20 April 2019

Von Koblenz nach Kripp

Eine unangenehme Überraschung: Das Hotelfrühstück ist mit 10,90 Euro pro Person das teuerste, das wir je hatten. Eine angenehmere Überraschung: Es ist zumindest sehr gut. Dennoch erhält man dasselbe woanders inklusive oder deutlich günstiger. Fazit: Kinder, esst, esst, esst, damit es sich lohnt!

Auf der Balduinbrücke fuhren wir zunächst über die Mosel. Der Radweg aus den Koblenzer Vororten heraus ist wesentlich besser als der nach Koblenz hinein. Nur selten mussten wir richtig vom Rhein weg, und dann gab es schöne breite Wege für uns. Auch wenn nicht ganz eindeutig war, was nun der Rad- und was der Fußweg ist. Eigentlich ist der Radweg ja immer dichter an der Straße. Aber auf dem Weg an der Straße war nur ein blasser blauer Kreis zu erkennen, während auf dem anderen Weg manchmal blasse Fahrräder zu erahnen waren.

Hinter Koblenz erstreckt sich eine Tiefebene. Die niedrigen Hügel bleiben erstmal im Hintergrund. In der Ebene stehen Villen, ein wenig Industrie und ein Atomkraftwerk.
Hinten taucht schon der nächste Ort auf. Der heißt Weißenthurm und hat in der Tat einen weißen Turm - im Gegensatz zu den meisten anderen Orten am Rhein, die hatten alle einen rot-weißen Turm.

Mittlerweile ist es wirklich schön warm.
Die Moselmündung in Koblenz war ja ganz nett, aber nichts gegen die Mündung der Nette. Hier ließen wir uns im kalten Wasser die Stromschnellen heruntertreiben und konnten die Mündung in den Rhein hautnah erleben - auch wenn die Haut dabei von den Steinchen zerkratzt wird. Und ein super Kletterbaum ist auch noch dabei.
Am gegenüberliegenden Ufer ist das Schloss Neuwied zu sehen. 

In Andernach fuhren wir ein wenig im Zickzack, bis wir wieder einen roten Radweg zwischen Straße und Uferpark fanden.

Andernach nennt sich selbst Eine wehrhafte Stadt und hat viele trutzige Überreste einer Stadtmauer.

Wir hatten in Andernach etwas Besonderes vor. Nein, nicht Mittag essen, das haben wir zwar auch gemacht, aber das machen wir ja jeden Tag.
In Andernach wird ein besonderes Kombiticket für ein Museum und eine Schiffsfahrt angeboten, das mit 12 Euro pro Nase nicht ganz günstig ist. Doch im Nachhinein betrachtet war es das Geld durchaus wert.
Leider fährt das Schiff nur dreimal täglich. Dafür können die Betreiber aber nichts, weil nicht sie die Abfahrtszeit bestimmen, sondern die Physik. Punkt 15 Uhr fuhr uns gerade ein Schiff vor der Nase weg. Das nächste legte um 17 Uhr ab. Wir besuchten also erst das Museum und aßen noch etwas.

Das Museum nennt sich Geysir-Erlebniszentrum und ist außerordentlich interaktiv, modern und beeindruckend gestaltet. Mit einem Aufzug fuhren wir in 4000 Meter Tiefe in ein Bergwerk. Jedenfalls stand das so am Aufzug, und die Bildschirme innen im Aufzug zeigten auch die vorbeirauschenden 4000 Meter Bergwerkswand.
Bei Andernach beginnt die Eifel, ein Mittelgebirge, das vulkanischen Ursprungs ist. Eines Tages werden die Vulkane auch wieder ausbrechen. Im Museum wird unter anderem gezeigt, welche Art von Gestein aus der Lava wird, je nachdem, ob sie spritzt, explodiert oder langsam rausläuft.

Es befinden sich nach wie vor Hotspots tief unter der Eifel. In diesen Hohlräumen in der Erdkruste gibt es kein WLAN, sondern Magma und Kohlendioxid. Das Kohlendioxid sucht sich seinen Weg nach oben durch den Stein bis ins Grundwasser, das dadurch sprudelig wird und vor lauter Druck nach oben schießt. Und zack, da haben wir einen Geysir. Es gibt ungefähr 20 Kaltwassergeysire auf der Welt, und der höchste davon steht in Andernach. Auf einem Globus können sich die Besucher die anderen Geysire ansehen, wobei es ein bisschen den Eindruck macht, als wolle das Museum die Konkurrenten auf der ganzen Welt diskreditieren. ("Noch ein kleiner in Kalifornien!", "Nett, aber nichts gegen den Rekordhalter!")
Die Pumpe auf dem Bild ist äußerst anstrengend zu bedienen. Man soll das Rohr mit Wasser füllen, aber nach etwa einer Minute war das Rohr erst zu einem Drittel voll und mir taten die Arme weh.
Um dieselbe Energie aufzuwenden wie ein Geysir, müsste man das Rohr in 0,9 Sekunden vollpumpen.

