Höhepunkt und Herausforderung an diesem Tag waren die vier Floßgassen von Český Krumlov (siehe letzter Post), danach wurde es ruhiger und bewaldeter.
Hinter Český Krumlov kann man an einer Seilrutsche über die Moldau sausen. Wenn gerade kein Mensch sausen will, hängt am Seil zu Werbezwecken eine befremdliche Puppe, die an einen Leichnam erinnert.
Woanders kann bei Bedarf an solchen Wäscheleinen ein Parcours zum Durchpaddeln herabgelassen werden.
Wo viele Paddelboote kentern, fallen natürlich auch viele Dinge in den Fluss und werden weggespült, bevor die Besitzer sie erwischen können. Hauptsächlich Kleinkram, den man während der Fahrt gebrauchen könnte und deshalb eben nicht in die wasserfeste Tonne packt. (Ich habe sogar eine einwandfrei erhaltene, laminierte Karte der Paddelstrecke auf dem Grund der Moldau entdeckt. Leider sehr kurz vor dem
Ziel, sodass sie mir wenig brachte.)
Der wichtigste Gegenstand dieser Art ist eindeutig die Trinkflasche. Darum ist in einer Flussbiegung ein großer Strand aus angespülten PET-Flaschen entstanden.
Da ist dieser altersschwache Felsen doch wesentlich schöner.
Trotz des Plastiks leben Tiere in der Moldau, zum Beispiel der Rak pruhovaný ("Gestreifte Krebs"). Der ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingewandert, entweder über die Elbe aus Deutschland oder über die Oder aus Polen. Dort wiederum wurde er ausgesetzt, um die ursprünglichen fast ausgestorbenen Krebsarten zu ersetzen - wodurch deren Verdrängung noch schneller voranging, denn der gestreifte Genosse legt mehr Eier und wächst schneller.
Und mit dem Fahrrad? Gab es jetzt keine Möglichkeit mehr, abzukürzen. Einen Radweg am Moldauufer gibt es nur ganz kurz, dann verläuft unten im Tal nicht einmal mehr eine Straße. Die direkte Hauptstraße ist ähnlich steil wie die Nebenstraßen und war deshalb keine gute Wahl mehr. Ich fuhr hoch zwischen die Wohnblocks von Krumlov, bis eine Felswand die Straße zusammendrückte. Radfahrer sind an dieser Engstelle verboten, also nahm ich einen Umweg. In einem Tesco-Hypermarkt kaufte ich Lebensmittel und eine Powerbank, welche die Kassiererin vergeblich vom Sicherheitsverschluss zu befreien versuchte. Dann radelte ich noch höher bis an den Waldrand, und an den Feldern und Bahngleisen wieder steil abwärts nach Zlatá Koruna - bis mich eine Umleitung und eine Bauampel wieder stoppten, denn ein Teil der Dorfstraße war anscheinend die Böschung runtergeplumpst.
Der Campingplatz von Zlatá Koruna ("Goldene Krone") ist eine besonders schmale Wiese am Flussufer. Die Plätze sehen sich so ähnlich, dass jemand auf einem Plastikstuhl am Ufer sitzen und alle Gruppenmitglieder heranrufen und -winken muss. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme gibt es ein Aufpasser-Boot für das vordere und eins für das hintere Ende der Gruppe, da diese sich naturgemäß während des Tages doch sehr in die Länge zieht.
Am Ende jeder Paddelreise wird der "Kenterkönig" ernannt und mit einer Piratenmütze gekrönt. Bei der zweiten Reise sind wir an diesem Tag zum zweiten Mal gekentert und lagen damit in Führung. Daher waren wir dann doch erleichtert, als jemand anders den Campingplatz erreichte und verkündete, er sei an derselben Stelle ins Wasser gefallen wie wir - nur dass es bei ihm das dritte Mal auf der Reise war. So waren wir dem Spotttitel gerade noch so entkommen.
Anders als in Krumlov liegt der Zeltplatz diesmal direkt gegenüber vom Zentrum.
Anders als in Krumlov ist in diesem Zentrum jedoch nichts los.
Trotzdem sind wir mal eine Runde gegangen, schließlich wollte sich der reisende Pastor das Kloster ansehen. Neben der Dorfkneipe steht ein "Erinnerungsbaum", der in der Mitte von einer Feldsteinmauer zusammengehalten wird. Der eigentliche Mittelpunkt ist aber das ehemalige Zisterzienserkloster.
Wir konnten zwischen den ausgedehnten Klostergebäuden umherspazieren. Einen klassischen Kreuzgang habe ich nicht gesehen, sondern zwei Kirchen, die von langgezogenen bunten Wohnhäusern und Mauern umringt waren. Das ist zwar alles gut in Schuss, aber verschlossen und verschlafen. Sollte
es hier ebenfalls noch Mönche geben, sind sie wesentlich
zurückgezogener als die in Rožmberk. Das Aktivste in diesem Ort war der
Schatten der goldenen Sonnenuhr, der im Laufe des Nachmittags über das
Zifferblatt schlich - und offenbar noch auf Winterzeit eingestellt war.






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