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Flüsse

Noch mehr Radreisen

06 April 2026

Zschopau: Von Flöha nach Limmritz

Zschopau-Tag 3: Schilderwald statt Milderwald


gefahren im: Mai 2026
Start: Flöha, Bahnhof bzw. Struthweg, Hochwasserschutzdeich am Flöha-Zschopau-Zusammenfluss
Ziel: Limmritz, Bahnhof bzw. Zschopaumündung
Länge: 46,4 km
Flöhaquerungen: 2
Ufer: mehr rechts
Bundesländer: Sachsen
Landschaft: sächsische Felswaldschlucht, verborgener Stausee, grüne Hügel
Wegbeschaffenheit: verwinkelt-bergige Radwege und Straßen
Steigungen: immer noch
Wetter: ruhig & grau
Wind: bisschen auf den Hügeln, aber ich weiß gar nicht mehr, in welche Richtung
Highlight: private Gartengestaltungen mit Schildersammlungen
Größte Hürde: noch rechtzeitig die Mündung sehen und es trotzdem wieder hoch zum früheren Zug schaffen
Zitat des Tages: "Die Nacht ist so lau, und der Mond scheint so klar, / Heididel dei dideldö. / Noch einmal schreiten zum Tanzen die Paar. / Heididel dei dideldö. / Vom Tanze erdröhnet das uralte Haus,
Beim Kronenwirt geht nun das Lämpeli aus, /ha ha heididel ha ha..."
- Beim Kronenwirt, Heinrich Binder/Mark Brandenburg/Baden?, Trink- und Scherzliederweg -


So, heute beende ich endlich die Zschopau. Die Berge sind doch schon niedriger geworden, also wird es wieder etwas leichter, oder?
Nope, es bleibt steil. An dieser Stelle sogar so steil bergab, dass ich befürchtete, mein Hinterrad würde gleich von der Fahrbahn abheben und mein Vorderrad über meinen Kopf hinweg überholen. Mit anderen Worten: Ich war kurz davor, tatsächlich auf das Radfahrer-absteigen-Schild zu hören.

Die sehr steilen Kleingärten haben eigene Standseilbahnen, um Dinge in ihre Lauben zu transportieren.

 
Aber der Weg wird jetzt auch dreifach kreativ. Es handelt sich nicht einfach nur um den Zschopautalradweg und Zschopauwanderweg, sondern auch noch um den Industrie- und Geschichtslehrpfad, den Purple Path und den Trink- und Scherzliederweg.
An ausgewählten Felsbrocken hängen Platten mit Liedtexten. Manche wie das im Bild sind bundesweit bekannt, andere sind in erzgebirgischem Dialekt verschlüsselt oder handeln davon, wie der Brautpaar während seiner Hochzeitsfeier immer wieder ungeduldig auf die Uhr guckt, wann es denn nun angemessen ist, sich zurückzuziehen.

Der Purple Path ist eine Freiluftgalerie, für die sogar großflächig auf der Erzgebirgsbahn geworben wird und die ganz stark an den Vechtetalradweg erinnert. Nicht nur wegen des Kunstwerks, sondern vor allem wegen der riesigen lila Säulen, welche lang und breit die Bedeutung des Werks erklären.

Das Floating Home von Karolin Schwab ist eine Immobilie, die im Dach, den Wänden und besonders im Boden einige undichte Stellen aufweist, und so ist es kein Wunder, dass sich im Keller ein massiver Wasserschaden gebildet hat. Aber dafür sollen sich zwischen den roten Vierkantrohren im Laufe der Jahreszeiten immer neue Aussichten bilden. Andere Kunstwerke habe ich nicht gesehen, wahrscheinlich verläuft der Purple Path größtenteils doch woanders.

 
Nicht so schlimm, dafür läuft der Industrielehrpfad lange an der Zschopau entlang. Kleine Kameras zeigen Fotos der längst abgerissenen oder stark umgebauten Gebäude. Hier stand zum Beispiel eine Pickerfabrik von 1874, die sich auf Spezial-Chromleder für mechanische Webstühle spezialisiert hatte. Die waren so wichtig, dass die DDR sie unbedingt verstaatlichen wollte, aber auch so einflussreich, dass der Staat bis 1961 brauchte, um eine staatliche Beteiligung zu erzwingen, und nochmal bis 1972, um die Eigentümer komplett zu verdrängen. Mit der Einführung der D-Mark 1990 war es mit der Firma vorbei, heute steht nichts mehr davon.

Auch ein kleiner Fluss wie die Zschopau wird manchmal mit Fischtreppen ausgestattet, die sogar hübscher aussehen als bei so manchem großen Fluss.

Dieser Garten verfügt über einen besonders kuriosen Schilderwald. Als einfaches Mittel der Distanzierung wurde das DDR-Schild kopfüber angenagelt. Nebenan hatte jemand mit Edding hinten auf ein stark zerbeultes Auto die Worte AMG Stauanfang - Unfall? gekritzelt.


Aus dem Tal raus, den Berg rauf, und wieder runter... nein, der Zschopau-Radweg bleibt anstrengend, und so ganz überzeugt hat er mich diese zusammengestückelte, lückenhafte Route dann doch nicht.

Auf einem der letzten Berg-Ausflüge ist zu sehen, wie... nein, jetzt noch nicht, erst wieder ein bisschen runter, und in diesem engen Tal erst recht nicht, also wieder hoch, ah, jetzt... wie die Zschopau zur Talsperre Kriebstein angestaut wird. Dieser waldreiche, unauffällige Stausee hält sich bedeckt.
 
Auch Burgen und besonderen Bauwerken gibt es noch ein bisschen was zu sehen: Da ist dieser verfallene Burgturm am Wegesrand,...

 

 ...ein ungewöhnlich schönes Stauwehr...

 

...und schließlich die Burg Kriebstein, die sicherlich beeindruckendste Burg an der Zschopau.

Ganz zum Schluss kam dann unerwartet doch noch etwas, das mehr oder weniger nach einer richtigen Stadt aussah, und zwar sogar nach einer schönen. In der Altstadt von Waldheim gab es zwar keine Supermärkte, die standen beide weit außerhalb, aber zumindest einen Rossmann, der 1-Liter-Getränkeflaschen verkaufte.

Noch ein letzter Anstieg, und dann kam auch schon das Tal der Freiberger Mulde bei Döbeln in Sicht. Der nächste Bahnhof liegt in Limmritz. Bleibt nur noch die Frage, ob von der Mündung da unten mehr zu sehen ist als zwei Täler, die aufeinander stoßen. Und ob ich, falls ich da ganz nach unten fahre, noch rechtzeitig wieder hoch zum Bahnhof komme für den nächsten Zug.

Die Antwort auf beide Fragen lautete: Ja. Ich musste mich nicht mal auf den wilden Pfad am Ufer bemühen, schon von der Bundesstraßen-Brücke aus war der Zusammenfluss zu erkennen. Oder? Jup, die beiden fließen laut Karte schon vor der Eisenbahnbrücke zusammen, also muss es die Stelle da auf dem Bild sein.


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