Danach stiegen wir also auf das Schiff. Es fuhr 15 Minuten lang den Rhein hinauf.
Hinter Andernach endet das kurze Flachland. Nun beginnt der zweite Abschnitt des Mittelrheins, das Untere Mittelrheintal. Im Westen (im Bild rechts) erhebt sich die Eifel, im Osten der Westerwald. (Klingt komisch, ist aber so.) Die Felsen sind heller und nicht so schroff wie vorher, die Berge sind auch nicht ganz so hoch. Trotzdem ist es schön, wieder an den Bergen zu radeln.

Am Eifelufer setzte uns das Schiff dann in einem Naturschutzgebiet namens Namedyer Werth ab. Das war einst eine Insel, seit der Begradigung des Rheins ist es eine Halbinsel.

Auf einem Platz mit rostroten Feld- und Pflastersteinen steht ein Becken, in dem das Wasser brodelt. Das ist nun also dieser Geysir, um den sich hier alles dreht. Er wurde künstlich angebohrt, und zwar weil man 1903 nach Mineralwasser zum Abfüllen suchte. Dabei sprudelte es plötzlich ganz stark aus der Erde, ups, alles nass, das kennt man ja von Mineralwasser. Die Bohrung war zu schwer zu kontrollieren, auch, als man später einen zweiten Versuch unternahm. Im 21. Jahrhundert dachten sich die Andernacher dann: Lass uns das wieder aufbohren, dann haben wir da einen Geysir. Das lässt sich sicher gut touristisch vermarkten.
Nachts wird er mit einem Deckel verschlossen, damit keine betrunkenen Idioten über den Zaun steigen und auf ihm reiten wollen oder so. Tagsüber bricht er jedoch in einem natürlichen Rhythmus alle zwei Stunden aus und spritzt alles voll. Die Fontäne ist komplett weiß und versprüht viele kleine weiße Wasserfetzen, die erst am Boden wieder milchig-durchsichtig werden. Man sollte sich das jedoch nicht so vorstellen, das der Geysir sofort ganz hoch spritzt. Anfangs ist er noch klein und niedlich. Die Leute drängen sich um ihn, aber auf einmal weichen sie alle zurück.

Langsam wird er dann höher...

...und höher...

...und erreicht nach einigen Minuten seine volle Höhe. Die beträgt laut Museum bis zu 60 Meter. (Ich hatte keinen Zollstock dabei, um nachzumessen.)
Ein launiger Mitarbeiter erklärt den Gästen die Geschichte des Geysirs, falls sie keine Lust haben, die auf den Hinweistafel nachzulesen. Es dürfen auch alle einen Schluck vom Wasser trinken. Mir hat es nicht geschmeckt, viel zu salzig, aber manche trinken so was ja als Heilwasser.
Das Grundwasser kommt aus großer Tiefe und war teilweise tausende von Jahren da unten. Nun klebt es an unseren Schuhen und prasselt in der Hitze als kurzer kühlender Sprühnebel auf unsere Gesichter.

Nachdem das Schiff zurückgekehrt war, mussten wir dieselbe Strecke noch einmal radeln. Allerdings nicht durch das Naturschutzgebiet, sondern über den Gleisten und unter der Bundesstraße. Die Eifel zwängt alles sehr eng zusammen.
Die heutige Strecke war mit 45 Kilometern die längste auf der Tour. Es war 18:30 und wir hatten noch 20 davon vor uns. Jetzt wird durchgefahren!

Seit Worms begleiten uns schon große weiße Buchstaben auf Mauern. Nach und nach ist das mit der weißen Schrift ein bisschen eskaliert. Anfangs war dort nur der Name des Ortes zu lesen, dann auch die Namen von Weingütern oben auf dem Weinberg, Namenszusätze wie Loreleystadt und schließlich sogar die Namen von Hotels und deren Vorzüge ("mit Hallenbad"), also im Grunde Werbung.

Auch die Rheinkilometer (ab Konstanz gezählt) sind oft in einem schwarzen Rahmen auf die Mauern gemalt. Ansonsten stehen sie auf einem riesigen Extraschild, falls Platz genug dafür ist.

Hier verbreitert sich das Tal zur sogenannten Goldenen Meile, wo viel Obst angebaut wird. Durch die Bäume ist die Burg Namedy zu erkennen. Burgen waren heute auch wieder zu sehen, aber ihre Anzahl hat ein wenig abgenommen.

Ortseingangsschilder für Radfahrer, das finde ich super! Da fühlt man sich als Verkehrsteilnehmer wirklich ernstgenommen. Vor dieser Tour habe ich sie nur sehr selten gesehen, aber am Mittelrhein sind sie recht verbreitet.

So, nun weiter gehts eine Zick-zack-Rampe runter, am Bach entlang, durch zwei Brückenbögen...

