04 Juli 2008

Elbe: Von Bützfleth nach Hamburg

Und weiter ging die Fahrt, diesmal wieder bei trübem Wetter.


Einhändig aus der Lenkerperspektive zu fotografieren ist nicht ganz einfach.

Auf der nächsten Tagesetappe begegneten wir idyllischen Häusern mit Strohdächern,...

...einem Aussichtsturm in einer Ruine,...

...verregneten Skylines niedersächsischer Städte,...

...Brücken, falls man mal wieder das Ufer wechseln will,...

...mehr Spielplätzen...

...und einer Herde lebendiger Deich-Rasenmäher inklusive Schäfer.

Bei Regen suchen die Schafe unter einer Brücke Zuflucht, genau wie wir.

Mittag gab es in der Windmühle von Jork. Da ist ein Restaurant drin.

Eine Etage darüber konnten wir uns den Mahlstein ansehen.

Und dann hörten die guten Radwege irgendwann auf und wir mussten uns über Straßen, komplizierte Kreuzungen mit oder ohne Ampeln und Bürgersteige durchschlagen und verfahren. Am anderen Ufer stand plötzlich ein Flughafen und wir waren mehr oder weniger in den Außenbezirken von Hamburg gelandet.

In einem straßenbahnartigen Boot gelangten wir ins Stadtzentrum. Das war ganz schön schaukelig.

Weitere öffentliche Verkehrsmittel von Hamburg sind S- und U-Bahnen. Wobei der Unterschied da nicht so eindeutig ist, denn die U-Bahnen fahren auch manchmal oberirdisch und die S-Bahnen unterirdisch.

Während der Radtour damals übernachteten wir in der Stadt und flohen am nächsten Morgen gleich wieder, denn für Fahrräder war das wirklich nicht so toll. Deshalb folgen hier stattdessen noch ein paar neuere Bilder von Hamburg.
Für Hamburg benötigt man nur eine Handvoll Zutaten, die in großer dicker weißer eckiger Schrift locker auf eine Eisenbahnbrücke passen: Kanäle, Himmel, Eisenbahnbrücken, Wind, Schiffe, Lagerhäuser, Wolken, Hafenkräne.

Und, nun ja...

...das isses im Prinzip auch schon.
In der Speicherstadt ragen die einstigen Lagerhäuser in den großen Fluss hinein, und das macht dann durchaus Eindruck. Um diesen Eindruck zu verstärken, wurde im Rahmen von Deutschlands vergleichsweise pünktlichster und beliebtester Dauerbaustelle ein Konzerthaus obendrauf gesetzt, das (vermutlich nicht in Anlehnung an Stranger Things) Elphi heißt. Seine gläsernen Wellen und Zacken setzten quasi dem Stadtviertel und der ganzen Stadt die Krone auf.

 
Wem die Konzertkarten zu teuer sind, der darf zumindest für ein paar Euro per Rolltreppe hochfahren und um sich zwischen den seltsam geschwungenen, weißen und gläsernen Kurven der Plattform Plaza den Hamburger Hafen anzuschauen.
Ein Souvernirgeschäft verkauft Elbphilharmonie-Merchandise: Ein Klemmbaustein-Modell für 300 Euro, ein Weinglas, das bei bestimmtem Füllstand bestimmte Musiknoten von sich gibt, Golfbälle mit Elphi-Logo... wenn das an den durchschnittlichen Besucher angepasst ist, dann bleiben Zweifel, ob es sich tatsächlich um ein "Kulturdenkmal für alle" handelt. Aber die Akustik sei super, davon schwärmt jeder, der schon drin war.
 
 
Wer dort den Fluss raufschaut, sieht unter anderem das linke Rotlicht- und Fußball- und einstige Arbeiterviertel St. Pauli mit seinen Landungsbrücken. Damit sowohl die Arbeiter als auch die Schiffe (ohne Störung durch ständige Fähren) Hafen kamen, wurde schon 1911 ein gefliester Tunnel unter der Norderelbe gebuddelt. Für Rampen war kein Platz, darum sind die mausoleumsartigen Eingangsgebäude mit großen Lastenaufzügen gefüllt. Was für ein beklemmendes Bauwerk, in dem die Geschichte von der Decke zu tropfen scheint.
Bei solch engen Fahrbahnen und überhaupt bei diesem Anblick kann man sich denken, dass es längst einen moderneneren Tunnel nebenan gibt. Autos dürfen im Alten Elbtunnel nur noch vormittags in die eine Richtung und nachmittags in die andere. Eigentlich. Aber weil eine der zwei Tunnelröhren zur Dauerbaustelle wurde, müssen alle Kraftfahrzeuge draußen bleiben - die Riesenaufzüge fahren allein für große Radfahrer- und Kinderwagengruppen, die zu groß für den normalen Aufzug und die Treppe sind.
Metallene Brücken gibt es in Hamburg nicht nur für Autos und Bahnen, sondern auch für Fußgänger. Sogar mit Rolltreppen!

