Die erste Stadt, die wirklich an der Zschopau liegt, heißt Schlettau und sieht nett aus.
Besonders das Schloss Schlettau, ein altehrwürdiger weiß-gelber Kasten in einem kleinen Park, wo sogar der ehemalige Graben grün ist. Von den verschiedenen Ausstellungen habe ich mir eine angeschaut, die sich in einem Nebengebäude (im Hintergrund mittig) versteckt.
Ganz besonders zieht sich das Thema Bergbau durch die Ausstellung. In einem aufgeschnittenen Modell eines Buckelbergwerks buckelten die Bergleute auf der Suche nach Silber, Eisen und Erz mechanisch durch die Gänge. Auch in den Weihnachtsdörfern ist der Bergbau präsent, dort aber eher folkloristisch verklärt durch zwergenähnliche Gestalten.
Jetzt kommt der Teil des Zschopautals, der Teil, bei dem ich verstanden habe, warum der Radweg als schön gilt. Diese enge Schlucht zwischen zwei senkrechten Fels- und Waldwändern macht wirklich was her. Dabei war es bei dem geringen Verkehr auch gar nicht so wichtig, ob ich auf einer erhöhten Straße...
...oder einem erhöhten Waldweg fuhr. Der Fluss rauschte sowieso tief unter mir dahin, alle paar Biegungen mit einer alten Getreidemühle, die laut Schild auch mal als Frauengefängnis, Baumwollspinnerei und Schokoladenfabrik (daher also vorhin der Schokoladenweg) gedient hat. Sehr schön, dann müsste ich doch jetzt bald... was, das waren erst 6 Kilometer?! Wieso komme ich trotzdem nicht voran.
Weil mein Knie, auch wenn ich es zu ignorieren versuchte, sich inzwischen sogar bei fast optimal flachen Wegstrecken zu beschweren begann. Und wieso ist mein Handy schon leer?
Das Panorama von Wolkenstein ist ein Blickfang, denn unter dem Schloss steht ein historischer D-Zug herum. Darin befindet sich jetzt das Wolkensteiner Zughotel, ein Wagen dient als Restaurant, einer auch als Imbiss mit Außenanlagen. Der sieht am wenigsten so aus, als könnte er jemals wieder losfahren.
Frustriert über mein Tempo verzog ich mich in die Bäckerei direkt gegenüber, um mein Handy und mich etwas zu laden. Die Bäckereifachverkäuferin war wirklich vom Fach, denn sie deutete meinen enttäuschten Blick auf den Süßkram in der Auslage sofort richtig: "Sie wollen etwas Herzhaftes? Ich kann Ihnen eine Bockwurst machen."
Wenn dir der Wegweiser die Wahl lässt zwischen über S228 und über "Schiebestrecke", dann weißt du, dass die nächsten Kilometer nicht leicht werden. Vor allem dann, wenn die Schiebestrecke über eine Alte Poststraße geht, die schon 1850 ersetzt wurde durch eine "bezüglich der Steigungsverhältnisse" günstigere Route. Und vor allem dann, wenn von diesem Weg vor Ort absolut nichts erkennbar ist.
Ich wählte das geringere Übel und fuhr auf Straßen rauf und runter, aus dem Tal raus und wieder rein, immer wieder mit jeder Menge Kuren, welche die Strecke verlängern.
Inzwischen ragte alle paar Kilometer ein Schloss über einer Flussbiegung auf, aber ich war nicht mehr in der Lage, mich daran groß zu erfreuen. Außer am Schloss Wildeck, denn erstens ist das ragt das besonders breit und eindrucksvoll über der Stadt Zschopau auf und zweitens sollte der Weg hier bald flacher werden. Ein bisschen zumindest.
Bald darauf war mir tatsächlich ein direkter Flussuferweg in einer Parklandschaft vergönnt. Aber ewig hielt das nicht an, bald folgte die nächste Steilstraße.
So hatte das keinen Sinn mehr! Das Ende der Zschopau war heute nicht mehr zu erreichen, schon gar nicht in diesem kniebedingten Tempo. Was ist denn nur los?
In der Stadt Flöha habe ich den Tag also abgebrochen. In Flöha mündet die Flöha, ein Nebenfluss, der eigentlich sogar größer ist als die Zschopau und hydrologisch damit der ganze Hauptfluss der ganzen Mulde. Die längliche Stadt zieht sich komplett an den Flüssen und Hauptstraßen entlang. Auf der einen Seite sehen die Häuser hinter der Straße ja noch ganz okay aus. Auf der anderen liegen weitere Burgen, diesmal aber ebenerdig, im modernisierten Industriezeitalter-Look und mit ganz neuen Adelshäusern namens POKKO PENNY REWE.












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