...und zum Ufer in Bad Breisig, wo wir wegen der ganzen Fußgänger absteigen mussten. Das scheint das Motto von Breisig zu sein, es stand sogar so auf einem Schild: Willkommen in Bad Breisig, Radfahrer bitte absteigen! Zuerst war der Weg an einer Baustelle sehr schmal, dann führte er zwischen Restauranttischen hindurch. Es waren viele Spaziergänger und Radler unterwegs - da war das Schieben teilweise wirklich unvermeidlich.
Am anderen Ufer liegt Bad Hönnigen. Dort liegt ein Freilichtmuseum namens Römerwelt. "Hach, da will ich auch noch gern mit der Fähre hinfahren.", seufzte die Mutter. Doch sie wusste selbst, dass das kaum möglich war - schon gar nicht, wenn das Museum schon um 17 Uhr schließt.

Eine Holzbrücke überspannt die Ahr, die in den Rhein fließt.
Nachtrag: Damals hörten wir zum ersten Mal von diesem Fluss, und wussten weder, dass dieser Holzbrücke nur noch zwei weitere Jahre vergönnt sein würden, noch, dass der ganze kleine Fluss im Zuge dessen traurige Berühmtheit erlangen würde.
2019
2025











Wir übernachten in Kripp, einem Vorort von Remagen, der aus einer vergleichsweise ollen Fachwerkstraße besteht.

Außergewöhnliche Ausstattung unserer Unterkunft: Die Nachttischlampe, der Endgegner unserer kleinen Schwester. Sie stieß die Lampe mehrmals im Schlaf um. Morgens fungierte die Lampe somit auch als Wecker.

19 April 2019

Von St. Goar nach Koblenz

Heute durchqueren wir die zweite Hälfte des Oberen Mittelrheintals. Zeit für die nächste Ladung Burgen!
Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein werden auch die Feindlichen Brüder genannt, weil sie aus unbekannten Gründen von einer Mauer getrennt werden.

Der nächste größere Ort ist Boppard. Dort setzten wir mit einer Fähre ans rechte Ufer über. Nur einer unserer Mitreisenden fuhr versehentlich an der Fähre vorbei und blieb bis Koblenz links. Der hatte die besseren Radwege, verpasste aber ein Highlight.

Zunächst führen aber auch rechts schöne Radwege durch die Bopparder Rheinschleife. Bei Filsen befinden sich schöne Wiesen und Badestellen. Dort liegt das Rüdiger-Nehberg-Ufer. Hier stehen die angeblich längste Bank am Rhein (sie ist noch länger und passt nicht komplett auf ein Foto), eine alte Weinpresse (die Dinger stehen überall rum) und ein doppelter (Rh)Einbaum. Mit dem hat der Abenteurer Rüdiger Nehberg an dieser Stelle den Rhein überquert.

Doch nach einige Kilometern sahen wir dann, warum der rechtsrheinische Weg nur als Variante in der Karte eingetragen ist. Innerorts radelten wir auf einer stark frequentierten Straße.
Die Berge werden links niedriger, rechts rücken sie für einige Kilometer weiter vom Rhein weg.

Dann sind wir in den Ort Braubach hineingefahren. Dort stehen große Schornsteine, die zu Blei- und Silberhütten gehören. In den Minen wurden Blei und Silber abgebaut, die Hütten wurden bis in die 1950er Jahre betrieben. Irgendwann errichtete man neue Schornsteine auf dem Berg und leitete die Emissionen so zum Nachbarort um - zumindest, wenn der Wind günstig wehte.

Braubach war nicht schön. Es hat zwar auch historische Häuser mit witzigen Sprüchen an den Wänden. Aber solch historisches Fachwerk gibt es hier fast überall, da sind unsere Anforderungen schon höher. Und leider hat Braubach auch unfreundliche Menschen, Baustellen, extrem stark befahrene und ganz viele gesperrte Straßen.

Warum haben wir das alles auf uns genommen? Für eine Burg. Und das, obwohl Burgen ja an beiden Ufern nicht gerade Mangelware sind. Was an dieser Burg so besonders ist, steht auf allen Plakaten und Eintrittskarten: Es ist, ich zitiere, die einzige nie zerstörte Höhenburg am Rhein.
Die Burg wurde wegen ihrer Lage auf einem besonders steilen Berg nie angegriffen und zudem kaum umgebaut. Deshalb erhält man dort einen viel besseren Eindruck davon, wie so ein Ding im Mittelalter wirklich aussah, als bei all den anderen Steinhaufen. Das fängt schon mit der Fassade an. Eine typische Burgruine besteht heute aus grauen rohen Steinen, dabei haben Archäologen längst anhand von Rückständen herausgefunden, dass die Burgen meist verputzt oder zumindest geschlämmt waren, oft sogar bunt angemalt. Also eher wie die rot-weiße Marksburg.

Die Marksburg war für unsere Familie ein absolutes Muss. Warum? Nun ja, deswegen:

Vier Mauern sind zu überwinden, bevor der Besucher das Herz der Burg erreicht. Zwei davon dürfen wir nur im Rahmen einer Führung passieren. Ein gut gelaunter Führer hält einen großen Schlüssel in der Hand und bittet ein Kind, das Portal aufzuschließen. Auch sonst ging er so gut wie möglich auf die Bedürfnisse und Fragen der minderjährigen Gäste ein. ("Kann man damit jemanden töten?"- "Ja, aber die Waffen sind nicht zum Ausprobieren da, wir lassen die mal lieber stehen.")