Überall stehen rote Mülleimer mit mal mehr, mal weniger witzigen Sprüchen.

In den gläsernen Gebäuden werden verschiedene Medien produziert, zum Beispiel die Zeitschrift  Spiegel mit einer riesigen Wand, an der lauter orange Gummireifen hängen (zumindest sieht das so aus).

Kirchen gibt's natürlich auch, zum Beispiel die Michaeliskirche bei Gegenlicht.

In Hamburg mündet die Alster in die Elbe. Jenseits des Stadtzentrums heißt das Ding Außenalster. Dann fließt es unter einer Brücke durch und wird umbenannt in Binnenalster. Das sieht eher wie zwei verbundene Seen als wie ein Fluss aus.

Damit aber nicht noch ein dicker Fluss durch die Stadt fließt (da wäre wohl gar kein Platz mehr für die Häuser), wird die Alster viel schmaler. Zwischen den Straßen ist nur noch Platz für Fleete (Stichkanäle). Einige davon bestehen größtenteils aus Matsch.

Was bei diesem Hamburger Zutaten-Konzept etwas zu kurz kommt, sind Autos. Die stauen sich dann in irgendwelchen kleinen Straßen und hoffen verzweifelt, dass sie noch diese Woche den Ausgang aus dem Labyrinth finden. Da haben es Fahrräder dann wohl doch besser.

Auch Pflanzen kommen in der originalen Zutatenliste nicht vor. Wenn sich mal ein Baum zwischen die weißen Steine an der Promenade verirrt, ist das schon ziemlich unverschämt von dem.

 Im plattdeutschen Park "Planten un Blomen" gibt's eine Eisbahn mit sehr lauter Musik...

...und wirklich sehr warme Gewächshäuser, in denen Pflanzen endlich mal offiziell erlaubt sind.

Doch zurück zu den Speichern, denn in denen befinden sich auch die bekanntesten Museen Hamburgs. Etwas neuer ist der Dialog im Dunkeln, wo ein Blinder eine Gruppe Sehende durch stockfinstere Räume mit komplexen Alltagssituationen leitet und bei der anschließenden Plauderei in der Dunkelbar auch ihre dümmsten Fragen beantwortet (das geht immerhin einfacher als beim Dialog im Stillen nebenan). 

Geringfügig heller ist der Hamburg Dungeon, eine Mischung aus Geisterbahn und Geschichtenhaus. Man geht da von Station zu Station und sieht interaktive Vorführungen zur grausamen Stadtgeschichte, zum Beispiel nimmt der Folterknecht einen aus der Gruppe und foltert den, also quasi. Das ist zwar eher komisch als gruselig (Heutzutage ist es ja eigentlich gar nicht wirklich möglich, irgendwen richtig zu gruseln.), wirkt aber viel echter als jede aufgebaute Geisterbahn. Und man kann sich einen Haufen makabre Zitate merken. ("Ich mag Kinder. Aber nur als Wurst.")
Fotos darf man nicht machen. Immerhin ist mir dieses illegale dunkle Foto aus dem ersten Raum gelungen, das die ganze kriminelle Energie im Nachhinein betrachtet auch nicht so wirklich wert war.



Bei unserem Schulausflug damals gab es den Dialog im Dunkeln noch nicht, und der Dungeon war ausgebucht. Da die Alternativen aus dem Deutschen Zollmuseum und dem Gewürzmuseum bestanden, wollten natürlich alle ins Miniatur-Wunderland.
Das ist eine richtig große Modellbahnanlage, in der alles Mögliche herumsteht: Hamburg (die Elb, Skandinavien, Österreich, die USA, eine erfundene Stadt, deutsche Geschichte, ein Flughafen... jedesmal, wenn man wiederkommt, gibt's irgendwas Neues. (Selbst wenn sich das Neue dann doch nur als Helene-Fischer-Stadion herausstellt.) Als nächstes kommt Italien.
Weil das Miwula so beliebt ist, muss man sich teilweise Zeitkarten kaufen, auf denen die Uhrzeit draufsteht, wann man reindarf. Im Prinzip steht da auch eine Uhrzeit drauf, zu der man rausmuss, aber das wird zum Glück nicht kontrolliert.
An den Tischen befinden sich Knöpfe, die Sachen auslösen: Ein Flugzeug hebt ab, ein Holzfäller haut einen Baum um (der kurz darauf wieder aufsteht) und das Schokoladenfabrik-Gebäude spuckt Schokolade aus, wenn man Glück hat. (Wenn nicht, versucht man es so lange, bis doch noch was rauskommt oder man von der langen Warteschlange hinter sich weggedrängt wird.)


Besonders beeindruckend ist die Schweiz, denn die Berge da sind wirklich, wirklich hoch: sage und schreibe fast sechs Meter!

Die Details verraten vieles über die Modellbauer. Zum Beispiel scheinen sie keine Staudämme zu mögen...

...und sich gerne über Verschwörungstheorien lustig zu machen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen