzulesen: 2020 versuchte zum ersten Mal ein Storchenpaar auf dem Kamin zu bauen, es klappte aber nicht so richtig. Die Betreiber waren aber so große Storchenfans, dass sie ihnen im nächsten Jahr ein Nest bereitstellen wollten. Eine Schlosserei baute das Nest kostenlos, die Feuerwehr brachte es an, und die Störche Adele und Schorsch belegten es. Heraus kamen zwei Küken namens Mina (nach der Mineralheilquelle) und Lui (nach dem Luitpoldbrunnen, ein bisschen Eigenwerbung für die Kurstadt muss sein). Seitdem dokumentiert die Website genau, wie viele Eier jedes Jahr auf dem Kamin lagen und wie viele Störche daraus erfolgreich geschlüpft sind. Per Youtube gibt es sogar einen Livestream ins Nest.