Weiter drinnen wird es dann ein wenig enger. Die Burg gehörte zunächst einem Adelshaus namens Eppstein, aber bald schon ging sie an die Katzenelnbogens (wir erinnern uns, die mit Burg Katz und Burg Maus). Die machten sie zu ihrem Hauptsitz und bauten sie aus.
Zunächst hieß die Burg nur Burg Braubach, doch als im selben Ort noch die kleinere Philippsburg errichtet wurde, wählte man den heiligen Markus als individuellen Namenspatron.

"Ein Highlight ist die Toilette", versprach der Führer zu Beginn der Führung. Naja, dachte ich, dass die Burgtoiletten durch aus einem Loch mit Holzdeckel bestanden, das in den Graben führt, weiß ich schon. Doch weit gefehlt, auch ich hatte noch etwas zu lernen. Die Klonische befand sich nämlich direkt am Speisesaal und die Adligen ließen die Tür offen, wenn sie sich beim Essen dorthin zurückzogen. Zum einen wollten sie beim Tischgespräch nichts verpassen, zum anderen war so ein schickes hölzernes Erkerklo durchaus ein Prestigeobjekt zum Angeben. Wenn der Graf fertig war, verriegelte er die Tür von außen, falls Feinde im Stil von Johnny English durch das Klo eindringen sollten.
Was ich auch noch gelernt habe: Im Mittelalter schlief man sitzend, weil man im Liegen in einer todesähnlichen Position war, und das bringt Unglück. Dieser Aberglaube wird heute nur noch von Menschen praktiziert, die mit dem Nachtbus fahren.

Nun folgen die Vororte von Koblenz. Das hier ist eine Brücke über die Lahn in Lahnstein. Radfahrer werden schon lange vor der Brücke auf die Hauptstraßen geführt, es sind höchstens schmale Fahrradstreifen vorhanden oder nicht mal das. Aus diesem Grund ist unser Eindruck von Lahnstein nicht sehr positiv. Erst an der Lahnmündung durften wir wieder auf einen Radweg ans Wasser.


Die Einfahrt nach Koblenz besteht dann aus einem holprigen Radweg an einer Mauer. Links sind nun keine Berge mehr, rechts sind sie deutlich niedriger geworden. Das Obere Mittelrheintal ist zu Ende und wir verlassen Hunsrück und Taunus.
Nun müssen wir noch einmal kräftig eine Rampe hinaufschieben, um auf die hohe Brücke zu gelangen, die nach Koblenz führt. Ächz. Der Höhenunterschied zur Brücke ist wirklich nicht ohne.

In Koblenz ist zwar auch recht viel Verkehr, aber zumindest gibt es schöne breite rot gepflasterte Radwege neben dem Fußweg. Jedenfalls war die Stadt gefühlt längst nicht so stressig wie Wiesbaden oder Lahnstein.

Das Forum Confluentes ist kein Platz mit römischen Ruinen, sondern ein kahler moderner Platz.
Koblenz hat auch ein modernes, interaktives Museum über das Mittelrheintal. Aber dafür reichte die Zeit nicht mehr.

Koblenz hat im zweiten Weltkrieg ziemlich viele historische Gebäude verloren. Nun sehen die meisten Straßen eher normal und langweilig aus.
Das hier ist der Entenbrunnen.

Der Jesuidenplatz mit der Citykirche ist ganz schön.

Die Fenster der Kirche zeigen neben biblischen Szenen auch den brennenden Vorgänger dieser Kirche.

Noch mehr Szenen der Stadtgeschichte zeigt dieser geniale Brunnen. Er gliedert die Stadtgeschichte in einzelne Stockwerke, auf denen die nächste Epoche aufgebaut wird, nicht selten auf dem Rauch der brennenden Stadt. Vom Aufstieg der mittelalterlichen Handelsstadt über Sklavenhandel und Hexenwahn bis zum Zweiten Weltkrieg ist alles dabei.

Die Kirche St. Kastor steht noch. Was genau der verstörende Riesendaumen vor der Kirche bedeutet, weiß ich auch nicht.

Am anderen Rheinufer erhebt sich die Festung Ehrenbreitstein. Die gehörte zum Gebiet eines Kurfürsten, des Erzbischofs von Trier. Der war so mächtig, weil er den König mitwählen (küren) durfte. Später nutzte Preußen die Festung.
Auf die gewaltige braune militärische Anlage führt eine Seilbahn. Diesmal sind das jedoch keine Mini-Gondeln wie in Rüdesheim, sondern moderne Riesengondeln - selbst Fahrradmitnahme ist erlaubt! Für uns war es jedoch zu spät, um noch hochzufahren. Da war uns die Marksburg wichtiger. Es geht eben nur eine große Sehenswürdigkeit pro Tag.

Am bekanntesten ist Koblenz aber für das hier: Das Deutsche Eck. Ein Name, der bei Kindern erst einmal für Irritationen sorgt: "Wieso Deutsches Eck? Jedes Eck ist doch deutsch, also in Deutschland." Auch wieder wahr.
Das riesige germanische Denkmal hat eine politisch etwas weniger fragwürdige Botschaft als das Denkmal bei Rüdesheim. Das liegt auch daran, dass die Botschaft hier nicht ganz so eindeutig ist. Im Mittelalter war hier mal der Sitz des Deutschen Ordens, eines religiöser Vereins von Rittern, die karitative Aufgaben übernahmen oder in die Kreuzzüge zogen. Später errichtete man auch wieder ein Denkmal für Kaiser Wilhelm zur Gründung des Kaiserreiches, wie in Rüdesheim.
Im 20. Jahrhundert erklärte Bundespräsident Theodor Heuss das Eck zum Mahnmal der deutschen Einheit, heute steht da ein Stück der Berliner Mauer. Auf Tafeln an den hinteren Säulen hängen die Wappen der alten Bundesländer und die Namen der verlorenen Gebiete, also die neuen Bundesländer, aber auch Ostpreußen.
Das Denkmal für den deutschen Kaiser Wilhelm I. wurde im 2. Weltkrieg teils zerstört, abgebaut und später von privaten Geldern wieder aufgebaut, obwohl es Proteste dagegen gab. Beeindruckend ist es jedenfalls, mit einem Riesenkaiser, dem preußischen Adler und jeder Menge dicker Pfeiler und Treppen, zwischen denen man mehr oder weniger frei herumspazieren darf.
Rechts überspannen die Bögen der Balduinbrücke die Mosel. Die wurde nach Kurfürst Balduin benannt. Morgen früh fahren wir da rüber.

Das Deutsche Eck ist außerdem natürlich noch eine Ecke, und zwar zwischen Mosel und Rhein. Wieder einmal vergrößert einer der bekannteren Nebenflüsse unseren Strom. Die Mosel ist bekannt für ihren Wein, also ist das quasi der Zusammenfluss der beiden deutschen Weinflüsse.
Der Name Koblenz kommt vom lateinischen confluentes, was zusammenfließende bedeutet und ein Partizip Präsens Aktiv Plural ist (der Lateinunterricht zahlt sich aus).

Außergewöhnliche Ausstattung unserer Unterkunft: Die Tiefgarage mit Fahrradständer.

18 April 2019

Von Rüdesheim nach St. Goar

Als ich am nächsten Morgen erwachte, war ich schon gespannt auf das Tal. Doch das Tal war weg. Nebel und Nieselregen hüllten es ein. Wir trödelten herum, bis es wieder langsam auftauchte.
Von Rüdesheim nach Bingen fährt eine Fähre mit dem Slogan Mehr Rhein geht nicht!

Die Rheinfähren sind alle sehr schnell drüben. Naja, der Rhein ist ja auch nicht mehr ganz so breit. Um ins Tal zu passen, muss er sich dünner machen.

Bingen sieht auch schön aus und ist größer als Rüdesheim.

An der Nahespitze vereinigt sich die Nahe mit dem Rhein. Wir überqueren sie auf einer Brücke.

Hier war der Rhein so flach, dass im Mittelalter die Waren aus den Schiffen geladen und über Land auf dem sogenannten Leinpfad transportiert werden mussten. Im 14. Jahrhundert wurde deshalb zum ersten Mal das Binger Loch in den Fluss gesprengt, damit Schiffe durchpassen. Nach und nach wurde es immer weiter vergrößert.
Am Ufer befindet sich der Mäuseturmpark, wo die Bundesgartenschau stattfand. Dort gab es einen Hildegarten, benannt nach der Nonne, Pflanzenkundlerin und Heilerin Hildegart von Bingen. Ich mag die Vorliebe der Binger für Wortspiele.
Auf einer Insel im Wasser liegt der Binger Mäuseturm. Ein Bischof, der seine Bevölkerung verhungern ließ, wurde darin der Sage nach von Mäusen gefressen. Der Turm bildete mit der Burg Klopp in Bingen und der Burg Ehrenfels (im Hintergrund) eine Kette, der kein Schiff entkommen konnte: Alle mussten für den Mainzer Erzbischof Zoll bezahlen, sonst wurden sie angegriffen.
Besucher können den Mäuseturm per Fähre erreichen, allerdings nur vom rechten Ufer aus (obwohl er näher am linken Ufer steht).

Nun sind links und rechts richtige Berge, der Rhein knickt nach Norden ab und wir befinden uns in der weltberühmten Kulturlandschaft des Oberen Mittelrheintals. Rechts erstreckt sich der Taunus, links der Hunsrück. Der Nebel wich immer weiter nach Norden zurück, damit wir davon auch was sehen konnten. Ab und zu leckte er noch über die Berggipfel, aber das ist okay, das sieht ja schön aus.
Die Landschaft ist folgendermaßen aufgebaut: Aus den Bergen gucken wilde Felskanten heraus, dazwischen wachsen Bäume, Efeu und Moos. Am Fuß der Berge ist nicht viel Platz. Dort befinden sich ein bis zwei Reihen Häuser, Bundesstraße, Schienen, Radweg, ein schmaler Grünstreifen und dann ist da auch schon der Rhein.
Und ganz wichtig: Burgen! Im Mittelrheintal befinden sich rechtsrheinisch 38 und linksrheinisch 27 Burgen und Burgruinen (plus eine, die sich nicht entscheiden konnte, zu welcher Gruppe sie gehört). Wir sahen heute die Burg Klopp, Burg Ehrenfels, Burg Rheinstein (im Bild hinten links), Burg Reichenstein, Burg Sooneck, Burg Hohneck, Burg Fürstenberg, Burg Stahleck, Burg Pfalzgrafenstein, Burg Gutenfels, die Schönburg, Burg Rheinfels, Burg Katz und Burg Maus. Alle paar Kilometer taucht eine neue auf. Viele sind Privatbesitz reicher Menschen und können nicht besichtigt werden.

Weinberge gibt es auch noch oft, aber sie sind ein wenig steiler geworden.

Zwischendurch werden die Berge wieder etwas niedriger. Deshalb heißt dieser Ort Niederrheimbach. Am anderen Ufer liegt Lorch.

Wohlhabende Menschen haben sich hier Häuser hingebaut.

In Bacharach machten wir Mittagspause. Bacharach besteht aus ganz schicken rotweißen Fachwerkhäusern. Hoch oben ragt die Burg Stahleck auf. Ein Stadttor führt hinein in die Gassen, doch das faktische Tor ist heute wieder mal eine Unterführung unter den Gleisen.
Von außen sehen die Fachwerkhäuser alle so ordentlich aus.

Im Inneren von Bacherach aber sind die Häuser nicht gerade und ordentlich, sondern schräg und schief, ansonsten sehen sie genau gleich aus. Witzig.

Die Stadt hat einen Stadtmauerrundweg. Das haben die meisten Städte, aber ich kenne sonst keine, bei der ein Klettersteig mit Stahlseil an einem steilen Waldpfad enthalten ist. Die Mauern führen nämlich auch außerhalb des Stadtgebiets durch den Wald.

Über der Stadt verlaufen aber auch harmlosere Wanderwege. Einer führt zur Ruine der Wernerkapelle.

Und ein anderer führt hinauf zur Burg Stahleck. Diese Burg wurde eindrucksvoll mittelalterlich restauriert.

In der Burg befindet sich eine Jugendherberge. Dort übten die Kinder gerade mittelalterliches Lanzenreiten auf Steckenpferden, und zwar vor einem traumhaften Panorama über das Mittelrheintal. Außerdem steht dort eine mittelalterliche Tischtennisplatte aus dem 12. Jahrhundert.

Im Rhein liegen kleine Felsinseln, um die sich Stromschnellen bilden. Rote und grüne Bojen grenzen die Wasserstraße ein, in der die Schiffe sicher fahren können.
Die Grenze nach Hessen verlässt den Rhein hinter Bacharach und verschwindet im Taunus. Nun gehören beide Ufer zu Rheinland-Pfalz.

Im Mittelrheintal gibt es am linken Ufer durchgehende Radwege am Straßenrand, am rechten Ufer gibt es die nur manchmal. Deshalb verläuft die Radroute am linken Ufer. Die größeren Orte und Sehenswürdigkeiten liegen hingegen überwiegend rechts, nicht ganz optimal für Radler.
Hier liegt zum Beispiel Kaub am rechten Ufer. Außerdem ist rechts Burg Pfalzgrafenstein zu sehen. Das ist die einzige Burg, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie rechts- oder linksrheinisch ist. Also liegt sie mitten im Fluss. Bewohnt wurde sie nie. Wie schon beim Mäuseturm sollte sie nur zusammen mit Burg Gutenfels (im Hintergrund) eine undurchdringliche Zollstation bilden.

Immer mal wieder war auf Schildern und Souvenirs vom Freistaat Flaschenhals die Rede. Was ist das denn? Kurz gesagt: Am Ende des Ersten Weltkriegs waren die Westmächte etwas überrumpelt, als Deutschland früher als erwartet ein Friedensgesuch einreichte, und zogen in aller Eile bogenförmige Besatzungszonen auf der Karte. Dabei blieb am rechten Rheinufer eine Lücke zwischen den Amerikanern und Franzosen. Manche Deutsche (und natürlich Franzosen) forderten den Anschluss an die französische Zone, damit die Bewohner der Städte Kaub, Lorch und Lorchhausen sicher versorgt wurden. Aber die Bewohner wollten unabhängig bleiben, und die Alliierten konnten sich sowieso nicht einigen, wer den Flaschenhals bekommen soll. Die Landräte mussten sich also selbst verwalten (wozu sie auch umfassende Vollmachten aus Wiesbaden bekamen). Die Franzosen machten es ihnen schwer, sie machten die Grenzen dicht, kappten Telefondrähte und ließen keine Briefe zum Regierungspräsidium Wiesbaden durch. Aber das spornte Landrat Pnischek erst recht an, dafür zu sorgen, dass keiner hungert - obwohl der Flaschenhals kaum nennenswerte Landwirtschaft hatte! Schlimmer noch: An seiner schmalsten Stelle war der Flaschenhals nur einen Kilometer schmal, und es gab keine Straße ins (ebenfalls unbesetzte) Gebiet bei Limburg. Die Lebensmittel kamen deshalb nur über a) nächtliche Schmuggelboote über den Rhein und b) eine hastig improvisierte Waldstraße aus Holzknüppeln, auf der die Reise nach Limburg per Pferdewagen einen Tag dauerte. Und trotzdem haben die Teufelskerle es irgendwie geschafft, dass der Flaschenhals das erste Gebiet Deutschlands war, in dem die Lebensmittelkarten abgeschafft wurden.
Ab September 1919 wurden die Grenzvorschriften auch schon langsam gelockert, 1920 wurde die Region wieder normal von Wiesbaden aus regiert. Wenn also irgendwo steht, der Freistaat bestand bis 1923, ist das historisch nicht ganz korrekt.

Die Spannung steigt, wir nähern uns der Loreley. Doch wie das oft so ist (gerade mit Kindern): Die wahren Highlights liegen ganz woanders und lassen sich nicht planen. Diese Leiter führt zum Highlight der heutigen Strecke.

Zwei große Rheinschaukeln! Wer barfuß und bekleidet schaukelt, schwingt je nach Geschick mit nassen Füßen oder nassen Hosenbeinen zurück ans Ufer. Wer auf Nummer sicher gehen will, schaukelt in Badesachen.

Hinter der nächsten Flussbiegung taucht die Loreley auf. Das ist ein schiefer Schieferfelsen mit schroffen, schartigen Felskanten, zwischen denen Bäume wachsen. (Ley oder Lay heißt auch einfach nur Felsen.)

Die Untiefen und Hungersteine im Wasser haben früher gern Schiffe aufgeschlitzt. Das winzige Lotsen- und Wahrschauermuseum (geschlossen) erinnert an die Leute, deren Aufgabe es war, die Schiffe sicher am Felsen vorbei zu navigieren.
Und damit wären wir auch schon am Ziel. Hier liegt am linken Ufer St. Goar, am rechten Ufer die Loreleystadt St. Goarshausen.
Vergessen Sie die Lancesters und Lannisters - hier herrschte einst ein Adelshaus mit dem absolut genialen Namen Katzelnbogen. Sie waren die drittreichste Familie in Deutschland, ihr Wappen war ein grinsender Löwe. Die bauten sich über St. Goar ihre Burg Katz. Später bauten sie sich als Gegenstück noch eine kleinere Burg dazu (ganz hinten links), für die sich der Name Burg Maus durchsetzte.

Wir übernachten allerdings am linken Ufer, in St. Goar (ohne -hausen). Auch St. Goar hat eine Burg, nämlich Burg Rheinfels. Darin befinden sich ein Hotel, ein Museum und ein Naturlehrpfad an der Mauer. Dieses Museum war sogar zur Abwechslung mal geöffnet (laut Internet) und wir hatten Rabattbons vom Hotel. Aber der Aufgang zur Burg war wegen einer Baustelle versperrt.

Der Rest von St. Goar lässt sich mit folgenden zwei Sätzen beschreiben: Haben die hier echt nur eine Straße? Ach nee, da drüben ist noch eine.
Wir übernachten wir im Hotel mit dem naheliegenden Namen Zur Loreley (nach Kriemhilde in Worms schon die zweite legendäre gefährliche attraktive Frau, bei der wir schlafen).
Außergewöhnliche Ausstattung unserer Unterkunft: Die nette Dame an der Rezeption, die einfach alle Extrawünsche erfüllte. ("Einer von uns möchte früh um fünf bei Sonnenaufgang raus, um zu fotografieren, können sie ihm die Fahrradgarage aufschließen?")
Im Restaurant saß am Nebentisch eine andere Familie auf Rheinradtour. Die nahmen den kulturellen Aspekt der Reise offenbar sehr viel ernster als wir, denn sie fragten ihre Kinder regelrecht ab. ("Und wer hatte damals das Sagen am Rhein? Die Kurfürsten!") Für unsere Eltern war das eine Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass wir es bei ihnen gar nicht so schlecht hätten.

Eine Fähre brachte uns hinüber nach St. Goarshausen. Das Schiff hieß Loreley VI. Einfach alles heißt hier Loreley, von der Loreley-Klinik bis zum Loreley Burgunderwein.

Und damit meinen die alle den Felsen? Natürlich nicht, die meisten denken an eine schöne Frau.
1800 hat der romantische Dichter Clemens Brentano ein Lied in ein Kunstmärchen eingebaut, in dem von einer Frau in Bacharach am Rhein die Rede war. Die war traurig, dass ihr magischer Blick alle Männer zugrunde gerichtet hat, aber ausgerechnet ihr Geliebter abgehauen ist. Sie bittet den Bischof, sie zu töten, soll aber lieber ins Kloster gehen und springt schließlich vom Felsen in den Rhein. Soweit das Original.
Die bekannte Version ist aber die von Heinrich Heine, der ihr die Schuld an den aufgeschlitzten Schiffen zuschiebt, weil sie zur heimtückischen singenden Sirene wird: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin. Ein Märchen aus uralten Zeiten, das geht mir durch den Sinn. Damals existierte die Figur der Loreley erst seit 24 Jahren, uralt scheint ein dehnbarer Begriff zu sein. Aber vielleicht auch einfach ein Hinweis, dass Heine die ganze Idee aus dem antiken Griechenland abgekupfert hat, wo die Sirenen schon vor Jahrtausenden sangen.
Auf einer langen Halbinsel im Hafen von Goarshausen steht ihre Statue und guckt melancholisch. Wir wanderten über die lange Halbinsel dahin. Wann zeigen einem die Eltern denn sonst schon eine nackte Frau?

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so wichtig bin.
Es streben ja zu allen Zeiten
Touristen zu mir hin.

Sie wollen mich fotografieren,
und dann sind sie schon wieder weg.
Ich will mich ja gar nicht genieren,
doch sehe ich nicht ganz den Zweck.

Ich bin zwar ganz hübsch, ja, das weiß ich
und doch bin ich auch nur ein Fels.
Ich weder rund noch sehr weiblich.
Naja, auch egal. Euch gefällt's.

Was habe ich nicht alles Negatives gelesen über das Mittelrheintal und speziell diese Stelle. Überfüllt, massentouristisch, gar nicht mehr romantisch soll sie sein und extrem laut durch Güterzüge, Bundesstraßen und Flusskreuzfahrtschiffe mit Lautsprechern. Da würde der Gesang der Loreley heutzutage sowieso untergehen.
Tja, im Sommer mag das ja alles stimmen. Und ja, ab und zu poltert ein Güterzug wirklich ziemlich laut, oder die Bundesstraße rauscht im Hintergrund. Doch an einem warmen Mittwochabend in den Osterferien gibt es tatsächlich Augenblicke, in denen an der Loreley ausschließlich Vogelgezwitscher zu hören war. Als wir uns der Hafenmole näherten, befand sich an der Loreleystatue exakt eine andere Person.
Ich würde sagen, wir haben es drauf. All die Leute, die sich beschweren, müssen einfach Anfang April hinfahren.

Wir sind aber nicht nur wegen der Statue ans andere Ufer gefahren. Wenn wir schon mal da sind, sollten wir auch noch auf den Felsen steigen. Naja, zumindest einige von uns, die noch nicht zu müde sind.
Dafür gibt es zwei Wege. Zum einen führt eine lange, steile Steintreppe mit zu großen Stufen am Hafen direkt nach oben. Die haben wir auf dem Hinweg genommen.

Zum anderen führen noch zwei verschnörkelte Wanderwege über die Berge und hinunter nach St. Goarshausen. Einer davon ist Teil des längeren Rheinsteig-Wanderwegs. Der längere führt erst bei Burg Katz nach unten. Den kürzeren haben wir auf dem Rückweg gewählt, damit wir die letzte Fähre um 21 Uhr noch schaffen.
Dieser Weg schlängelt sich über Wiesen, durch vertrocknete Blätter im Wald und führt auf kleinen Holzleitern über Zäune, die wohl verhindern sollen, dass das Wild zur Bundesstraße läuft. Und Wild gibt es dort tatsächlich. Wir haben einen Fuchs gesehen. Laut Schildern soll es auch Elche geben, daran habe ich aber gewisse Zweifel.

Wie auch immer, beide Wege führen jedenfalls auf eine touristisch ausgebaute Aussichtsplattform. Hier stehen der Loreley-Spielplatz, das Loreley-Besucherzentrum und eine Sommerrodelbahn namens Loreley-Bob. 2031 soll hier die Bundesgartenschau stattfinden und alles wird schon umgebaut. Im grauen Gebäude warfen Beamer den Text an die Wand, während Lautsprecher Heines Lied sangen.
Hier oben parken wohl auch die meisten Besucher ihr Auto auf dem riesigen Parkplatz, die machen also gar keine Wanderung. Doch auch oben war es heute Abend ziemlich leer.

Das wirklich Interessante ist natürlich die Aussichtsplattform. Dort guckt teilweise der Fels raus, das ist ganz schön gemacht. Nur das omnipräsente rostige Metall ist nicht so meins.
Der Blick nach Süden sieht so aus.

Und das ist der Blick nach Norden. Rechts ist St. Goarshausen, links St. Goar und vorne links der Stadtteil St. Goar An der Loreley, der im Grunde nur aus dem Campingplatz Loreleyblick besteht.